Minus 8.000
Folgen der Studienkonten an der RUB
Schüler-Uni
Bochum
Im Mai legten das Dezernat 1 und das Studierendensekretariat
vorläufige Studierendenzahlen für alle Fachbereiche
und Abschlüsse vor. Demnach hat die RUB im laufenden
Semester nur noch 28.034 Studierende (Stand: 18.5.04),
im WS 03/04 waren es noch 36.104. Die Rückgänge
betreffen alle Fachbereiche, wenn auch unterschiedlich
stark. Auf über 30 Prozent ihrer Studierenden müssen
fortan z.B. die Evangelischen Theologen oder die Mathematiker
verzichten. Noch ärger gebeutelt sind nur die Zusatzstudiengänge:
So haben sich drei von vier Arbeitswissenschaftlern
nicht rückgemeldet. Sortiert man die Abgänge
nach Abschlüssen, sind ebenfalls die Zusatzstudiengänge
am stärksten betroffen (minus 46 Prozent), gefolgt
von Lehramt (minus 36) und Diplom/Magister (minus 26).
Der Grund für die hohen Rückgänge (der
im vergleichbaren Maße alle NRW-Hochschulen betrifft)
dürfte in den zum Sommersemester 04 eingeführten
Studiengebühren liegen. Knapp 9.000 Studierende
der RUB hatten einen Gebührenbescheid bekommen,
der ihnen die Wahl ließ, entweder 650 Euro pro
Semester zu zahlen oder sich zu exmatrikulieren. Bis
Mitte Mai hatten rund 1.600 Studierende die Gebühr
bezahlt, knapp 5.500 hatten sich exmatrikuliert (darunter
auch diejenigen, die ihr Studium abgeschlossen haben),
etwa 2.500 hat das Studierendensekretariat gestrichen,
weil es von ihnen überhaupt nichts gehört
hat.
Ursprünglich hatte sich die Landesregierung durch
die Studiengebühren landesweit Einnahmen von jährlich
90 Mio. Euro versprochen. Betrachtet man die Gebührenzahler
an der RUB, dürfte das schwierig werden. Die 1.600
bringen (eine weitere Abgeltung fürs WS 04/05 vorausgesetzt)
der Landeskasse etwa 2 Mio. Euro, statt der kalkulierten
11 Mio. Euro (bei knapp 9.000 Zahlern). Diesen 2 Mio.
Euro müssten eigentlich die Kosten gegenübergestellt
werden, die im Zuge der Gebühren-Einführung
an der RUB entstanden sind: Personalkosten, Porto etc.
Viel würde aus kostenrechnerischer Sicht nicht
übrigbleiben. Hinzu kommt, dass dem Akafö
der Sozialbeitrag (55 Euro) von 8.000 Studierenden fehlen
wird, also weit über 400.000 Euro. Viele dieser
8.000 sind zuletzt gar nicht mehr an der RUB gewesen
und haben somit nicht die Leistungen des Studentenwerks
beansprucht, diese gleichwohl mitfinanziert. Nicht zuletzt
deswegen hat das Akafö am 10. Mai eine Erhöhung
des Sozialbeitrags von über 14 Euro beschlossen
(S. 7). Auch der Asta strebt eine Erhöhung seines
Anteils am Semesterbeitrag an: von elf auf 13 Euro.
Weil aber viele der 8.000 schon lange nicht mehr an
der RUB sind, ist ein weiteres Phänomen zu beobachten:
Auch mit nur 28.000 Studierenden ist
es auf dem Campus noch genauso voll wie vorher mit 36.000.
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