Frühstück bei den Fans
Dokumentarfilm über die Anhänger des VfL Bochum
Ruhrstadion Bochum, 22. Mai 2004, zirka 17.20 h, direkt
am Spielfeldrand: Der Fußballlehrer Peter Neururer
erlebt den Schlusspfiff des Spiels Kaiserslautern gegen
Dortmund am Bildschirm mit. Dank des dortigen Unentschiedens
und des eigenen Sieges gegen Hannover zieht der VfL Bochum
in den UEFA-Cup ein. Neururer jubelt, seine Spieler spritzen
mit Sekt, die Fans feiern ausgelassen auf den Rängen
und später noch in der gesamten Stadt.
Erfolge des eigenen Clubs sind natürlich die Höhepunkte
für die Anhänger, doch echte Fans halten auch
in schlechten Zeiten zu ihrem Verein. Aber weshalb ist
das so? Woher rührt die Faszination speziell des
bislang wenig erfolgreichen VfL? Warum und wie man überhaupt
Fan wird und bleibt und vor allem wie verschieden die
Fans sind, das zeigt Ben Redelings in seinem Film Wer
will schon ein Sektfrühstück bei Real Madrid
oder Wir sind die Fans des VfL. Der Film endet zwar
mit dem 22. Mai, im Mittelpunkt allerdings stehen die
Gespräche mit den Fans über das Fansein und
den VfL Bochum.
Redelings, der an der RUB Deutsch und Sozialwissenschaft
auf Lehramt studiert hat, hat bewusst ganz unterschiedliche
Fans ausgewählt. Dazu gehören u.a. Ralf Wolf,
Vorsitzender des ältesten Fanklubs Deutschlands,
der Bochumer Jungen, der ehemalige Spieler
Frank Benatelli, der zuvor selbst als Fan in der Ostkurve
stand, einige Künstler (Frank Goosen, Uwe Fellensiek,
Jo Hartmann) und Journalisten (Claudia Meister, Christoph
Biermann) sowie der Sozialwissenschaftler Uwe Wilkesmann.
Er lehrt an der RUB Organisationssoziologie und hat sich
beispielsweise durch die von ihm initiierte Internetseite
zur sozialwissenschaftlichen Fußballforschung einen
Namen gemacht: www.fussball-forschung.de (RUBENS 85).
25 Stunden Material
Über 21 Stunden lang standen oder saßen
die Fans insgesamt vor der Kamera. Hinzu kommen rund
vier Stunden weiteres Filmmaterial mit zum Teil unveröffentlichten
Fotos aus dem WAZ-Archiv. Sie zeigen Szenen aus dem
Werden des VfL der letzten 40 Jahre und werden von den
furiosen Hörfunkreportagen von Günther Pohl
untermalt. Redelings hat aber auch mit Verantwortlichen
des Vereins gesprochen, vor allem mit Trainer Peter
Neururer und Torwart Rein van Duijnhoven. Beide haben
bei ihren häufigen Medienauftritten bewiesen, dass
sie sowohl Unterhaltsames als auch Substanzielles zu
sagen haben.
Neururer und van Duijnhoven konnte Redelings problemlos
auf dem Trainingsgelände treffen. Schwieriger war
es für den jungen Filmautoren, im Ruhrstadion zu
drehen. Spätestens fünf Minuten vor
Spielbeginn müssen alle fremden Kameras aus dem
Stadion verschwunden sein, nur die vom Fernsehen dürfen
bleiben. Dafür sorgen die Leute vom Rechtevermarkter
ISPR. Deshalb wird es auch kaum Spielszenen zu
sehen geben, denn auch die Alternative, Sequenzen vom
WDR zu kaufen, kam nicht in Frage. Viel zu teuer,
erklärt Redelings, der sich ohnehin auf den Verein
und seine Fans konzentriert: Ich möchte auch
das eigentlich längst überholte Zerrbild aufbrechen,
dass Fan gleich Fan ist und immer mit Kutte und Bierflasche
auftritt. Aus diesem Grund holte er neben den
oben genannten Fans auch gezielt einen Vater vor die
Kamera, der mit seinen Kindern von Leverkusen anreist,
um die VfL-Heimspiele zu besuchen.
Premiere bei Fiege
Ben Redelings hat seinen Film ganz allein finanziert
und realisiert. Mit einer Digitalkamera zog er los,
um seine Gesprächspartner daheim oder im Stadion
zu interviewen. Die Kamera stellte er aufs Stativ, um
sich ganz auf die Gespräche zu konzentrieren. Die
nötigen Fähigkeiten hat er bei der freien
Bochumer Künstlergruppe no-budget-arts erworben
(RUBENS 65), deren stellvertretender Geschäftsführer
er einige Jahre lang war. Natürlich ist der gebürtige
Bochumer seit Kindheit selbst Fan des VfL. Er hat sich
für seinen ersten Film bewusst ein Thema ausgewählt,
das ihn persönlich angeht. Ob weitere Filme und
somit eine Karriere als freier Filmautor folgen oder
ob er sich doch fürs Referendariat entscheidet,
hängt auch vom Erfolg seines Erstlings ab. Während
wir Ben Redelings trafen, schnitt er gerade sein Filmmaterial.
Schließlich sollen aus insgesamt 25 Stunden maximal
90 Minuten werden, und die müssen rechtzeitig bis
zur Premiere fertig sein. Die steigt am 26. August beim
berühmten Fiege Open-Air-Kino in Bochum. Weitere
Aufführungen in Bochumer Kinos sind fest eingeplant,
ebenso die Veröffentlichung des Films auf DVD.
Zu guter Letzt nimmt Redelings mit dem Film an Festivals
teil.
Infos: Wer will schon ein Sektfrühstück
bei Real Madrid oder Wir sind die Fans des VfL,
Dokumentarfilm von Ben Redelings, Premiere am 26.8.04
beim Fiege Open-Air-Kino, Fiege-Brauerei, Scharnhorststraße,
Bochum. Mehr im Netz: www.vfl-doku.de
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