Ach, ist ja verboten
Beobachtungen zum Rauchverbot an der RUB
Schüler-Uni
Bochum
Je näher der April rückte, desto mehr machte
sich Ratlosigkeit breit: Würden die Studenten
den Aufstand proben oder sich (typisch Deutsch) der
neuen Verordnung fügen? Nun ist das Rauchverbot
seit ein paar Wochen in Kraft. Zeit, seine Auswirkungen
unter die Lupe zu nehmen.
Morgens halb zehn an der Ruhr-Uni. In der MA-Cafete
setzen sich ein paar Mediziner nach der ersten Veranstaltung
zusammen. Einer holt eine Zigarette aus der Tasche,
zögert kurz und grummelt: Ach, ist ja verboten.
Kommt einer mit? Draußen scheint die Sonne.
Schon mit angezündetem Kippchen macht man sich
auf den Weg vors Gebäude. Johann Ulshöfer,
Medizinstudent im 6. Semester und Raucher, hat Verständnis
dafür, dass Nichtraucher keine Lust haben, ihr
Frühstück in einer verqualmten Cafete einzunehmen.
Die Umstellung aufs Rauchverbot hat ihm keine Probleme
bereitet: Ich rauche jetzt etwas weniger als früher,
ist ja nicht unbedingt schlecht.
In GB beginnt inzwischen das Tagesgeschäft von
Veronika Lindner. Die Akafö-Angestellte hat selbst
einige Jahre lang geraucht und ist mit der veränderten
Situation zufrieden. Die Luftqualität habe sich
spürbar gebessert. Als wir hier noch das
eingeschränkte Verbot hatten, waren die Leute aggressiver,
wenn ich sie gebeten habe es einzuhalten. Jetzt haben
wir eigentlich keine Probleme mehr. Die sechs
Leute, die vor kurzem qualmend um einen der Tische im
GB-Foyer saßen, musste sie nur einmal freundlich
bitten, sich einen anderen Platz zum Rauchen zu suchen.
Mit echten Rebellen hatte sie noch nicht
zu tun.
Keine Rebellen
Drinnen mag es nun weniger Kippen geben, draußen
ist das Gegenteil der Fall: Die Treppen vor den G-Gebäuden,
wo sich zwischen den Seminaren und in Freistunden Scharen
von Studenten zur Pausenzigarette versammeln, sind mit
Stummeln in beeindruckender Zahl garniert. Bisher sind
nur wenige zusätzliche Aschenbecher aufgestellt
worden, und dass der Weg zu den vorhandenen vielen Rauchern
zu weit vorkommt, ist deutlich zu sehen. Sarah Ruhrort,
Geschichtsstudentin im 13. Semester und Gelegenheitsraucherin,
ist mit den neuen Zuständen nicht zufrieden. Im
Sommer ist es ja okay, dass man sich hier draußen
zum Rauchen trifft. Aber eigentlich macht das Rauchverbot
den Uni-Alltag für mich und meine Freunde komplizierter.
Ich hätte mir einen Kompromiss gewünscht,
der den Rauchern mehr Freiraum lässt und sie nicht
völlig aussperrt. Seit das Verbot in Kraft
getreten ist, geht sie mit Freunden öfter ins Kulturcafé,
wenn sie Lust auf eine Zigarette zu ihrem Café
Latte hat.
Hüseyin Bali, Geschäftsführer des Kulturcafés,
ist bisher aber noch nicht aufgefallen, dass sich seine
Besucherzahlen erhöht hätten. Jetzt
im Sommer, stellt er fest, sind wir sowieso
immer gut besucht, wenn die Stühle draußen
stehen. Vom Rauch in seinen Räumen ist Bali
ohnehin nicht begeistert. Außerdem bereitet ihm
Kopfzerbrechen, dass ständig falsche Münzen
im Zigarettenautomaten landen und ihn blockieren.
Militante Nichtraucher scheint es an der RUB ohnehin
kaum zu geben. Ein Maschinenbauer, der jahrelang unter
dem Qualm in seinem Gebäude gelitten hat, möchte
lieber anonym zitiert werden: Ich find es jetzt
super, denn Rauchen ist nun mal eine besch
ungesunde
Angewohnheit. Das hätte man schon viel früher
umsetzen sollen.
Alles in Allem ist der befürchtete Sturm also
ausgeblieben. Vielleicht haben dazu auch ein wenig
die neuen Plakate beigetragen, die für einige Studenten
schon jetzt Sammlerwert besitzen. Gerade denen, die
sich über die offiziellen Rauchverbotsschilder
aufgeregt hatten, hat die Initiative um Frühkippchen
und echte Cowboys recht geschickt den Wind aus den Segeln
genommen.
Andreas
Winkler
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