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RUBENS 88 1. Mai 2004

„Heute sitze ich hier“

Fragen an den neuen Asta-Vorsitzenden Jonas Spiegel


Jonas Spiegel ist auf den ersten Blick alles andere als ein Exot: Der 24-jährige Lippstädter studiert Geographie an der RUB, ist inzwischen im 6. Semester angekommen und kann auch auf zwei Informatik-Semester an der Dortmunder Uni zurückblicken. So weit, so gut. Allerdings ist Jonas Spiegel, der zur Alternativen Liste gehört, seit kurzem neuer Asta-Vorsitzender der RUB. Als solcher hebt er sich deutlich vom Großteil seiner Kommilitonen ab – alleine dadurch, dass er sich für Hochschulpolitik interessiert. Mit ihm sprach Andreas Winkler, studentischer Mitarbeiter von RUBENS.


Rubens: Du bist gerade zum Asta-Vorsitzenden gewählt worden. Die Koalition ist die gleiche wie im letzten Jahr: Alternative Liste und Linke Liste. Ihr habt zwei Sitze gewonnen, Lili zwei verloren. Was ist das für ein Gefühl?
Spiegel: Erst mal natürlich ein gutes, wir konnten die Mehrheit im Studierendenparlament halten. Andererseits bin ich etwas vorsichtig, denn ich weiß gar nicht, wie erfolgreich wir eigentlich sein wollen. Es ist ja auch ein zweischneidiges Schwert, dass nur zwei Listen die Koalition bilden.

Rubens: Weil man euch schnell verantwortlich machen kann, wenn etwas schief läuft?
Spiegel: Genau.

Rubens: Wie bist du dazu gekommen, dich an der RUB politisch zu engagieren?

Spiegel: Das hat sich von selbst ergeben. Ich habe direkt nach der Einschreibung Leute aus der Fachschaft kennen gelernt, soziale Kontakte geknüpft und angefangen, mich für die Arbeit der Fachschaften zu interessieren. Alleine die Tatsache, dass man immer weiß, wo man einen Kaffee bekommt, fand ich gut. Ich habe dann angefangen, in der Fachschaft aktiv mitzuarbeiten, und heute sitze ich hier.

Rubens: Trüben die 8,5 Prozent Wahlbeteiligung die Siegesfreude?
Spiegel: Natürlich sind wir ein bisschen enttäuscht, weil wir viel Mühe in den Wahlkampf investiert hatten. Aber wir sehen da nicht unbedingt nur das Problem der Politikverdrossenheit, es geht auch um die Wahlstrukturen an der RUB: Die Wahlen in den Cafeten nehmen vielen die Lust, weil sie zu mühsam sind, zum Beispiel weil jeder nur einen Punkt hat, an dem er wählen kann. Ein elektronisches Wahlsystem könnte da Abhilfe schaffen. Wir möchten darüber mit der Unileitung reden.

Rubens: Der Asta hat insgesamt keinen großen Rückhalt bei den Studenten. Viele stehen ihm gleichgültig gegenüber. Gibt es Konzepte bei euch, das zu ändern und den Studenten zu zeigen, was ihr so für sie tut?
Spiegel: Da kann man an erster Stelle das Campusfest RUBISSIMO im Juni nennen: In diesem Jahr hat der Asta erstmals starken Einfluss auf Organisation und Ablauf. Auf dem Nordforum werden sich die Fachschaften präsentieren – auch mit Bierständen und Buden. Die Musikbühne vor UB wird von uns bestückt. Da feilen wir noch am Programm. Alles in allem wird das diesjährige Konzept all das beinhaltet, was vorher von den Studenten gefordert wurde. Auf jeden Fall wird RUBISSIMO weniger kommerziell sein und stärker den Charakter der Uni wiederspiegeln.
Im letzten Jahr hat der Asta ja auch Sachen organisiert, die gut funktioniert haben: Die Karaokenacht „Bochum sucht den Superstar“ im Kulturcafé zum Beispiel war ein voller Erfolg.

Rubens: Von RUBISSIMO abgesehen hast du dir eine turbulente Zeit für den Asta-Vorsitz ausgesucht: Mit dem Rauchverbot, der Akkreditierung der Bachelor-Studiengänge und der Einführung der Studienkonten gibt es derzeit ein paar heiße Eisen.
Spiegel: Bei der Akkreditierung müssen wir die Augen offen halten. Das geht schon bei der Arbeitsauslastung in den neuen Bachelor-Studiengängen los: Es kann passieren, dass ein Geographie-Student zu Semester-Ende acht bis zehn Klausuren schreiben muss. Das ist nicht Ideal, zumal dafür wissenschaftlichere Bereiche wie Hausarbeiten vernachlässigt werden. Wir beteiligen uns an den Begutachtungen der neuen Studiengänge und üben Einfluss aus, so gut wir können.
Der Übergang vom Bachelor- zum Master-Studium soll nach dem Willen der Kultusministerkonferenz per NC erschwert werden: Nur rund 30 Prozent der Bachelors sollen Gelegenheit haben, ihren Master zu machen. Unser Rektorat plant dagegen einen fließenden Übergang, was unserer Meinung nach viel sinnvoller ist.

Rubens: Der Asta der RUB beteiligt sich an einer Sammelklage gegen Studienkonten. Es werden wohl etwa 40 Klagen zusammenkommen, die alle möglichen Eventualitäten und Sonderfälle abdecken. Was genau sind eure Argumente gegen die Konten?
Spiegel: Die Höhe der Studiengebühren ist unverhältnismäßig, außerdem ist das ganze im Hauruckverfahren durchgedrückt worden. Dazu kommt, dass es inhaltliche Unstimmigkeiten gibt. Zum Beispiel: Wer sein Fach vor dem Studienkontengesetz innerhalb der ersten zwei Semester gewechselt hat, der muss auch für diese Semester Gebühren zahlen. Wer erst gewechselt hat, als das Gesetz schon in Kraft war, für den gilt das nicht. Der Vertrauensschutz ist auch erwähnenswert: Bei den meisten Studierenden waren Gebühren noch nicht im Gespräch, als sie sich eingeschrieben haben.

Rubens: Siehst du noch eine Hoffnung, die Studiengebühren wieder loszuwerden?
Spiegel: Ich glaube, es ist ganz egal, ob SPD oder CDU an der Macht sind, Studiengebühren wollen beide kassieren.

Rubens: Letzte Frage: Wie ist deine Meinung zum Rauchverbot an der RUB?
Spiegel: Na ja, ich bin Ex-Raucher. Also ist es mir letztlich ziemlich egal. Ich denke, es wird interessant zu sehen sein, ob es sich durchsetzt und wie die Leute damit umgehen.

Andreas Winkler
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Letzte Änderung: 30.04.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik