Hitler ermordet
Historischer
Krimi mit außergewöhnlichem Szenario
Am 8. November 1932, zwei Tage nach der für die
NSDAP verlorenen Reichstagswahl, wird Adolf Hitler tot
in einem Weimarer Hotelzimmer gefunden. Sein Gesicht
wurde mit einer Goethestatue zerschlagen. Die Thüringer
Polizei präsentiert schnell zwei Tatverdächtige:
den Portier und das Zimmermädchen, beide mit Verbindungen
zur Kommunistischen Partei. Also ein politischer Mord?
Kommissar Soetting von der Berliner Kripo mag daran
nicht glauben. Schließlich gibt es außer
dem politischen Motiv keinerlei Indizien, die gegen
die Verdächtigen sprechen; außerdem regiert
in Thüringen die NSDAP.
Ehe Soetting richtig loslegen kann, werden die nächsten
Leichen aus dem Umfeld der NSDAP gefunden: SA-Chef Röhm
mit abgeschnittenem Penis im Mund, Propagandameister
Goebbels mit einem Lappen im Mund und Partei-Vize Strasser
mit Mein Kampf auf der Brust. Außer
Soetting gehen alle von kommunistischen Tätern
aus; offenbar bereiten die Linken einen
Staatsstreich vor. Doch bevor es dazu kommt, marschiert
schon die Reichswehr durchs Land, zunächst allein,
später zusammen mit der Polizei und der SA. Es
gibt ein paar Gefechte, schnell sind die kommunistischen
Kämpfer von der Straße verschwunden, ihre
Führer im Exil oder im Gefängnis.
An der Regierung sitzt nun eine große rechte Koalition
aus Ultrakonservativen und Nazis mit Schleicher als
Kanzler und Göring als Innenminister. Für
die innere Sicherheit sorgen Reichswehr, Polizei und
SA. Die vier Morde gelten als aufgeklärt, zumal
ein hochrangiger Kommunist angeblich ein Geständnis
abgelegt hat. Daran zweifelt allein Soetting. Doch sein
Auftrag ist beendet. Wenn er die Morde aufklären
möchte, muss er es auf eigene Faust tun
und er hat dabei diejenigen gegen sich, denen die Morde
und der kurze Bürgerkrieg sehr gut passten und
an die Macht brachten.
Christian von Ditfurth erzählt einen abwechslungsreichen
Krimi vor einem atemberaubenden Szenario: Hitler ist
tot, das Machtvakuum in Deutschland muss anders gefüllt
werden. Ditfurth füllt es u.a. mit den letzten
Granden der Weimarer Republik, Hindenburg, Schleicher
und von Papen, sowie den übriggebliebenen Nazis.
Auch deren Pläne werden skizziert: Ausrottung der
Kommunisten im Lande, Kriege gegen Franzosen, Polen
und Tschechen.
Trotz vieler Details bleibt der historische Hintergrund
eher Randgeschehen, Ditfurth setzt stattdessen auf die
Figur Soetting und dessen Kampf um Gerechtigkeit.
Christian von Ditfurth: Der Consul, Droemer
Knaur, München 2003, 420 S. 19,90 Euro
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31.5.2004 schreiben: Rubens, Pressestelle der Ruhr-Uni,
UV 366, 44780 Bochum; Stichwort ist die Antwort auf
die Frage: Wo lernt man in Bochum Arababisch?
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