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RUBENS 86 30. Januar 2004

Das war spitze!

Was den Angehörigen der RUB zu Eliteuniversitäten einfällt



Pünktlich zum Beginn des Super-Wahljahres 2004 brachten Spitzenpolitiker der SPD das Thema „Spitzenunis“ auf die Tagesordnung, um Kompetenz in Sachen Bildung und Wissenschaft anzudeuten. Konkret möchten die roten Bundespolitiker vorhandene Hochschulen zu Spitzen- bzw. Eliteunis formen: u.a. dadurch, dass sich bestimmte Unis ihre Studierenden selbst aussuchen können und mehr Geld bekommen. In den Ländern ist man parteiübergreifend der Auffassung, dass keine gesamte Hochschule „spitze“ sein kann, sondern nur bestimmte Fachbereiche. Und was denkt man an der RUB? Wir stellten knapp 20 Uniangehörigen die Frage: „Braucht Deutschland Eliteunis?“ Hier einige der Antworten:

„Eliteunis?! Und wo bleiben die gemeinen Studierenden? Die Qualität der Lehre leidet bereits für alle spürbar. Es wird gespart, gespart, gespart. Ab 2005 beispielsweise finanziert das Land NRW das Tutorenprogramm nicht mehr. Tutorien aber sind für Studienanfänger unverzichtbar. Sie erleichtern den Einstieg ins Studium, da in Kleingruppen fachliche Fragen und Unklarheiten bearbeitet werden, sie geben umfassende Orientierungshilfen und fördern das Kennen lernen der Kommilitonen untereinander. Wie sollen Probleme wie die Bildungsmisere in Deutschland gelöst werden, wenn nur noch wenige die Möglichkeit erhalten, optimal betreut zu werden und sich somit entsprechend zu qualifizieren?“ Indre Döpcke, Studentin (Geschichte, Politik, Kunstgeschichte)

„Eine typisch deutsche Frage. Eliten kann man nicht auf dem Erlasswege verordnen oder durch bloße Umleitung von Geldströmen erzeugen. Elitenbildung geschieht ganz demokratisch: durch Fußabstimmung von Studierenden und Lehrenden.“ Prof. Reinhold Glei, (Lateinische Philologie)

„Ich denke, dass wir doch ganz gute Unis haben. Warum müssen wir uns immer mit anderen vergleichen?“ Kristina Jansen, Studentin (Germanistik, Soziologie, Geschichte)

„Im ersten Moment habe ich gedacht: Pfeifen wir jetzt auf Verkürzung der Studienzeiten, Angleichung der Abschlüsse in Europa oder die Forderung, dass 40 Prozent eines Jahrgangs studieren sollen? Dann habe ich mir die Frage gestellt, ob man seinen Fuhrpark tatsächlich dadurch aufwertet, dass man zu den vielen vermeintlichen Rostlauben einen (vermeintlichen?) Ferrari stellt. Ich persönlich setze eher auf eine gesunde Basis. Aber vielleicht ist es genauso müßig darüber nachzudenken, wie über die Entbeamtung der Professorenschaft, oder?“ Carsten Lienenkamp, Verwaltungsangestellter (Arbeits- und Organisationspsychologie)

„Die Einführung von Eliteunis halte ich für eine absolute Schnellschussidee. Wie schlecht die Studienbedingungen an den deutschen Unis sind, erleben wir hier jeden Tag, wenn Hörsäle und Dozentensprechstunden hoffnungslos überfüllt sind, Seminarplätze verlost werden und Bibliotheken schlecht bestückt sind. Reformen müssten das Niveau aller Hochschulen heben, statt einige wenige Unis mit Bundesgeldern zu „Eliteunis“ umzugestalten. Außerdem befürchte ich, dass hohe Studiengebühren den Zugang zu solchen „akademischen Kaderschmieden“ für Kinder aus sozial schwächeren Familien versperren würden.“ Miriam Morek, Studentin (Germanistische Linguistik, Anglistik, Pädagogik)

„Pünktlich zum Auftauchen des Begriffes Eliteuni blieben an der RUB die Uhren (für immer?) stehen, weil 60.000 Euro für die Reparatur nicht vorhanden sind. Ich bitte – ernsthaft – darum, die stehenden Uhren als Ausdruck der prekären finanziellen Situation der deutschen Hochschulen auf 5 nach 12 zu stellen. Das gäbe ein symbolträchtiges Bild, das man dem Ministerpräsidenten und dem Bundeskanzler zukommen lassen könnte.“ Markus Piotrowski, Akademischer Rat (Pflanzenphysiologie)

„38.000 Dollar zahlen Studenten für ein Studienjahr in Harvard. Harvard ist eine Eliteuni. Massenbetrieb und mittelmäßige Forschung gibt es an Eliteunis nicht. Für die Forschung stehen umfangreiche finanzielle Mittel zur Verfügung. Das schafft Effizienz und damit Wettbewerbsvorteile, international. Gut ist das, wenn das Genie vor den Geldbeutel gesetzt wird. Eliteunis müssen begabten Studenten zugänglich sein, unabhängig vom Vermögen ihrer Eltern. Das setzt Stipendien und Subventionen voraus.“ Julia Richter, Studentin (Psychologie)

„Keine Ahnung, ob Deutschland Eliteunis braucht, aber wenn ich mir das Uni-System hier in Frankreich angucke, finde ich das deutsche um Klassen besser. In Frankreich ist alles total verschult, es gibt einen festen Stundenplan, die Studenten werden behandelt wie dumme Schulkinder und sprechen so gut wie nie mit den Professoren. Falls doch, trauen sie sich kaum, sie anzugucken. Alles wird schriftlich erledigt, nix mündlich. Ob solche Unis wirklich besser sind (und die Leute hier mehr lernen), als die in Deutschland, wage ich zu bezweifeln.“ Birte Schmekel, Studentin (Amerikanistik, Germanistik, Geschichte, zurzeit in Lille)

„Eine Elite-Universität zu werden, braucht Zeit und Geld, viel mehr Zeit und viel mehr Geld, als es sich unsere Politiker offenbar vorstellen können. Mit der Umverteilung von 100 Millionen aus im Hochschulbau eingesparten 250 Millionen an zehn Universitäten ist jedenfalls gar nichts zu bewegen, ganz im Gegenteil. Das föderale Hochschulsystem würde weiter demontiert. Vor allem anderen jedoch ist eines vonnöten, um eine Elite-Universität zu werden. Stanford zeigt es uns in seinem Wappen. Da steht – übrigens in Deutsch – der Satz Ulrich von Huttens: „Die Luft der Freiheit weht“. Autonomie, der Abbau der überbordenden Bürokratisierung und Befreiung von politischer Besserwisserei würden weit mehr bewirken als die – wieder einmal zu kurz gedachten – Eintagsfliegen zur Kurierung eines Systems, das Jahrzehnte verfehlter Bildungspolitik beinahe schon ruiniert haben. Immerhin eines hat die Diskussion um die Elite-Universität im positiven Sinne bewirkt. Sie hat der Öffentlichkeit drastisch das ganze Ausmaß der Misere und die Hilflosigkeit der Politik vor Augen geführt.“ Prof. Elmar W. Weiler, Prorektor der RUB für Planung, Struktur und Finanzen






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Letzte Änderung: 30.01.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik