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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Verkehrte Welt
Editorial
Während die zu
Jahresanfang von Politikern angezettelte Diskussion über
"Elite-Universitäten" und "Spitzen-Fakultäten"
anhält, kürzen die Länder fleißig
die Haushalte ihrer Hochschulen. Selbst das reiche
Bayern macht da keine Ausnahme. Und wer sich bislang in
NRW vor weiteren Grausamkeiten gefeit glaubte, weil er
der Regierungserklärung von Ministerpräsident
Steinbrück vertraute ("Der Qualitätspakt
gibt den Hochschulen langfristige Haushalts- und Planungssicherheit
und Spielräume für zukunftsweisende Innovationen"),
der muss sich bald eines besseren belehren lassen. Denn
mit der Einführung des Globalhaushalts ab 2006 will
NRW rund 70 Mio. Euro jährlich in seinen Hochschulen
einsparen. Das geht aus noch inoffiziellen Berechnungen
des NRW-Wissenschaftsministeriums hervor, die in den Personaldezernaten
bekannt geworden sind.
70 Mio. Euro - das sind rund 1.750 Stellen! Oder anders
ausgedrückt etwa die Größe der mittelgroßen
Universität Düsseldorf plus der kleinen FH Bochum.
So soll die Uni Bonn demnach auf jährlich 7,4 Mio.,
Köln auf 6,8 Mio., Dortmund auf 5,6 Mio. Euro verzichten.
Wir müssten aufgrund unserer traditionell guten
Personalausstattung mit 8,1 Mio. Euro weniger auskommen,
also etwa 200 Stellen sofort absetzen, da mit der
Einführung des Globalhaushalts die Mittelschöpfung
der Finanzautonomie und das Stellenprinzip wegfallen.
Die Stellen und Qualitäten werden nicht mehr ausfinanziert
und das Land deckt keine Mehrausgaben, sondern nimmt sogar
im Haushaltsansatz eine "Unterveranschlagung"
vor. Nur, wir setzen ja bereits seit 1999 bis 2009 mit
dem Qualitätspakt rund 200 Stellen ab und weitere
23 in den nächsten vier Jahren aufgrund der Arbeitszeiterhöhung
für die Beamten. Woher nehmen, wenn nicht stehlen
...?
Die RWTH Aachen und die Uni Bielefeld, die als Modellhochschulen
den Globalhaushalt erproben und trotz günstiger Startbedingungen
bereits mit einer Unterdeckung der Personalkosten von
5 Mio. bzw. 3 Mio. auskommen müssen, haben dem Land
mit dem Abbruch des Modellversuchs und weiterer Reformen
gedroht.
Wohlgemerkt, noch ist nichts offiziell - nix genaues weiß
man nicht. Offiziell sollen die Bedingungen für den
Globalhaushalt erst im Jahr 2005 festgezurrt und mitgeteilt
werden, so MWF-Abteilungsleiter Helmut Mattonet in einer
Dienstbesprechung der Wissenschaftsministerin mit den
Rektoren und Kanzlern.
Wir müssen uns also auf noch grausamere Zeiten einstellen.
Solange wir Hochschulen keine echte Lobby haben, wird
man uns bis unter die Grenze der Arbeitsfähigkeit
und noch weiter kürzen und zum Trost mit uns über
"Elite-" bzw. "Spitzenfakultäten"
fröhlich diskutieren. Wenn das keine Verarschung
ist ...
jk
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