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RUBENS 90 1. Juli 2004

Potemkinsche Toiletten

Editorial


Wer Mitte Juni auf der achten Etage in GA-Nord „sein Geschäft erledigen“ wollte, stand vor verschlossenen Türen und musste – hoffentlich rechtzeitig – das stille Örtchen einer anderen Etage aufsuchen. Die Toiletten der evangelischen Theologen waren einige Zeit wegen Renovierungsarbeiten außer Dienst. Der Grund dafür ist simpel und kann doch die eine oder andere Diskussion, vielleicht auch nur das eine oder andere Schmunzeln auslösen. Margot von Renesse bekommt die Ehrendoktorwürde der Evangelisch-Theologischen Fakultät und Bundespräsident Johannes Rau, ebenfalls Ehrendoktor dieser Fakultät, hat Besuch und Grußwort angesagt. Nun kann man solch einer hohen Dame und einem solch hohen Herren, natürlich auch den anderen hohen Damen und Herren nicht das zumuten, was wir uns dort täglich zumuten. Also renoviert man und erweist den Herrschaften eine weitere besondere Ehre.
Nun könnten sich manche dabei an die Legende erinnert fühlen, die böswillig dem russischen Fürsten Potemkin unterschoben wurde und seitdem seinen Namen trägt. Die angeblich in aller Eile errichteten Fassadendörfer, die Potemkin seiner Zarin Katharina der Großen auf der Krimreise 1787 vorgeführt haben soll, um ihr den blühenden Zustand des Landes vorzutäuschen, hat es nie gegeben. Die Renovierung der Toiletten in GA fand aber tatsächlich statt – die Ruhr-Uni errichtet keine Potemkinschen Toiletten!
Nun werden Stimmen laut, die fragen „warum dieser Aufwand“? „Sollen doch die hohen Herrschaften mitbekommen, wie es hier zugeht“ ... Gut, dass Rektorat und Verwaltung diesen Stimmen nicht Gehör schenken und gute Gegenargumente ins Feld führen können: Gejammer aus Hochschulen kriegen Politiker dauernd mit, das können die kaum noch hören und es führt zu nichts. Gut erzogene Menschen putzen ja auch ihre Wohnung, wenn sie Besuch erwarten.
Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass hier Toiletten von einem hohen Besuch profitieren dürfen. Die Premiere feierten die stillen Örtchen des Botanisches Gartens, als das NRW-Kabinett im September 2003 in der RUB eine auswärtige Kabinettsitzung abhielt. Damals legte sich das Baudezernat richtig in die Seile, um die WCs auf den mächtigen Andrang vorzubereiten. Leider musste danach ein „Rückbau“ in den alten Zustand stattfinden. Weil man sie nicht vor Vandalismus schützen kann, wurden die alten Klobrillen wieder aufmontiert – sie tragen das Gütesiegel „maximaler Robustheit“. Hoffen wir, dass dies bei den Theologen unnötig ist.
Was lehrt uns das Ganze: 1. Wenn eine Fakultät ihre Toiletten renoviert haben will, sollte sie sich hohen Besuch einladen; und 2. Auch wir sind nicht ganz schuldlos daran, dass unsere Gebäude verrotten ... jk



jk
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Letzte Änderung: 01.07.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik