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RUBENS 88 1. Mai 2004


Russisch für Astronauten

Landesspracheninstitut NRW: Seit über 30 Jahren in Bochum


Wer Anglistik studiert, beherrscht normalerweise auch die englische Sprache. Das lernt man in der Schule. Wer hingegen Slawistik oder Sinologie studiert, besitzt diesen sprachlichen Vorsprung meist nicht. Gleichwohl ist es unerlässlich, Russisch oder Chinesisch zu sprechen, wenn man diese Fächer studiert. Wie also erwirbt man als Philologe die Sprachkompetenz? In Sprachkursen an der Uni, mit einem Privatlehrer, im jeweiligen Land – oder am Landesspracheninstitut NRW (LSI).
Das aus vier Schulen (Arabicum, Russicum, Sinicum, Japonicum) bestehende Institut sitzt in Bochum und ist historisch eng mit der Ruhr-Uni verknüpft. Anfang der 1970er-Jahre, als der Kalte Krieg zu Ende ging und erste zarte Bande zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion gesponnen wurden, hatte der damalige NRW-Wissenschaftsminister Johannes Rau die Idee, ein Institut zu gründen: Studierende und andere Hochschulangehörige sollten dort die russische Kultur und Sprache erlernen. „Die Unis Köln und Bonn hatten sich um das Institut gestritten“, erinnert sich LSI-Direktor Dr. Jochen Pleines. „Sie stritten so lange, bis die Ruhr-Universität den Zuschlag bekam“, fügt er schmunzelnd hinzu. 1973 wurde das Russicum eröffnet. Das Gebäude an der Humboldtstraße hatte zuvor Johannes Rau von der Evangelischen Kirche erworben. Seinerzeit bot das Institut über das Moskauer Puschkin Institut als Partnerin deutschen Wissenschaftlern eine der raren Chancen, in die Sowjetunion zu kommen.
Allerdings wurde das Russicum nicht direkt der RUB zugeteilt, sondern dem NRW-Wissenschaftsministerium. Gleichwohl besetzten Bochumer Professoren stets wichtige Funktionen im Russicum. Das galt lange Zeit auch fürs Sinicum (gegründet 1980), Japonicum (1981) und Arabicum (1985). Alle drei Schulen wurden von Professoren der RUB jeweils im Wechsel ein Jahr lang ehrenamtlich geleitet – bis 1991 Dr. Pleines hauptamtlicher Leiter des gesamten Landesspracheninstituts wurde und jede der vier Schulen ebenfalls einen hauptamtlichen Leiter bekam. Ihnen zur Seite stehen festangestellte Dozentinnen und Dozenten – die Hälfte von ihnen sind Muttersprachler, die andere Hälfte besteht aus Deutschen, die einst dieselben Probleme mit der Sprache hatten wie jetzt ihre Schüler, die aus ganz Deutschland nach Bochum kommen. Daneben gibt es Gastdozenten sowie – bei hoher Teilnehmerzahl – Aushilfsdozenten.
Heute ist das LSI über ein beratendes Kuratorium direkt mit der Ruhr-Uni verbunden. Dort sitzen neben Staatssekretär Hartmut Krebs (NRW-Wissenschaftsministerium) und Bochums Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber beispielsweise Rektor Prof. Gerhard Wagner, Prof. Inge-Christine Schwerdtfeger (Sprachlehrforschung der RUB) und Prof. Stefan Reichmuth (Orientalistik).

Arabisch in sechs Schritten

Außer den Studierenden der Philologie besuchen viele Studierende anderer Fächer die Kurse: Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieure, Mediziner oder Juristen, die zusätzliche Qualifikationen erwerben möchten oder Sprachfähigkeiten für Forschungsprojekte (inkl. Auslandsreisen) benötigen.
Ein Blick auf die lange Liste der Kunden des LSI verrät, dass sich das Angebot keineswegs nur an Studierende richtet: Das Auswärtige Amt taucht dort auf, die Evangelische Kirche, die FAZ, aber auch Industrieunternehmen wie Bosch oder Siemens. Besonders stolz ist Jochen Pleines auf die Astronauten der ESA, die allesamt in Bochum Russisch lernen: „Für die müssen wir spezielle Kurse anbieten, die lernen einfach zu schnell.“ Aber nicht nur die Astronauten findet Pleines später in den Medien wieder: „Alle ARD-Korrespondenten, die in China, Japan, Russland oder der arabischen Welt arbeiten, waren vorher bei uns“, berichtet er.
Wer am LSI z. B. Arabisch lernen möchte, tut dies in mindestens sechs Schritten. Er startet mit einem dreiwöchigen Grundkurs. Ihm folgen zwei Aufbaukurse, einer davon speziell fürs Lesen, sowie zwei Oberkurse (für Lesen und Kommunikation). Sonderkurse für Fachwissenschaftler können theoretisch hinzukommen. Krönung des Ganzen sind die Auslandskurse (4 Wochen) für Fortgeschrittene. Sie werden in verschiedenen Ländern der arabischen Welt veranstaltet und bieten die Chance, in engem Bezug zum jeweiligen Land Hörverständnis und Sprechfertigkeiten zu verbessern. Geleitet werden sie von ehemaligen Gastdozenten des LSI. Ganz ähnlich gestaltet sich das Programm am Russicum, am Sinicum oder am Japonicum. Alle Schulen arbeiten eng mit Partnerinstituten in ihren Zielländern zusammen, das Sinicum z. B. mit der Tongji Uni in Shanghai, einer der Partneruniversitäten der RUB: Dort werden die Gastdozenten rekrutiert, dort finden auch die Auslandskurse statt.
Daneben kooperiert das LSI auch mit nationalen, nicht immer wissenschaftlichen Einrichtungen. So auch beim jüngsten Projekt, das zusammen mit der IHK Bochum entstand: Interkulturelle Seminare (die auch losgelöst vom Sprachunterricht belegt werden können) unter Titeln wie „Kann man Japan lernen?“ sollen verhindern, im Ausland allzu oft ins Fettnäpfchen zu treten. Welche Mittel und Wege benutzt z. B. der Japaner, um „Nein“ zu meinen. Schließlich sagt er es aus reiner Höflichkeit nicht.

12 Stunden, mindestens

In keinem LSI-Kurs sitzen mehr als acht Schüler. Gibt es mehr Bewerber, wird der Kurs geteilt. Das kommt regelmäßig vor, immerhin wurden im Institut allein im letzten Jahr exakt 1.422 Schüler unterrichtet, die meisten in Russisch (492). Beinahe alle Teilnehmer schlafen im LSI. Für Freizeit bleibt während der intensiven Sprachkurse ohnehin kaum Zeit: Montags bis freitags wird acht Stunden lang unterrichtet, hinzu kommen verpflichtend vier Stunden Eigenarbeit. Am Abend gibt es regelmäßige Veranstaltungen, ansonsten arbeiten die Schüler in Gruppen weiter, auch die Dozenten sind abends im Institut. Samstags wird das halbe Pensum gefahren. Dieser hohe Einsatz wird schnell belohnt: „Nach nur drei Wochen können sich unsere Schüler sprachlich sicher im fremden Land bewegen“, schwärmt Direktor Pleines. Das liegt auch daran, dass die LSI-Dozenten die Lehrmaterialen selbst konzipieren, sie sind deshalb auf die Teilnehmer zugeschnitten.
Diese Qualität hat freilich ihren Preis: Pro Woche Sprachunterricht entrichten die Teilnehmer bis zu 645 Euro, Kosten für Lehrmaterial, Unterkunft und Verpflegung kommen hinzu. Allerdings zahlen Studierende erheblich weniger als die Mitarbeiter der Unternehmen oder die Astronauten – für eine Woche Russisch beispielsweise 140 Euro.

Kontakt
LSI NRW, Postfach 10 15 65, D-44715 Bochum, E-Mail: lsi@lsi-nrw.de, Internet: www.lsi-nrw.de
Hausanschriften:
Stiepeler Straße 129, 44801 Bochum, Tel. 0234-43879300 (Japonicum und Sinicum)
Humboldtstraße 59-63, 44787 Bochum, Tel. 0234-68740 (Arabicum und Russicum)

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Letzte Änderung: 30.04.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik