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RUBENS 88 1. Mai 2004


Zwei überflüssige Veranstaltungen

Archivsplitter: Standortentscheidung anno 1961


Schönes Ausflugswetter hatten die gut 30 Abgeordneten des Landtages und Vertreter von Ministerien nicht, als sie sich am 24. Januar 1961 nach Dortmund und Bochum aufmachten, um die von diesen Städten angebotenen Grundstücke für die aufzubauende „Technische Universität“ zu begutachten. Die Reise war aber auch recht kurzfristig angesetzt, nachdem sich die Landesregierung entschlossen hatte, nun doch das Parlament an ihrer eigentlich feststehenden Entscheidung für Bochum zumindest formal zu beteiligen. Anders als der Gutachter Dr. Linde, Stuttgart, sahen weder die Öffentlichkeit noch die Parlamentarier bemerkenswerte Unterschiede hinsichtlich der Güte der Gelände, die sich, wie die FAZ titelte, „wie ein Ei dem anderem ähnlich“ waren.
Die Stadt Bochum hatte sich für den Besuch mächtig ins Zeug gelegt. Oberbürgermeister Heinemann und Oberstadtdirektor Petschelt empfingen die Busse der Delegation bereits an der Stadtgrenze; mit Polizeieskorte ging es in den Stadtteil Querenburg, genauer: auf den Hof Hautkapp, den die Stadt gut ein Jahr zuvor angekauft hatte. Hier hatte man ein aufblasbares, beheiztes Glanzstoff-Nylon-Zelt sowie eine acht Meter hohe Aussichtsplattform errichten lassen. Der Weg vom Bus hierher war in dem schneebedeckten Gelände durch Holzbohlen geebnet, für den Fall, dass sich einige der Gäste weiter vorwagen wollten, waren Gummiüberschuhe bereitgestellt. Im Zelt informierte Petschelt die Gäste über die Verkehrsanbindung, über Versorgung und Entwässerung sowie über Bergschäden, die aufgrund diverser Stellungnahmen u. a. der Bergbaubehörde aber weitgehend ausgeschlossen werden könnten (eine haltlose Annahme, wie sich später herausstellen sollte).

Auffallend zugeknöpfte Parlamentarier

Die hofierten Parlamentarier zeigten sich, so die Presse unisono, sowohl in Dortmund als auch in Bochum, auffallend zugeknöpft und vermieden jegliche Stellungnahme. Inzwischen war die Frage des Standortes der neuen Universität nämlich Opfer parteipolitischen Taktierens geworden. Jahrelang hatte bis dahin Dortmund als der prädestinierte und unbestrittene Standort der neu zu gründenden TH bzw. TU gegolten. Nachdem nun aber – aufgrund verdeckter Initiative Innenminister Dufhues’ – Bochum ins Spiel gebracht worden war, bot es sich für die CDU-Regierung aus parteipolitischer Sicht geradezu an, dem SPD-Begehren etwas entgegenzusetzen, das als eigene Idee und eigenständiges Konzept dargestellt werden konnte. Im Kabinett wurden Ministerpräsident Meyers und Kultusminister Schütz rasch die vehementesten Befürworter Bochums. Ein Umstand allerdings erschwerte die Umsetzung des Plans: Die alleinige Kompetenz der Regierung in dieser Frage war umstritten; hätte sie diese an sich gezogen, hätte das Parlament die Entscheidung kassieren können. Eine Abstimmung im Landtag war unumgänglich.
Haupt- bzw. Kulturausschuss, an die die Beratung verwiesen war, erachteten wenige Monate später eine erneute Besichtigung der in Frage stehenden Gelände für erforderlich. Bei herrlichstem Sonnenschein konnte die Delegation nun am 28. Juni 1961 – neben fünf Pfund Gutachtermaterial – die möglichen Standorte nochmals in Augenschein nehmen. In Bochum hatte man sich wieder etwas Besonderes einfallen lassen: Die Grenzen des Querenburger Geländes waren mit Ballons markiert, die man zu Ende der Veranstaltung auf ein Zeichen hin effektvoll aufsteigen ließ.
Die Aussprache über die neuen Erkenntnisse hatte sich aber, wie der Abgeordnete Holthoff (SPD) in der Sitzung am 5. Juli bemerkte, erübrigt, da das Ergebnis schon am Vortage in der Presse gestanden habe. In der Tat hatte die CDU-Spitze in einem innerparteilichen Kraftakt ihre „schwachen Kandidaten“ in der Fraktion, namentlich aus Dortmund und dem ostwestfälischen Raum, auf Linie gebracht, diese „Einmütigkeit“ sogleich in die Öffentlichkeit getragen – und so eine Fraktionsdisziplin erzwungen, die die wahre Stimmungslage verfälschte.

Jörg Lorenz
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Letzte Änderung: 30.04.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik