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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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| RUBENS 91 |
1.
Oktober 2004 |
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Manege frei
Uta Müller
schreibt ihre Dissertation über Zirkusmarketing
Ein Jahr lang mit einem Zirkus herumwandern - und das
zu Forschungszwecken? Eine ungewöhnliche Idee. Die
Leiterin der Allgemeinen Verwaltung in der Universitätsbibliothek
Uta Müller hat sie in die Tat umgesetzt. Sie zog
mit dem Zirkus Charles Knie und mit dem Zirkus Probst
durch zahlreiche deutsche Städte. Ihre Erfahrungen
fließen direkt in ihre Dissertation ein, in der
sich die Diplom-Kauffrau mit Zirkusmarketing auseinandersetzt.
Mit Uta Müller sprach Kristin Sporbeck.
RUBENS: Wie kamen Sie auf das Thema Zirkusmarketing?
Müller: Wissenschaftlich habe ich mich schon immer
für Kulturmarketing interessiert. Die Liebe zum Zirkus
ist eher persönlich. Daraus entstand schließlich
die Idee einer Dissertation zum Zirkusmarketing. Weil
dieses Feld wissenschaftlich noch wenig bearbeitet ist,
war man damit am Lehrstuhl für Marketing in Düsseldorf
einverstanden. Dort promoviere ich.
RUBENS: Wie sind sie an die Stellen bei den Zirkussen
gekommen?
MÜLLER: An den Zirkus Charles Knie bin ich über
die Zirkuszeitung gekommen, die von der Gesellschaft der
Zirkusfreunde Deutschlands e.V. monatlich herausgegeben
wird. Auf ein Inserat hin, in dem Mitarbeiter für
das Zirkusbüro gesucht wurden, habe ich mich um ein
Praktikum beworben. Zum Zirkus Probst bin ich später
über eine Bekannte gekommen, die dort als Zirkuslehrerin
arbeitete.
RUBENS: Wie wurden Sie dort empfangen?
MÜLLER: Sehr freundlich, offen und hilfsbereit. Es
ist ja für jemanden, der nicht aus dem Zirkus stammt,
eine sehr fremde und völlig neue Welt, dieses ständige
Reisen und das Wohnen im Wagen. Aber ich habe sehr viel
Hilfsbereitschaft gefunden um mich einzuleben; zum Beispiel
die ungeschriebenen Regeln zu beachten und wie man sein
tägliches Leben dort am Besten organisiert.
RUBENS: Wie haben Sie dieses Leben selbst erfahren?
MÜLLER: Als sehr spannend und abwechslungsreich,
aber auch als sehr hart, teilweise auch entbehrungsreich.
Je nachdem, ob man in kleinere oder größere
Städte kommt, steht der Zirkus eine kurze oder längere
Zeit. Es kann passieren, dass man an einem Ort nur zwei
oder drei Tage steht. Das heißt: Man packt ständig
aus oder ein und fährt. Man hat ständig damit
zu kämpfen, Wasseranschlüsse zu legen oder die
Stromversorgung zu sichern. Es gibt sehr viele Schwierigkeiten,
die man täglich meistern muss. Ich habe sehr große
Hochachtung vor den Artisten, die trotz dieser ganzen
alltäglichen Widrigkeiten in der Manege ihre Höchstleistung
bringen. Ich habe sie schon als Zuschauer bewundert, aber
jetzt, wo ich weiß, was hinter den Kulissen alles
dazugehört, finde ich das noch beachtlicher.
RUBENS: Haben Sie in diesem Jahr selbst schon PR-Arbeit
in den Zirkussen geleistet?
MÜLLER: Bei Charles Knie.
RUBENS: Sind nicht die Plakate die Hauptinformationsquellen
für die Zuschauer?
MÜLLER: Ja, richtig. Plakate sind sehr wichtig, weil
sie besonders aufmerksam machen. Das wurde auch immer
schon vermutet. Durch meine Besucherbefragung konnte ich
diese Vermutung nun erstmals belegen. Schließlich
gastiert der Zirkus nicht immer mitten in der Stadt, wo
ihn viele Leute im Vorbeigehen bereits wahrnehmen, sondern
oft etwas außerhalb. Dann sind Plakate die erste
und wichtigste Maßnahme, um das Zirkusgastspiel
anzukündigen. Gerade das ist aber zuletzt komplizierter
geworden. Einige Städte verhängen komplette
Plakatierverbote oder erlauben nur die Plakatierung bestimmter
Stellen. Teilweise müssen kommerzielle Plakatflächen
angemietet werden, die von der Mietdauer her in keiner
Weise mit der kurzen Gastspieldauer eines Zirkus vereinbar
sind.
Mit den Ergebnissen meiner Besucherbefragung liegen nun
endlich konkrete Zahlen vor, wie wichtig Plakate für
die Zirkusse und ihre Besucher sind. Das könnte den
Zirkussen durchaus hilfreiche Argumente gegenüber
den Städten liefern, um flexiblere Plakatiermöglichkeiten
zu bekommen.
RUBENS: Haben Sie schon Ideen, wie Sie Ihre Zeit beim
Zirkus in der Dissertation verwerten?
MÜLLER: Es wird um die Hintergründe der Kommunikationspolitik
gehen, um das Informationsverhalten der Zirkusbesucher
und die Frage, wie ein Zirkus seine Medienpräsenz
gestalten kann, um die potentiellen Zuschauer möglichst
gut zu erreichen.
Kristin
Sporbeck
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