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RUBENS 90 1. Juli 2004


Leserbrief

RUBENS vom 1. Juni 2004, Seite 3


Lieber Herr König, zunächst möchte ich Ihnen mein Kompliment für Ihre eigenen Stellungnahmen zum Globalhaushalt sagen, die ich in Ihrer unmissverständlichen Klarheit schätze. Zu dem von Ihnen geführten Interview mit unserem Kanzler und mit Prorektor Weiler möchte ich folgende Punkte anbringen: Zunächst möchte ich sagen, dass ich beide interviewte Personen sehr schätze, vor allem Herrn Moeller, den ich in meinen Berufungsverhandlungen als einen kompetenten und sympathischen Mann kennen lernen durfte. Mein Argument geht nach wie vor gegen die Vorgaben der Landesregierung, die ich viel entschiedener kritisieren würde als es die beiden tun. Dass anders als bei Ihnen der sog. Qualitätspakt nicht erwähnt wird, ist schon erheblich. In jedem anderen westlichen Land würde das einen Entrüstungssturm auslösen, wir werden aber so lange erpresst, bis wir nicht mehr können.
Es sind einige Unrichtigkeiten in dem Interview, die m.E. so nicht stehen bleiben dürfen. Herr Moeller sagt, dass es sich bei der Prüfung von Berufungen „allerdings ausschließlich im Lehrstühle (handelt), die erst noch frei werden, wo es zum Teil noch gar keine Berufungslisten gibt”. Gegendarstellung: In unserer Fakultät sind nach Mitteilung des Dekans alle laufenden und z.T. schon intern abgeschlossenen Berufungsverfahren betroffen, wo meine Kolleg/innen in harter zusätzlicher Arbeit Berufungslisten erstellt haben. In meinem Fach, der Neugermanistik, geht es um 2 Ecklehrstühle mit insgesamt 16 SWS Lehre ... Herr Moeller möchte die „Wirtschaftlichkeit unserer Strukturen überprüfen“ und denkt dabei an „sehr viele dezentrale, zum Teil kleine Bibliotheken mit eigenem Personal“. Gegendarstellung: Der Plan geht erheblich über die sog. kleinen Fächer hinaus. Geplant ist nicht nur die Zentralisierung des Bestellwesens. Es soll eine Art „Mini-UB“ geschaffen werden, d.h.: Die „Oberaufsicht“ von Bestellwesen, Katalogisierung, Auskunft wird zentral von 3 Diplom-Bibliothekaren ausgeführt, die anderen Arbeiten von den Assistenten erledigt. Die fächergebundene Struktur soll es nicht mehr geben (dies wäre gerade in einer fachlich so vielfältigen Fakultät fatal), was wiederum bedeuten würde, dass Fachwissen verloren geht. Die Auswirkungen für die Lehrenden und Studierenden bestehen darin, dass keine festen Ansprechpartner mehr vorhanden sind.
Wie Herr Weiler angesichts dieser Sachlage davon sprechen kann, dass die Verluste etwa durch Einwerbung von Drittmitteln kompensiert werden können, wenn rechts und links die Kollegenstellen wegbrechen und die angeführten Verschlechterungen eintreten, das ist mir ein Rätsel. Ich sage das als jemand, der in den Geisteswissenschaften seit über sechs Jahren Drittmittelprojekte leitet und nebenher bis an die 200 Prüfungen pro Jahr abhält, damit sich die Absolventenzahlen verbessern.

Prof. Gerhard Rupp, Germanistisches Institut
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Letzte Änderung: 01.07.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik