Potemkinsche
Toiletten
Editorial
Wer Mitte Juni auf der achten Etage in GA-Nord sein
Geschäft erledigen wollte, stand vor verschlossenen
Türen und musste hoffentlich rechtzeitig
das stille Örtchen einer anderen Etage aufsuchen.
Die Toiletten der evangelischen Theologen waren einige
Zeit wegen Renovierungsarbeiten außer Dienst.
Der Grund dafür ist simpel und kann doch die eine
oder andere Diskussion, vielleicht auch nur das eine
oder andere Schmunzeln auslösen. Margot von Renesse
bekommt die Ehrendoktorwürde der Evangelisch-Theologischen
Fakultät und Bundespräsident Johannes Rau,
ebenfalls Ehrendoktor dieser Fakultät, hat Besuch
und Grußwort angesagt. Nun kann man solch einer
hohen Dame und einem solch hohen Herren, natürlich
auch den anderen hohen Damen und Herren nicht das zumuten,
was wir uns dort täglich zumuten. Also renoviert
man und erweist den Herrschaften eine weitere besondere
Ehre.
Nun könnten sich manche dabei an die Legende erinnert
fühlen, die böswillig dem russischen Fürsten
Potemkin unterschoben wurde und seitdem seinen Namen
trägt. Die angeblich in aller Eile errichteten
Fassadendörfer, die Potemkin seiner Zarin Katharina
der Großen auf der Krimreise 1787 vorgeführt
haben soll, um ihr den blühenden Zustand des Landes
vorzutäuschen, hat es nie gegeben. Die Renovierung
der Toiletten in GA fand aber tatsächlich statt
die Ruhr-Uni errichtet keine Potemkinschen Toiletten!
Nun werden Stimmen laut, die fragen warum dieser
Aufwand? Sollen doch die hohen Herrschaften
mitbekommen, wie es hier zugeht ... Gut, dass
Rektorat und Verwaltung diesen Stimmen nicht Gehör
schenken und gute Gegenargumente ins Feld führen
können: Gejammer aus Hochschulen kriegen Politiker
dauernd mit, das können die kaum noch hören
und es führt zu nichts. Gut erzogene Menschen putzen
ja auch ihre Wohnung, wenn sie Besuch erwarten.
Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass hier
Toiletten von einem hohen Besuch profitieren dürfen.
Die Premiere feierten die stillen Örtchen des
Botanisches Gartens, als das NRW-Kabinett im September
2003 in der RUB eine auswärtige Kabinettsitzung
abhielt. Damals legte sich das Baudezernat richtig in
die Seile, um die WCs auf den mächtigen Andrang
vorzubereiten. Leider musste danach ein Rückbau
in den alten Zustand stattfinden. Weil man sie nicht
vor Vandalismus schützen kann, wurden die alten
Klobrillen wieder aufmontiert sie tragen das
Gütesiegel maximaler Robustheit. Hoffen
wir, dass dies bei den Theologen unnötig ist.
Was lehrt uns das Ganze: 1. Wenn eine Fakultät
ihre Toiletten renoviert haben will, sollte sie sich
hohen Besuch einladen; und 2. Auch wir sind nicht ganz
schuldlos daran, dass unsere Gebäude verrotten
... jk
jk
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