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RUBENS 89 1. Juni 2004


Weniger geht nicht


Skandinavistik an der RUB: Über die Abwicklung eines Studiengangs



Zwei Räume, eine Professorin, eine halbe Schwedisch-Lektorin, eine Hilfskraft. Daraus besteht der Skandinavistik-Studiengang an der RUB mittlerweile noch. Die Skandinavistik wird „abgewickelt“, wie es so unschön im Amtsdeutsch heißt. Seit dem Wintersemester 01/02 herrscht Einschreibestopp. Die übriggebliebenen Studierenden sollen unter „vernünftigen“ Bedingungen zu Ende studieren können, versprach seinerzeit das Rektorat. Doch wie sieht so etwas aus? Worauf haben die Studierenden Anspruch? Natürlich darauf, dass sie ihre letzten Scheine machen, Sprachkurse besuchen und für Magisterarbeiten recherchieren können. Doch den Status Quo zu halten, ist nicht einfach.
In den 70er-Jahren erhielt Prof. Dr. Fritz Paul (heute Göttingen) den einzigen Bochumer Skandinavistik-Lehrstuhl. Ihm folgte Prof. Dr. Walter Baumgartner, der 1994 nach Greifswald wechselte. Ein wichtiger Grund für den Weggang beider Wissenschaftler war die geringe Ausstattung der Bochumer C3-Professur, deren Aufstockung das Wissenschaftsministerium NRW wiederholt ablehnte. Der erste Versuch, die Stelle Mitte der 90er-Jahre nach einjähriger Besetzungssperre und unregelmäßigen Vertretungen durch Professoren der übrigen Skandinavistik-Standorte in NRW (Münster, Köln und Bonn) wiederzubesetzen, scheiterte im ersten Anlauf. Nach einer zweiten Ausschreibung wurde Dr. Susanne Kramarz-Bein – damals noch unhabilitiert – zum WS 96/97 berufen. Doch schon 1998 wechselte sie nach inzwischen vollendeter Habilitation nach Münster auf eine C4-Stelle. Ihr folgte – nach einer hausinternen Umbesetzung – Prof. Dr. Else Ebel, die seitdem die Sektion leitet und in Spitzenzeiten zwischen 100 und 150 Studierende betreute.

Nach Münster geschickt

1999 starteten die Verhandlungen der NRW-Hochschulen mit der Landesregierung im Rahmen des Qualitätspakts und des Expertenrats (u. a. RUBENS 42, 43, 50). Der Expertenrat hatte die RUB im Januar 2000 besucht und knapp ein Jahr später u.a. empfohlen, die Lehrerausbildung aufzugeben sowie die theologischen Fakultäten und verschiedene kleinere Fächer zu schließen – darunter neben Indologie, Neugriechischer und Byzantinischer Philologie auch die Skandinavistik. Das Argument lautete: Ein-Professoren-Fächer seien nicht zukunftsfähig. In den folgenden Gesprächen zwischen der RUB-Leitung, der Landesregierung und anderen Unis wurde zwar der Erhalt der Lehrerausbildung an der RUB gesichert (die Theologien durften ohnehin nicht geschlossen werden), die o.g. Ein-Professoren-Fächer mussten jedoch abgewickelt werden. Eine entsprechende Rechtsverordnung des NRW-Wissenschaftsministeriums erfolgte im Februar 2001.
Die Fachschaft Skandinavistik versuchte jedoch weiterhin, das Fach in Bochum zu erhalten. Als Argumente nannte sie u.a. die Rolle vieler Studierender nordischer Sprachen als Wissensmultiplikatoren in der Erwachsenenbildung sowie als Mitarbeitende skandinavischer Firmen im Ruhrgebiet. Auch die Medien berichteten (WAZ vom 26.4.01: „Ministerium amputiert ein gesundes Glied“), selbst Solidaritätsschreiben von skandinavischen Kulturinstitutionen und Botschaften trafen ein – ohne Erfolg: Es blieb beim Abwicklungsbescheid; am 13.12.01 beschloss der Senat der RUB – auf Antrag der Fakultät für Philologie – die Umwidmung der Skandinavistik-Professur in eine Komparatistik-Stelle, um hierdurch zumindest ein anderes kleines Fach zu stärken.
Allerdings wurde dem Fach eine Restlaufzeit bis zum WS 07/08 zugestanden. Trotzdem bekamen alle Skandinavistik-Studierenden am 24. 2.03 einen Brief vom Dekanat der Philologie. Es empfahl, nach Münster oder eine andere Uni zu wechseln, da der kontinuierliche Lehrbetrieb in Bochum nicht mehr gewährleistet sei: „Ein günstiger Moment für einen Hochschulwechsel ist nach [...] der Zwischenprüfung, aber auch zu einem anderen Zeitpunkt lässt sich ein Wechsel leicht durchführen.“ Eine Studentin fragte daraufhin bei der Studienberatung der Uni Münster nach: Natürlich, hieß es, müssten die Bochumer nach Münsteraner Studienordnung studieren – was bei einigen Betroffenen bedeutet hätte, zwei bis drei Leistungsscheine nachzumachen und das Latinum nachzuholen. Außerdem bietet die Uni Münster nicht alle Bochumer Nebenfächer an, was den Wechsel zum Teil unmöglich macht.
Deshalb gab es nach einigen Gesprächen der Fachschaft Skandinavistik beim Ministerium und im RUB-Rektorat eine neue Vereinbarung. Prof. Ebel sollte ihre eigene, bereits umgewidmete C3-Professur vertreten. Diese Vertretung läuft bis Juli 2005 weiter, zumindest bis dahin ist der Lehrbetrieb sichergestellt, allerdings werden nicht alle der aktuell etwa 50 Studierenden (Haupt- und Nebenfach) ihr Studium beendet haben.

Beliebte Sprachkurse

Parallel dazu wird der Studiengang Skandinavistik „abgewickelt“. Ende März 2004 lief die befristete Stelle der Dänisch-Lektorin aus; ihre Nachfolgerin erhielt lediglich einen Lehrauftrag – die Stelle ist weg und mit ihr der Büroraum. Die Studierenden fragen sich nun, was passieren wird, wenn 2005 die Sondervereinbarung mit Prof. Ebel endet? Finden die Beratungsgespräche dann im Wohnzimmer statt oder per Telefon?
Neben den 50 Skandinavistik-Studierenden nutzen auch andere Studierende der RUB die Angebote des auslaufenden Studienganges, speziell deren Sprachkurse: Im Sommer 2004 tummeln sich im Schwedisch-Anfängerkurs rund 250 Leute, darunter viele aus dem Optionalbereich. Diesen Ansturm muss die Schwedisch-Lektorin Nicola Jordan mit einer halben Stelle bewältigen; hinzu kommt das jährliche Austauschprogramm „Sprachlernen im Tandem“ mit der Uni Göteborg, das sich großer Beliebtheit erfreut. Ebenfalls stark nachgefragt sind die nur noch per Lehrauftrag abgedeckten Kurse in Dänisch und Norwegisch.
Ob bzw. wie es mit der Sprachausbildung weitergehen wird, ist jedoch völlig unklar. „Weniger geht nicht“, heißt es unter den Studierenden. Und zumindest den Kampf um den Erhalt des Schwedisch-Lektorats hat die Fachschaft nicht aufgegeben: Sie hat eine Briefaktion an Rektor und Dekan gestartet – weit über 100 Studierende appellieren an beide, das Lektorat zu erhalten.
Im Zuge des europäischen Zusammenwachsens dürften die – heute nach wie vor noch als „exotische Orchideen“ belächelten – skandinavischen Sprachen kontinuierlich nachgefragt werden. Die Berufschancen der Skandinavisten stehen gewiss nicht schlechter als die der anderen Geisteswissenschaftler – zumal es viele Studierende gibt, die sich ehrenamtlich engagieren. Nicht nur im Einsatz für die Aufrechterhaltung akzeptabler Studienbedingungen, sondern auch bei der Organisation kultureller Veranstaltungen mit Skandinavien-Bezug.
Derzeit ist die Wahrung des Bestehenden primäres Ziel des Fachschaftsrates und der Studierenden. Sie hoffen, dass sie von den zuständigen Stellen wie Dekanat und Rektorat die notwendige Unterstützung erhalten, um den Status Quo zu halten und tatsächlich „vernünftig“ zu Ende studieren zu können.

Sabine Ries & Ulrich Schröder
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Letzte Änderung: 01.06.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik