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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Kleine Experimente
Alfried
Krupp-Schülerlabor der RUB wurde eröffnet
Katharina Johann (20) ist Studentin der Psychologie im
ersten Semester und sie lehrt bereits an der Ruhr-Uni:
Im neu gebauten Alfried Krupp-Schülerlabor der RUB
leitet sie einen Kurs für etwa 20 Schülerinnen
und Schüler einer sechsten Klasse der Bochumer Willy-Brandt-Gesamtschule.
Elf bis zwölf Jahre sind sie alt, sie sitzen im mathematisch-konstruktiven
Laborraum an Computern und konditionieren Sniffy,
die virtuelle Ratte. Sniffy muss lernen, sich aufzurichten
und mit den Vorderfüßen einen Hebel zu bedienen.
Zur Belohnung gibt es etwas zu essen. Das Computerprogramm
stammt aus der Fakultät für Psychologie, die
Menüsprache ist Englisch, womit die Kids
kein Problem haben. Sie lernen den Umgang mit dem PC und
zugleich etwas über das Lernverhalten von Lebewesen.
Selbstständiges Lernen ist das zentrale
Element des Schülerlabors, sagt Psychologieprofessor
Onur Güntürkün, einer der beiden Initiatoren
der Einrichtung: Wir tragen den Schülern
keine Lösungen für Probleme vor, sondern lassen
sie selbst nach Lösungen suchen. Also wird
den Zehntklässlern im biologisch-chemischen
Labor nicht einfach die antike Bagdad-Batterie
aus dem ersten Jahrhundert nach Christi vorgesetzt, sie
sollen sie selbst nachbauen. In weißen Kitteln und
mit Schutzbrillen ausgestattet stehen sie um die Übungsleiter,
Dr. Walter Keil (Graf-Engelbert Schule) und Hermann Ricken
(Fakultät für Chemie), lassen sich das Prinzip
der ältesten Batterie der Welt erklären und
legen los. Die Schutzbrille muss sein, denn hier kommt
auch Schwefelsäure zum Einsatz.
Im Raum nebenan, dem physikalisch-technischen Labor,
haben Geowissenschaftler der RUB ihren mobilen Versuchsstand
zur Grundwasserverschmutzung platziert: Wie sich Schadstoffe
im Grundwasser ausbreiten, was passiert, wenn man den
Wasserspiegel hebt oder senkt, das erfahren die Schüler
im Versuch und parallel in der Simulation an einem Laptop.
Rund 50 Projekte, teils als fachübergreifende
Koproduktionen, bietet das Schülerlabor an, um den
naturwissenschaftlich-technischen Schulunterricht zu ergänzen.
Drei Laborräume, ein 360 Grad-Projektionszylinder
(Round View) und ein Seminarraum verteilen sich auf 1.000
qm. Ermöglicht wurde dies durch die Alfried Krupp
von Bohlen und Halbach-Stiftung: Mit 1,5 Mio. Euro förderte
sie den Bau und die Startphase, weitere 1,1 Mio. aus Bundes-
und Landeszuschüssen kamen hinzu. Nachdem das Schülerlabor
am 26. Februar mit einem Festakt offiziell eröffnet
wurde, hat die Krupp-Stiftung weitere Mittel in Aussicht
gestellt, um zukünftige Projekte zu realisieren.
An Ideen ebenso an Interesse der Schulen im Ruhrgebiet
mangelt es nicht. Algen geben Gas heißt
z. B. das Motto einer solchen Koproduktion. Da entlocken
Schüler einer Grünalgenkultur Knallgas (Wasserstoff)
und treiben mit diesem Ökokraftstoff
ein Fahrzeug an, das mit einer Brennstoffzelle ausgestattet
ist. Biologie und Maschinenbau vereint das ist
das Credo des Schülerlabors. Neun Fakultäten
aus der RUB tragen es: alle Ingenieur- und Naturwissenschaften
plus Psychologie. Angegliedert ist es am Zentrum für
Lehrerbildung der RUB (ZfL): Das Schülerlabor gibt
Lehrern die Gelegenheit, sich weiterzubilden. Studierende
aus dem Modellversuch gestufte Lehrerausbildung haben
hier vor allem in der Masterphase Kontakt zu Schülern
und können erste Erfahrungen im Unterrichten sammeln.
Auch im Optionalbereich in der Bachelorphase bietet das
Schülerlabor zusammen mit dem ZfL und Partnerschulen
der Region berufsorientierte Praktika an.
Sniffy ist mittlerweile soweit, dass sie sich aufrichtet,
denn jetzt weiß die Computerratte, dass es dafür
etwas Essbares gibt, das die Schüler per Mausklick
durch eine Klappe in den Käfig fallen lassen. Roland
Fischers Augen leuchten, wenn er sieht, wie die Kleinen
Fortschritte machen. Der Chemieprofessor ist der zweite
Initiator des Schülerlabors. Einen angenehmen
Raum zum Lernen wollte er zusammen mit Onur Güntürkün
schaffen, einen Ort, an dem Wissenschaft und Forschung
Spaß machen. Mit Hilfe der Krupp-Stiftung ist es
ihnen gelungen.
Daten & Fakten: Das Schülerlabor befindet
sich in Gebäude NB, Raum 03/242. Der Grundstein wurde
im August 2002 gelegt, bezugsfertig war es im Oktober
2003, die feierliche Eröffnung fand im Februar 2004
statt. 4.000 bis 5.000 Schüler (Klassen 6 bis 13)
können das Labor pro Jahr nutzen.
Anmeldung zu Projekten: www.rub.de/schuelerlabor;
für Lehrer/Schulklassen unter Projekte,
für Einzelpersonen und Schülergruppen unter
Aktuelles.
Kontakt: Dr. Heike Baron, Dr. Stefan Benk (Koordinatoren),
Tel. -27071, E-Mail: schuelerlabor@rub.de
jw
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