Gespräch
mit dem Kanzlervertreter Enno Kruse
Ich möchte mir keinen Mitarbeiter basteln
Schüler-Uni
Bochum
Seit Juli 2003 ist Enno Kruse Allgemeiner Vertreter des
Kanzlers der RUB. Seit April diesen Jahres leitet er zudem
das neue Dezernat 8 Personalentwicklung, Organisationsentwicklung
und Koordinationsbüro. Mit ihm sprach Arne Dessaul
über die neue Aufgabe, über moderne Verwaltung
und sein erstes Jahr an der RUB.
RUBENS: Herr Kruse, wie würden Sie Ihr erstes
Jahr an der RUB beschreiben?
ENNO KRUSE: Als sehr spannend. Ich habe nicht nur neue
Aufgaben, sondern auch viele neue Menschen kennen gelernt.
Besonders erfreulich war, wie nahtlos ich in das Team
der Dezernenten aufgenommen und eingebunden wurde und
wie unproblematisch die Zusammenarbeit mit allen Bereichen
und Mitarbeitern der Verwaltung funktioniert.
RUBENS: Kommt die Verwaltung der RUB Ihrem Ideal einer
modernen Verwaltung nahe?
ENNO KRUSE: Die Verwaltung der RUB ist insgesamt bereit,
flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Die Dezernenten
arbeiten sehr konstruktiv, sie schauen nicht nur auf ihre
eigenen Bereiche, sondern stets aufs große Ganze.
Auch die Zusammenarbeit mit dem Rektorat klappt sehr gut.
Wir hatten gerade erst eine gemeinsame Klausursitzung
von Verwaltung und Rektorat zum Globalhaushalt.
RUBENS: Was kann bei der Verwaltung noch optimiert
werden?
ENNO KRUSE: Trotz vielfältiger Aufgaben und neuer
Herausforderungen dürfen wir nicht ständig Aufbaustrukturen
verändern. Stattdessen müssen wir die Zusammenarbeit
der einzelnen Verwaltungsbereiche und die dazu gehörigen
Schnittstellen je nach Anforderung optimieren.
Ich favorisiere dabei das Projektmanagement. In den letzten
Monaten haben wir Leitlinien entwickelt und Personal schulen
lassen. Momentan läuft ein großes Projekt zur
Entwicklung einer neuen Haushaltssoftware. Unsere ist
30 Jahre alt, wir brauchen dringend Ersatz. In der Projektgruppe
sitzen Mitarbeiter aus vielen Dezernaten und aus allen
Hierarchieebenen. Sie haben alle mit Haushaltsfragen und
mit der Software zu tun und bringen ihre Kompetenzen ein.
Die Arbeit läuft bisweilen kontrovers, weil jeder
seine Meinung offen vertritt, vor allem aber läuft
sie sehr konstruktiv.
Diesen kooperativen Ansatz, der die Menschen an der Basis
beteiligt, halte ich für enorm effizient. Das ist
wesentlich erfolgreicher, als am grünen Tisch und
losgelöst von den Beschäftigten zu planen und
zu entscheiden.
Einnahmeseite stärken
RUBENS: Ein anderes Thema: Mit welchen Zielen
und Vorstellungen wurde das Dezernat 8 gegründet?
ENNO KRUSE: Eines bitte vorab. Es handelt sich um eine
Reorganisation, also um das Zusammenlegen von bestehenden
Einheiten. Jetzt zu den Vorstellungen: Personal- und
Organisationsentwicklung sind ja ohnehin zwei Seiten
einer Medaille. Innerhalb der Verwaltung kam es schnell
zum Konsens, beides zu bündeln. Das Koordinationsbüro
haben wir mit hineingenommen, weil wir damit neue Felder
wie Veranstaltungsmanagement besetzen möchten.
Es macht die Ruhr-Uni nach außen transparent und
stärkt die Einnahmeseite: durch das Vermieten von
Veranstaltungsräumen wie dem Audimax sowie Werbe-
und Veranstaltungsflächen, zum Beispiel beim Flohmarkt.
RUBENS: Wie schätzen Sie die Einnahmeentwicklungen
ein?
ENNO KRUSE: Falls wir uns speziell bei der Vermietung
des Audimax stärker am Markt positionieren würden
und mehr auf Werbeeinnahmen setzen, gäbe es zukünftig
noch Potenzial nach oben. Aus steuerrechtlichen Gründen
müssten wir allerdings zunächst aus dem Koordinationsbüro
einen Wirtschaftsbetrieb machen, das ist
nicht von heute auf morgen zu erledigen.
RUBENS: Das Personalverzeichnis des Dezernat 8 zählt
knapp 40 Beschäftigte. Haben Sie schon mit allen
gesprochen?
ENNO KRUSE: Noch nicht ganz. Da das Dezernat aber zum
Teil aus Einheiten besteht, die vorher schon zu meinem
Bereich zählten, kenne ich schon viele Beschäftigte
persönlich. Alle anderen werde ich bei der Auftaktveranstaltung
zur Dezernatsgründung im Senatssaal kennen lernen
und spätestens im Sommer beim Sommerevent
des Dezernats wiedersehen.
RUBENS: Stellen Sie sich vor, Sie könnten sich
einen Mitarbeiter allein nach Ihren Vorstellungen basteln:
Wie würde sie oder er aussehen?
ENNO KRUSE: Das möchte ich mir gar nicht vorstellen.
Ich finde es ganz wichtig, dass Mitarbeiter ihre Aufgaben
selbständig wahrnehmen und denken und dass sie
eigene Vorstellungen entwickeln und verfolgen. Sie sollen
ihre Potenziale nutzen können. Nein, wirklich,
ich möchte mir keinen Mitarbeiter basteln.
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