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RUBENS 91 1. Oktober 2004


Schneller Doktor

SEEFORM: Programm zum akademischen Neuaufbau Südosteuropas


Dank der Juniorprofessur können deutsche Wissenschaftler bereits in jungen Jahren selbständig forschen und lehren. Anders sieht es auf dem Balkan aus. Aufgrund einer aufwändigen Dissertation inkl. vorheriger Qualifikation erwerben vor allem Ingenieure ihren Doktortitel erst mit Ende 30. Mit der South Eastern European Graduate School for Master and Ph.D. Formation (SEEFORM) soll es zügiger gehen. Federführend beteiligt ist die Fakultät für Bauingenieurwesen der RUB. Sie bringt ihre Erfahrungen aus dem Graduiertenkolleg Computational Structural Dynamics ein. Das zum DAAD-Sonderprogramm "Akademischer Neuaufbau Südosteuropas" zählende SEEFORM-Programm startet im Oktober 2004, wissenschaftliches Zentrum ist die Uni Skopje (Mazedonien).
SEEFORM richtet sich an hochqualifizierte Bauingenieure (mit Master) aus Südosteuropa, ihnen soll der Weg zum Doktortitel (Ph.D.) erheblich verkürzt werden - bei einer zeitgleich anspruchsvollen Betreuung in einem gesamteuropäischen Umfeld. Neben der RUB und der Uni Skopje sind drei weitere deutsche Hochschulen (RWTH Aachen, Bauhaus-Universität Weimar, Universität Kassel) und elf Universitäten aus Südosteuropa (Sarajevo, Belgrad, Nisch, Novi Sad, Subotica, Podgorica, Mostar, Iaschi, Bukarest, Tirana, Sofia) an SEEFORM beteiligt.
Die SEEFORM-Teilnehmer promovieren zwar an ihrer jeweiligen Heimatuniversität in Südosteuropa, sie werden dabei allerdings von deutschen Wissenschaftlern betreut. In deren Universitätsinstitutionen forschen die jungen Ingenieure zudem vier Monate lang. Alle Teilnehmer absolvieren Kurse in Mathematik, Mechanik und Ingenieurwissenschaften am SEEFORM-Zentrum in Skopje. Sie müssen zudem über den Fortschritt der mit der Dissertation verbundenen Forschungsarbeit in jährlichen Workshops berichten. Das Programm ist auf drei Jahre angelegt und wird per Stipendien unterstützt (250 Euro pro Monat); darüber hinaus sind die Stipendiaten weiterhin an ihrer Heimatuni beschäftigt und bekommen auch dort ihr Gehalt.

Nachwuchssorgen auf dem Balkan

Zu den betreuenden deutschen Wissenschaftlern gehört Prof. Günther Schmid (Theorie der Tragwerke und Simulationstechnik, Fakultät für Bauingenieurwesen der RUB), der zurzeit im Rahmen des Netzwerkes DYNET in Skopje unterrichtet und dort Anfang 2002 auch den Studiengang "Earthquake Engineering" mitgegründet hat (RUBENS 71). Er erinnert an die wirtschaftliche und wissenschaftliche Isolierung des ehemaligen Jugoslawiens, unter der die Hochschulen in der Region bis heute zu leiden haben: "Die Ausstattungen konnten noch immer nicht auf den heutigen internationalen Stand gebracht werden und, was sich langfristig besonders nachteilig auswirkt: Viele der besten Professoren und Nachwuchswissenschaftler sind von den Hochschulen weggegangen oder in den Westen abgewandert."
Gerade diese Lücke zu füllen, hat sich als besonders schwierig erwiesen, da die wissenschaftliche Qualifikation für eine Hochschulkarriere im ehemaligen Jugoslawien seine Zeit braucht: Zusätzlich zum Diplom wird der Master-Grad als Zugang zur Promotion vorausgesetzt, wobei die Masterarbeit häufig drei Jahre in Anspruch nimmt. "Die anschließende Promotion ist auch nicht unter fünf Jahren zu haben, so dass selbständige, wissenschaftliche Arbeit meist erst am Ende des dritten Lebensjahrzehnts beginnen kann", konkretisiert Prof. Schmid das Problem, das mit der schnellen Dissertation bei SEEFORM behoben werden soll. Schmid selbst ist ab Oktober wieder in Mazedonien, zuständig an der RUB für SEEFORM ist sein Kollege Prof. Rüdiger Höffer (Aerodynamik im Bauwesen).

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Letzte Änderung: 01.10.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik