Heute
sitze ich hier
Fragen
an den neuen Asta-Vorsitzenden Jonas Spiegel
Jonas Spiegel ist auf den ersten Blick alles andere als
ein Exot: Der 24-jährige Lippstädter studiert
Geographie an der RUB, ist inzwischen im 6. Semester angekommen
und kann auch auf zwei Informatik-Semester an der Dortmunder
Uni zurückblicken. So weit, so gut. Allerdings ist
Jonas Spiegel, der zur Alternativen Liste gehört,
seit kurzem neuer Asta-Vorsitzender der RUB. Als solcher
hebt er sich deutlich vom Großteil seiner Kommilitonen
ab alleine dadurch, dass er sich für Hochschulpolitik
interessiert. Mit ihm sprach Andreas Winkler, studentischer
Mitarbeiter von RUBENS.
Rubens: Du bist gerade zum Asta-Vorsitzenden gewählt
worden. Die Koalition ist die gleiche wie im letzten Jahr:
Alternative Liste und Linke Liste. Ihr habt zwei Sitze
gewonnen, Lili zwei verloren. Was ist das für ein
Gefühl?
Spiegel: Erst mal natürlich ein gutes, wir konnten
die Mehrheit im Studierendenparlament halten. Andererseits
bin ich etwas vorsichtig, denn ich weiß gar nicht,
wie erfolgreich wir eigentlich sein wollen. Es ist ja
auch ein zweischneidiges Schwert, dass nur zwei Listen
die Koalition bilden.
Rubens: Weil man euch schnell verantwortlich machen
kann, wenn etwas schief läuft?
Spiegel: Genau.
Rubens: Wie bist du dazu gekommen, dich an der RUB politisch
zu engagieren?
Spiegel: Das hat sich von selbst ergeben. Ich habe direkt
nach der Einschreibung Leute aus der Fachschaft kennen
gelernt, soziale Kontakte geknüpft und angefangen,
mich für die Arbeit der Fachschaften zu interessieren.
Alleine die Tatsache, dass man immer weiß, wo man
einen Kaffee bekommt, fand ich gut. Ich habe dann angefangen,
in der Fachschaft aktiv mitzuarbeiten, und heute sitze
ich hier.
Rubens: Trüben die 8,5 Prozent Wahlbeteiligung
die Siegesfreude?
Spiegel: Natürlich sind wir ein bisschen enttäuscht,
weil wir viel Mühe in den Wahlkampf investiert hatten.
Aber wir sehen da nicht unbedingt nur das Problem der
Politikverdrossenheit, es geht auch um die Wahlstrukturen
an der RUB: Die Wahlen in den Cafeten nehmen vielen die
Lust, weil sie zu mühsam sind, zum Beispiel weil
jeder nur einen Punkt hat, an dem er wählen kann.
Ein elektronisches Wahlsystem könnte da Abhilfe schaffen.
Wir möchten darüber mit der Unileitung reden.
Rubens: Der Asta hat insgesamt keinen großen
Rückhalt bei den Studenten. Viele stehen ihm gleichgültig
gegenüber. Gibt es Konzepte bei euch, das zu ändern
und den Studenten zu zeigen, was ihr so für sie tut?
Spiegel: Da kann man an erster Stelle das Campusfest RUBISSIMO
im Juni nennen: In diesem Jahr hat der Asta erstmals starken
Einfluss auf Organisation und Ablauf. Auf dem Nordforum
werden sich die Fachschaften präsentieren
auch mit Bierständen und Buden. Die Musikbühne
vor UB wird von uns bestückt. Da feilen wir noch
am Programm. Alles in allem wird das diesjährige
Konzept all das beinhaltet, was vorher von den Studenten
gefordert wurde. Auf jeden Fall wird RUBISSIMO weniger
kommerziell sein und stärker den Charakter der Uni
wiederspiegeln.
Im letzten Jahr hat der Asta ja auch Sachen organisiert,
die gut funktioniert haben: Die Karaokenacht Bochum
sucht den Superstar im Kulturcafé zum Beispiel
war ein voller Erfolg.
Rubens: Von RUBISSIMO abgesehen hast du dir eine turbulente
Zeit für den Asta-Vorsitz ausgesucht: Mit dem Rauchverbot,
der Akkreditierung der Bachelor-Studiengänge und
der Einführung der Studienkonten gibt es derzeit
ein paar heiße Eisen.
Spiegel: Bei der Akkreditierung müssen wir die Augen
offen halten. Das geht schon bei der Arbeitsauslastung
in den neuen Bachelor-Studiengängen los: Es kann
passieren, dass ein Geographie-Student zu Semester-Ende
acht bis zehn Klausuren schreiben muss. Das ist nicht
Ideal, zumal dafür wissenschaftlichere Bereiche wie
Hausarbeiten vernachlässigt werden. Wir beteiligen
uns an den Begutachtungen der neuen Studiengänge
und üben Einfluss aus, so gut wir können.
Der Übergang vom Bachelor- zum Master-Studium soll
nach dem Willen der Kultusministerkonferenz per NC erschwert
werden: Nur rund 30 Prozent der Bachelors sollen Gelegenheit
haben, ihren Master zu machen. Unser Rektorat plant dagegen
einen fließenden Übergang, was unserer Meinung
nach viel sinnvoller ist.
Rubens: Der Asta der RUB beteiligt sich an einer
Sammelklage gegen Studienkonten. Es werden wohl etwa
40 Klagen zusammenkommen, die alle möglichen Eventualitäten
und Sonderfälle abdecken. Was genau sind eure Argumente
gegen die Konten?
Spiegel: Die Höhe der Studiengebühren ist
unverhältnismäßig, außerdem ist
das ganze im Hauruckverfahren durchgedrückt worden.
Dazu kommt, dass es inhaltliche Unstimmigkeiten gibt.
Zum Beispiel: Wer sein Fach vor dem Studienkontengesetz
innerhalb der ersten zwei Semester gewechselt hat, der
muss auch für diese Semester Gebühren zahlen.
Wer erst gewechselt hat, als das Gesetz schon in Kraft
war, für den gilt das nicht. Der Vertrauensschutz
ist auch erwähnenswert: Bei den meisten Studierenden
waren Gebühren noch nicht im Gespräch, als
sie sich eingeschrieben haben.
Rubens: Siehst du noch eine Hoffnung, die Studiengebühren
wieder loszuwerden?
Spiegel: Ich glaube, es ist ganz egal, ob SPD oder CDU
an der Macht sind, Studiengebühren wollen beide
kassieren.
Rubens: Letzte Frage: Wie ist deine Meinung zum Rauchverbot
an der RUB?
Spiegel: Na ja, ich bin Ex-Raucher. Also ist es mir
letztlich ziemlich egal. Ich denke, es wird interessant
zu sehen sein, ob es sich durchsetzt und wie die Leute
damit umgehen.
Andreas
Winkler
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