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RUBENS 89 1. Juni 2004


Globale Herausforderung

Fragen zum neuen Haushaltssystem an Kanzler Gerhard Möller und Prorektor Elmar Weiler



Stellenkürzungen durch Qualitätspakt und Globalhaushalt, fehlende leistungsbezogene Mittel – die RUB stellt sich auf ungemütliche Zeiten ein. Dabei möchte sie weitgehend selbst handeln und bestimmen können sowie in jeder Hinsicht flexibel bleiben. Dr. Josef König und Arne Dessaul sprachen darüber mit zwei Mitgliedern des Rektorats. Gerhard Möller (Kanzler) und Prof. Elmar Weiler (Prorektor für Planung, Struktur und Finanzen) äußern sich auch zu den Gefahren betriebsbedingter Kündigungen und zu den Konzepten der Landespolitik.



RUBENS: 2006 führt das Land Globalhaushalte an allen NRW-Hochschulen ein. Noch gibt es keine offiziellen Daten dazu. Man befürchtet jedoch, dass der RUB 8 Mio. Euro bzw. 200 Stellen fehlen werden. Außerdem ergreift die RUB bereits jetzt Maßnahmen. Warum und welche Maßnahmen sind das?
WEILER: Ganz grundsätzlich: Der Globalhaushalt bedingt eine ganz andere Art der Haushaltsführung. Bisher haben wir mit der Input-gesteuerten Kameralistik gearbeitet. Nun geht es hauptsächlich nach Output, also nach den konkret erbrachten Leistungen. Wenn wir das alte System der Kameralistik eins zu eins aufs Jahr 2006 übertragen, werden wir Probleme haben, einen ausgeglichenen Haushalt zu bekommen. Die Ruhr-Uni muss sich folglich neu positionieren. Vorab muss sie Freiräume schaffen, um handlungsfähig und flexibel zu sein. Da die Umstellung erfahrungsgemäß kompliziert ist, hat sich das Rektorat entschlossen, schon jetzt vorbereitende Maßnahmen zu treffen, die eine Flexibilität in der Haushaltsführung ab 2006 gewährleisten.

Optimieren statt Streichen

RUBENS: Können Sie diese Maßnahmen konkretisieren?
MÖLLER: Sie betreffen in erster Linie die Stellenbewirtschaftung. Es kommt darauf an, den Personalhaushalt gezielt zu steuern. Vor allem die Wiederbesetzungen von Dauerstellen werden derzeit sehr kritisch überprüft. Neue Verträge mit wissenschaftlichen Mitarbeitern werden in der Regel zunächst bis zum 31.12.05 befristet. Für nichtwissenschaftliches Personal gibt es nur in absoluten Ausnahmefällen neue Dauerstellen; stattdessen operieren wir auch hier mit Befristungen und internen Umbesetzungen. Außerdem werden Wiederbesetzungen von Lehrstühlen in fast allen Fakultäten überprüft. Es handelt sich allerdings ausschließlich um Lehrstühle, die erst noch frei werden, wo es zum Teil noch gar keine Berufungslisten gibt. Zusammen mit den Fakultäten fragen wir uns: Muss der Lehrstuhl schnell wiederbesetzt werden, oder kann die Wiederbesetzung verschoben werden, oder muss er gar nicht wiederbesetzt werden?
WEILER: Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Stelle wegfällt. Möglicherweise kann sie in einem anderen Fach angesiedelt werden. Das gilt im Übrigen für alle Stellen, die wir hinterfragen: Es geht uns nicht ums Streichen, sondern ums Optimieren. Wo macht die Stelle am meisten Sinn, im Hinblick auf Profilschärfung oder Studienbedingungen.
RUBENS: Wo könnten kurzfristig Stellen eingespart werden, ohne den Lehrbetrieb zu gefährden?
MÖLLER: Gerade weil es kurzfristig sehr schwierig ist, machen wir uns schon jetzt Gedanken über unseren Personalhaushalt. Zum einen wollen wir seine Unterdeckung vermeiden. Zum anderen möchten wir Handlungsspielräume erhalten und dazu gewinnen.
WEILER: Man darf auch nicht vergessen, dass ein Globalhaushalt viele Chancen bietet. Wenn man ihn richtig nutzt, gewinnt man Flexibilität und finanzielle Spielräume in den Fakultäten. Bisher ist ja so, dass eine freigehaltene Stelle vor allem dem Finanzminister dient. In Zeiten des Globalhaushalts wird man bewerten müssen, wie viele Stellen welcher Kategorie für welche Leistungen in den Fakultäten vorrätig gehalten werden müssen. Und wenn man dort ökonomisch und vorausschauend vorgeht, kann man erreichen, dass der größte Teil der Finanzmittel in den Fakultäten bleibt, um gestalterische Maßnahmen vorzunehmen, vielleicht bei Tutoren- oder Mentorenprogrammen.

Auf einzelne Aktivitäten verzichten

RUBENS: Dennoch: Besteht nicht die Gefahr, dass die RUB Fächer aufgeben muss – angesichts 200 möglicherweise fehlender Stellen durch den Globalhaushalt?
WEILER: Grundsätzlich möchten wir unsere Fächervielfalt erhalten und für alle Fächer eine sehr gute Qualität gewährleisten. Das ist schließlich eines der Leistungsmerkmale unserer Universität. Erst wenn die langfristige Finanzierbarkeit aller unserer Aktivitäten massiv in Frage steht, müssen wir darüber nachdenken, auf einzelne Aktivitäten zu verzichten. Das hängt aber auch davon ab, wie viel Luft im Universitätshaushalt durch planerische, vorausschauende Maßnahmen in den Fächern selbst erzeugt wird. Man kann sich das in zwei Grenzfällen vorstellen: Gehen wir mal davon aus, jedes Fach würde auf dem derzeitigen Personalbestand beharren wollen, der Haushalt würde aber eine vollständige Deckung nicht ermöglichen. Dann bleibt eigentlich nur das Instrument der zentralen Bewirtschaftung, anders kann man das nicht mehr steuern. Die andere Situation, die eintreten könnte, wäre aber die, dass sich die Fakultäten durch interne Strukturmaßnahmen und Planungen ein sehr genaues Bild darüber verschaffen, welche Stellen sie für welche Leistungen in Zukunft erhalten wollen, dass sie ihr Lehr- und Forschungsgeschäft optimal strukturieren, um dadurch Flexibilität im Haushalt zu bekommen. Es ist durchaus denkbar, dass man die Fächervielfalt auf dieser Basis erhalten kann – in einem ausfinanzierten Haushalt. Wenn uns das nicht gelingt, müssen wir langfristig über einzelne Einrichtungen der Ruhr-Uni nachdenken. Aber zunächst müssen wir abwarten, wie uns der Einstieg in den Globalhaushalt insgesamt gelingt.
MÖLLER: Es gibt allerdings auch Alternativen zur Aufgabe von Fächern. Wir können zuvor noch die Wirtschaftlichkeit unserer Strukturen überprüfen. Beispielsweise besitzt die RUB sehr viele dezentrale, zum Teil kleine Bibliotheken mit eigenem Personal. Durch Zusammenlegungen könnte man Kosten sparen, ohne dabei das Serviceangebot für die Studierenden zu reduzieren.
RUBENS: Könnte es schlimmstenfalls zu betriebsbedingten Kündigungen kommen?
MÖLLER: Das ist aus heutiger Sicht auszuschließen.
RUBENS: Und in Zukunft?
MÖLLER: Da müsste sich erheblich etwas an den Rahmenbedingungen verändern, das heute nicht abzusehen ist, wovon wir überhaupt keine Vorstellung haben.
RUBENS: Wir reden immer vom Sparen. Gibt es auch Chancen, unsere Einnahmen zu erhöhen?
WEILER: Die gibt es. Wir können zum Beispiel unseren Drittmittel-Sektor verbessern. Wir haben zwar einige starke Bereiche, aber auch einige schwache. Das Rektorat bemüht sich seit längerem, das Drittmittel-Aufkommen zu verbessern, in allen Bereichen. Das wird mittel- bis langfristig auch erfolgreich sein und dabei helfen, einen qualitativ hohes Angebot in Lehre und Forschung anzubieten und Mindereinnahmen von Bund und Land zu kompensieren. Langfristig schlummert außerdem noch Potenzial in der Einwerbung von Stiftungs- und Stipendienmitteln.

Verluste sind bald kompensiert

RUBENS: Gerade ist der wissenschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Dietrich Kessel zurückgetreten, u.a. weil er in der Landesregierung bildungs- und wissenschaftspolitische Konzepte für die Zukunft der NRW-Hochschulen vermisst. Vermissen Sie diese Konzepte auch?
WEILER: Die Landesregierung möchte ja die Hochschulen zu leistungsgerechtem Arbeiten bewegen und bemisst dabei einen steigenden Anteil der gesamten Universitätshaushalte nach Leistungskriterien. Das unterstützen wir selbstverständlich. Es ist allerdings so, dass eine rein quantitative Betrachtung von Leistung – Auslastung, kurze Studienzeiten und ähnliches – ein bisschen den qualitativen Aspekt vernachlässigt. Überhaupt stellen wir eine weiter zunehmende Ökonomisierung der Hochschulen fest, die sicherlich langfristig einen Gutteil der Universitätskultur beschädigen könnte. Für uns bedeutet das, Augenmaß zu bewahren. Wir müssen zwar sparen, aber so ausgewogen, dass wir nicht in einigen Fächern den laufenden Betrieb gefährden.
MÖLLER: Gerade in den Geisteswissenschaften haben wir ja Probleme mit den Absolventenzahlen. Das wirkt sich spürbar bei der Mittelverteilung aus, schon in diesem Jahr, wo uns dadurch rund 2 Mio. Euro fehlen. Auch um diese Situation zu verbessern, haben wir in den Geisteswissenschaften die gestuften Studiengänge eingeführt. Die Maßnahmen des Landes bei der Mittelvergabe treffen uns mitten in der Umstellung, wo die Ziele logischerweise noch nicht erreicht sind. Andererseits belastet uns der Umstellungsaufwand erheblich. Das ist unsere Kritik an der Landesregierung gewesen, und nicht die leistungsbezogene Mittelvergabe als solche.
WEILER: Wir sind auch der Meinung, dass wir die Verluste aus diesem Jahr bald mehr als kompensieren können, weil unsere Reformbemühungen greifen werden.
MÖLLER: Was uns darüber hinaus seitens der Landesregierung helfen würde, sind Eckpunkte einer Landesplanung. Es wäre für die Hochschulen hilfreich, wenn sie wüssten, ob das Land davon ausgeht, dass nicht nur jeder Standort, sondern möglicherweise auch nahezu jedes Fach an jedem Standort erhalten bleiben soll. Die Hochschulen können diese Frage nicht aus sich heraus beantworten.
WEILER: Die Einführung des Globalhaushaltes fällt ja auch zusammen mit der neuen W-Besoldung für Hochschullehrer, die leistungsbezogene Zulagen vorsieht. Außerdem liegt der Referentenentwurf für ein neues Landes-Hochschulgesetz vor, das es dem Rektor ermöglicht, anstelle des Landes Hochschullehrer zu berufen. Dadurch erhält die Uni erheblich mehr Gestaltungsspielraum, aber auch mehr Verantwortung.
Vor allem aber kommt so auf die Ruhr-Uni ein ganzes Paket von Neuerungen zu. Das ist schwer zu überblicken. Nicht nur die Hochschulleitung, noch viel mehr die Fakultäten und Fächer müssen in diese gänzlich andere Art der Betrachtung, wie Hochschule finanziert wird, hineinwachsen. Das ist der wesentliche Aspekt dieser vorhin angesprochenen Vorsorgemaßnahmen. Sie sollen uns ermöglichen, in sehr intensivem Gespräch mit allen Einrichtungen zu überlegen, wie wir jedes Fach so aufstellen können, dass es 2006 handlungsfähig ist. Aber nicht nur auf geringem Niveau handlungsfähig. Stattdessen würden wir gerne in Gesprächen mit den Fakultäten und Einrichtungen unsere Handlungsspielräume noch erweitern. Das kann man durchaus unter dem Aspekt sehen: Vielleicht etwas weniger, aber das, was man tut, dafür um so besser.
RUBENS: Eine letzte Frage: Sie werden beide in etwa zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Welche Ruhr-Universität möchten Sie Ihren Nachfolgern hinterlassen?
WEILER: Sie soll ein Ort sein, an dem man gerne studiert, gerne forscht und gerne arbeitet.
MÖLLER: Sie soll eine der besten Universitäten in Deutschland sein.

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Letzte Änderung: 01.06.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik