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RUBENS 90 1. Juli 2004


Forschungsfrühling

Neue SFB, Schwerpunktprogramme und Kooperationen



Für die RUB brachte der Frühling eine ganze Fülle von Erfolgsmeldungen in der Forschung. Bereits in der letzten RUBENS konnten wir über eine neue Nachwuchsforschergruppe in der Chemie und ein neues Graduiertenkolleg in der Plasmaphysik berichten, nun gibt es weitere gute Nachrichten.


Plasmaforschung


Die ersten beiden betreffen erneut die Plasmen. Die Plasmaforschung ist längst zu einem internationalen Aushängeschild der RUB geworden, vor allem mit dem Sonderforschungsbereich „Gleichgewichtsferne Plasmen“ (SFB 591) und dem „Center of Excellence for Plasma Science and Technology“. Beide sind Partner eines Verbundes weltweit führender Einrichtungen der Plasmaforschung, der im April in Japan gegründet wurde. Beteiligt sind Zentren aus Japan, Frankreich, Irland, Korea, Holland und Deutschland. Erforscht werden technologische, reaktive Plasmen. Kurz darauf vernetzten sich die Bochumer Plasmaforscher noch mit dem amerikanischen „Center for Magnetic Self-Organization in Laboratory and Astrophysical Plasmas”. Dieser Forschungsverbund untersucht stochastische, magnetische Plasmen, die u.a. im Weltall vorkommen.

Proteinforschung

Fünf Mio. Euro erhält die RUB in den kommenden vier Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die Proteinforschung. Am neuen SFB „GTP-und ATP-abhängige Membranprozesse“ sind neben Biologen, Chemikern und Medizinern der RUB (Sprecher ist Prof. Klaus Gerwert, Lehrstuhl für Biophysik) auch Forscher vom Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie Dortmund und der Uni Dortmund beteiligt. Gemeinsam erforschen sie Prozesse an biologischen Membranen von den molekularen Grundlagen bis hin zu zellbiologischen Modellen. Diese Membranen sind von zentraler Bedeutung für die Weiterleitung von äußeren Signalen und Substanzen in Zellen. Funktionsträger in diesen Prozessen sind Proteine, an deren Steuerung die Nukleotide GTP und ATP beteiligt sind. GTP-abhängige Prozesse steuern etwa die Zellteilung, während die Beteiligung von ATP häufig beim Transport von Ionen oder kleinen Molekülen über eine Membran eine Rolle spielt. Kommt es zu Mutationen in den beteiligten Proteinen, können diese lebenswichtigen Abläufe gestört und Krankheiten wie Krebs ausgelöst werden. Die Ergebnisse der Forscher sollen helfen, gezielt wirkende Medikamente zu entwickeln.

Hadronen bei ELSA

Als Partner im SFB „Elektromagnetische Anregung subnuklearer Systeme“ der DFG erforschen Bochumer Physiker ab Juli 2004 Hadronen, die Grundbausteine von Atomkernen. Die Forscher arbeiten zusammen mit Kollegen aus Bonn und Gießen, Sprecherhochschule ist Bonn. Hadronen sind Teilchen, die der sog. Starken Wechselwirkung unterliegen (RUBENS 85). Dazu gehören auch die Grundbausteine der Atomkerne in der Materie, die Protonen und Neutronen. Um die zugrundliegende Theorie, die Quantenchromodynamik, zu überprüfen, nutzen die Forscher große Teilchenbeschleuniger. Mit ihnen können sie z. B. Elektronen auf Atomkerne schießen und so auf die Beschaffenheit des Atomkerns schließen. Der Elektronenstrahl übernimmt die Funktion des Lichtstrahls bei einem gewöhnlichen Mikroskop. Experimentelles Zentrum des neuen SFB ist die Elektronen-Stretcher-Anlage (ELSA) an der Uni Bonn.

Kosmos der Lebewesen

Da kennt man das gesamte Genom der Fruchtfliege, weiß aber nicht, wer ihre nächsten Verwandten sind. Ist die Ordnung, in die wir Menschen die Natur einsortiert haben, womöglich willkürlich und unzutreffend? Diese Frage werden Spezialisten aus ganz Deutschland ab 2005 mit vereinten Kräften zu klären versuchen: im Schwerpunktprogramm „Stammesgeschichte der Tiere“ der DFG, das von Prof. J. Wolfgang Wägele (Fakultät für Biologie der RUB) koordiniert wird. Ziel ist es, die Evolutionsprozesse der letzten 400 Mio. Jahre aufzudecken und den Stammbaum für die früheste Phase der Evolution heutiger Tiere zu rekonstruieren.
Die meisten der wahrscheinlich 30 Mio. Arten der Erde sind Tiere, in der Mehrzahl Insekten. Um sich darüber verständigen zu können, werden Arten in Gruppen zusammengefasst, die systematisch geordnet sind. Dieses System ist aber für große Tiergruppen nicht erforscht oder in Fachkreisen heftig umstritten. Damit ist auch unklar, ob die Ergebnisse von speziellen Untersuchungen auf andere Organismen übertragbar sind. Um Verwandtschaften und evolutionäre Herkunft zu ermitteln, hat sich ein interdisziplinäres Team aus Molekularbiologen, Anatomen, Evolutionsforschern und Informatikern zusammengefunden, das mit modernsten Methoden der Molekulargenetik, der Anatomie und der Informationstechnik Daten bisher unerreichter Qualität zusammenbringen will. An der Vorbereitung haben sich über 30 deutsche Forschungsinstitute beteiligt. Ähnliche Projekte hat es bisher auch im Ausland noch nie gegeben. Das Programm der DFG hilft außerdem, neue Experten auszubilden, die in der Lage sind, die angesichts der Vernichtung von Wäldern und Riffen dringende Beobachtung der Tierwelt außerhalb der Labore zu betreiben.


Biologie auf den Philippinen


Last but not least: Der Conservation Trust der National Geographical Society (USA) hat Prof. Eberhard Curio (Fakultät für Biologie) beträchliche finanzielle Mittel zugesagt: für ein integriertes biologisches Forschungs- und Schutzprojekt zur Erhaltung eines der letzten Niederungswälder der schwer zerstörten Philippinen. Die knapp 30.000 Euro (34.000 US Dollar) werden im Rahmen des von Prof. Curio geleiteten Philippine Endemic Species Conservation Project eingesetzt (RUBENS 66).

 

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Letzte Änderung: 01.07.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik