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RUBENS 89 1. Juni 2004


„Ach, ist ja verboten“
Beobachtungen zum Rauchverbot an der RUB

Schüler-Uni Bochum



Je näher der April rückte, desto mehr machte sich Ratlosigkeit breit: Würden die Studenten den Aufstand proben oder sich (typisch Deutsch) der neuen Verordnung fügen? Nun ist das Rauchverbot seit ein paar Wochen in Kraft. Zeit, seine Auswirkungen unter die Lupe zu nehmen.
Morgens halb zehn an der Ruhr-Uni. In der MA-Cafete setzen sich ein paar Mediziner nach der ersten Veranstaltung zusammen. Einer holt eine Zigarette aus der Tasche, zögert kurz und grummelt: „Ach, ist ja verboten. Kommt einer mit?“ Draußen scheint die Sonne. Schon mit angezündetem Kippchen macht man sich auf den Weg vors Gebäude. Johann Ulshöfer, Medizinstudent im 6. Semester und Raucher, hat Verständnis dafür, dass Nichtraucher keine Lust haben, ihr Frühstück in einer verqualmten Cafete einzunehmen. Die Umstellung aufs Rauchverbot hat ihm keine Probleme bereitet: „Ich rauche jetzt etwas weniger als früher, ist ja nicht unbedingt schlecht.“
In GB beginnt inzwischen das Tagesgeschäft von Veronika Lindner. Die Akafö-Angestellte hat selbst einige Jahre lang geraucht und ist mit der veränderten Situation zufrieden. Die Luftqualität habe sich spürbar gebessert. „Als wir hier noch das eingeschränkte Verbot hatten, waren die Leute aggressiver, wenn ich sie gebeten habe es einzuhalten. Jetzt haben wir eigentlich keine Probleme mehr.“ Die sechs Leute, die vor kurzem qualmend um einen der Tische im GB-Foyer saßen, musste sie nur einmal freundlich bitten, sich einen anderen Platz zum Rauchen zu suchen. Mit echten „Rebellen“ hatte sie noch nicht zu tun.

Keine Rebellen

Drinnen mag es nun weniger Kippen geben, draußen ist das Gegenteil der Fall: Die Treppen vor den G-Gebäuden, wo sich zwischen den Seminaren und in Freistunden Scharen von Studenten zur Pausenzigarette versammeln, sind mit Stummeln in beeindruckender Zahl garniert. Bisher sind nur wenige zusätzliche Aschenbecher aufgestellt worden, und dass der Weg zu den vorhandenen vielen Rauchern zu weit vorkommt, ist deutlich zu sehen. Sarah Ruhrort, Geschichtsstudentin im 13. Semester und Gelegenheitsraucherin, ist mit den neuen Zuständen nicht zufrieden. „Im Sommer ist es ja okay, dass man sich hier draußen zum Rauchen trifft. Aber eigentlich macht das Rauchverbot den Uni-Alltag für mich und meine Freunde komplizierter. Ich hätte mir einen Kompromiss gewünscht, der den Rauchern mehr Freiraum lässt und sie nicht völlig aussperrt.“ Seit das Verbot in Kraft getreten ist, geht sie mit Freunden öfter ins Kulturcafé, wenn sie Lust auf eine Zigarette zu ihrem Café Latte hat.
Hüseyin Bali, Geschäftsführer des Kulturcafés, ist bisher aber noch nicht aufgefallen, dass sich seine Besucherzahlen erhöht hätten. „Jetzt im Sommer“, stellt er fest, „sind wir sowieso immer gut besucht, wenn die Stühle draußen stehen.“ Vom Rauch in seinen Räumen ist Bali ohnehin nicht begeistert. Außerdem bereitet ihm Kopfzerbrechen, dass ständig falsche Münzen im Zigarettenautomaten landen und ihn blockieren.
Militante Nichtraucher scheint es an der RUB ohnehin kaum zu geben. Ein Maschinenbauer, der jahrelang unter dem Qualm in seinem Gebäude gelitten hat, möchte lieber anonym zitiert werden: „Ich find es jetzt super, denn Rauchen ist nun mal eine besch… ungesunde Angewohnheit. Das hätte man schon viel früher umsetzen sollen.“
Alles in Allem ist der befürchtete Sturm also ausgeblieben. Vielleicht haben dazu auch ein wenig die neuen Plakate beigetragen, die für einige Studenten schon jetzt Sammlerwert besitzen. Gerade denen, die sich über die offiziellen Rauchverbotsschilder aufgeregt hatten, hat die Initiative um „Frühkippchen“ und echte Cowboys recht geschickt den Wind aus den Segeln genommen.

Andreas Winkler
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Letzte Änderung: 01.06.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik