Forschungsfrühling
Neue SFB,
Schwerpunktprogramme und Kooperationen
Für die RUB brachte der Frühling eine ganze
Fülle von Erfolgsmeldungen in der Forschung. Bereits
in der letzten
RUBENS konnten wir über eine neue Nachwuchsforschergruppe
in der Chemie und ein neues Graduiertenkolleg in der
Plasmaphysik berichten, nun gibt es weitere gute Nachrichten.
Plasmaforschung
Die ersten beiden betreffen erneut die Plasmen. Die
Plasmaforschung ist längst zu einem internationalen
Aushängeschild der RUB geworden, vor allem mit
dem Sonderforschungsbereich Gleichgewichtsferne
Plasmen (SFB 591) und dem Center of Excellence
for Plasma Science and Technology. Beide sind
Partner eines Verbundes weltweit führender Einrichtungen
der Plasmaforschung, der im April in Japan gegründet
wurde. Beteiligt sind Zentren aus Japan, Frankreich,
Irland, Korea, Holland und Deutschland. Erforscht werden
technologische, reaktive Plasmen. Kurz darauf vernetzten
sich die Bochumer Plasmaforscher noch mit dem amerikanischen
Center for Magnetic Self-Organization in Laboratory
and Astrophysical Plasmas. Dieser Forschungsverbund
untersucht stochastische, magnetische Plasmen, die u.a.
im Weltall vorkommen.
Proteinforschung
Fünf Mio. Euro erhält die RUB in den kommenden
vier Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) für die Proteinforschung. Am neuen SFB GTP-und
ATP-abhängige Membranprozesse sind neben
Biologen, Chemikern und Medizinern der RUB (Sprecher
ist Prof. Klaus Gerwert, Lehrstuhl für Biophysik)
auch Forscher vom Max-Planck-Institut für molekulare
Physiologie Dortmund und der Uni Dortmund beteiligt.
Gemeinsam erforschen sie Prozesse an biologischen Membranen
von den molekularen Grundlagen bis hin zu zellbiologischen
Modellen. Diese Membranen sind von zentraler Bedeutung
für die Weiterleitung von äußeren Signalen
und Substanzen in Zellen. Funktionsträger in diesen
Prozessen sind Proteine, an deren Steuerung die Nukleotide
GTP und ATP beteiligt sind. GTP-abhängige Prozesse
steuern etwa die Zellteilung, während die Beteiligung
von ATP häufig beim Transport von Ionen oder kleinen
Molekülen über eine Membran eine Rolle spielt.
Kommt es zu Mutationen in den beteiligten Proteinen,
können diese lebenswichtigen Abläufe gestört
und Krankheiten wie Krebs ausgelöst werden. Die
Ergebnisse der Forscher sollen helfen, gezielt wirkende
Medikamente zu entwickeln.
Hadronen bei ELSA
Als Partner im SFB Elektromagnetische Anregung
subnuklearer Systeme der DFG erforschen Bochumer
Physiker ab Juli 2004 Hadronen, die Grundbausteine von
Atomkernen. Die Forscher arbeiten zusammen mit Kollegen
aus Bonn und Gießen, Sprecherhochschule ist Bonn.
Hadronen sind Teilchen, die der sog. Starken Wechselwirkung
unterliegen (RUBENS
85). Dazu gehören auch die Grundbausteine der
Atomkerne in der Materie, die Protonen und Neutronen.
Um die zugrundliegende Theorie, die Quantenchromodynamik,
zu überprüfen, nutzen die Forscher große
Teilchenbeschleuniger. Mit ihnen können sie z.
B. Elektronen auf Atomkerne schießen und so auf
die Beschaffenheit des Atomkerns schließen. Der
Elektronenstrahl übernimmt die Funktion des Lichtstrahls
bei einem gewöhnlichen Mikroskop. Experimentelles
Zentrum des neuen SFB ist die Elektronen-Stretcher-Anlage
(ELSA) an der Uni Bonn.
Kosmos der Lebewesen
Da kennt man das gesamte Genom der Fruchtfliege, weiß
aber nicht, wer ihre nächsten Verwandten sind.
Ist die Ordnung, in die wir Menschen die Natur einsortiert
haben, womöglich willkürlich und unzutreffend?
Diese Frage werden Spezialisten aus ganz Deutschland
ab 2005 mit vereinten Kräften zu klären versuchen:
im Schwerpunktprogramm Stammesgeschichte der Tiere
der DFG, das von Prof. J. Wolfgang Wägele (Fakultät
für Biologie der RUB) koordiniert wird. Ziel ist
es, die Evolutionsprozesse der letzten 400 Mio. Jahre
aufzudecken und den Stammbaum für die früheste
Phase der Evolution heutiger Tiere zu rekonstruieren.
Die meisten der wahrscheinlich 30 Mio. Arten der Erde
sind Tiere, in der Mehrzahl Insekten. Um sich darüber
verständigen zu können, werden Arten in Gruppen
zusammengefasst, die systematisch geordnet sind. Dieses
System ist aber für große Tiergruppen nicht
erforscht oder in Fachkreisen heftig umstritten. Damit
ist auch unklar, ob die Ergebnisse von speziellen Untersuchungen
auf andere Organismen übertragbar sind. Um Verwandtschaften
und evolutionäre Herkunft zu ermitteln, hat sich
ein interdisziplinäres Team aus Molekularbiologen,
Anatomen, Evolutionsforschern und Informatikern zusammengefunden,
das mit modernsten Methoden der Molekulargenetik, der
Anatomie und der Informationstechnik Daten bisher unerreichter
Qualität zusammenbringen will. An der Vorbereitung
haben sich über 30 deutsche Forschungsinstitute
beteiligt. Ähnliche Projekte hat es bisher auch
im Ausland noch nie gegeben. Das Programm der DFG hilft
außerdem, neue Experten auszubilden, die in der
Lage sind, die angesichts der Vernichtung von Wäldern
und Riffen dringende Beobachtung der Tierwelt außerhalb
der Labore zu betreiben.
Biologie auf den Philippinen
Last but not least: Der Conservation Trust der National
Geographical Society (USA) hat Prof. Eberhard Curio
(Fakultät für Biologie) beträchliche
finanzielle Mittel zugesagt: für ein integriertes
biologisches Forschungs- und Schutzprojekt zur Erhaltung
eines der letzten Niederungswälder der schwer zerstörten
Philippinen. Die knapp 30.000 Euro (34.000 US Dollar)
werden im Rahmen des von Prof. Curio geleiteten Philippine
Endemic Species Conservation Project eingesetzt (RUBENS
66).
md/ad
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