Kürzer und besser
Die Maschinenbauer
der RUB optimieren ihr Studium
Im Maschinenbau führt der Weg zurzeit steil nach
oben. Dabei war die Fakultät im Wintersemester 00/01
auf dem Tiefpunkt angelangt: Nur 112 junge Menschen hatten
sich für den Diplomstudiengang Maschinenbau an der
RUB eingeschrieben. In den Hochzeiten Ende der 80er- und
Anfang der 90er-Jahre waren es zwischen 400 und 500 Erstsemester
gewesen.
Dass es nach 2000/01 nicht weiter bergab ging, hat die
Fakultät nicht nur den geburtenstärkeren Jahrgängen
zu verdanken, die seitdem an die Unis geströmt sind.
Vielmehr haben die Verantwortlichen der Fakultät
ihr eigenes Tun kritisch hinterfragt und nach neuen Wegen
zur Rekrutierung von Studierenden gesucht. Dazu gehörte
zum einen die Etablierung von professioneller Öffentlichkeitsarbeit,
um zielgruppenorientierte PR-Aktionen umzusetzen, z. B.
ein Schülerpraktikum, eine Schülerinnenprojektwoche,
Schul-Konstruktionswettbewerbe sowie Werbung in Kinosälen
und öffentlichen Verkehrsmitteln. Dazu zählen
neue, attraktive Studiengänge (Umwelttechnik und
Ressourcenmanagement, Sales Engineering und Product Management)
und Studienschwerpunkten (Ingenieur-Informatik, Kraftfahrzeug-Antriebstechnik,
Micro-Engineering).
Diese Arbeit hat inzwischen Früchte getragen. So
hat sich die Zahl der Erstsemester im Maschinenbau seit
dem WS 00/01 auf 245 (WS 03/04) verdoppelt; damit besitzt
die RUB nach Aachen aktuell den zweitstärksten Maschinenbau-Studiengang
in NRW. Auch der Studiengang Umwelttechnik und Ressourcenmanagement
erfreut sich mit 205 Erstsemestern (WS 03/04) großer
Beliebtheit. Im brandneuen Studiengang Sales Engineering
und Product Management haben sich auf Anhieb 72
Studierende für den Bachelor eingeschrieben; für
den im Herbst 2004 startenden Masterstudiengang gibt es
bereits zahlreiche Anfragen.
Tiefgründiger Dialog
Doch die Fakultät mag sich auf den ersten Erfolgen
nicht ausruhen. Auf einer Klausurtagung im November
2003 zur Verkürzung der Studienzeiten durch
verbesserte Strukturen haben die Maschinenbau-Professoren
einen Ergebniskatalog erarbeitet: Immerhin bewahrt der
Abschluss innerhalb der Regelstudienzeit die Studierenden
vor Studiengebühren. Unter anderem schlagen die
Professoren eine Modularisierung des Grundstudiums vor,
damit Prüfungen semesterweise stattfinden können.
Außerdem soll es einen Mindestabstand von zehn
Tagen zwischen schweren Klausuren geben. Bei
dennoch hohen Durchfallquoten soll der Dekan
automatisch Gespräche mit den verantwortlichen
Lehrenden führen. Weiterhin sollen die Befragungen
zur Qualität der Lehre auf das Hauptstudium ausgeweitet
werden, verpflichten sich die Professoren, die Lehrinhalte
ihrer Prüfungen zu überprüfen und zu
straffen und sollen potenzielle Studienabbrecher zu
Gesprächen eingeladen werden.
Die Ergebnisse der Klausurtagung wurden per Aushang
und im Internet veröffentlicht, die Studierenden
wurden explizit zur Diskussion per E-Mail aufgerufen,
einschließlich Antwortgarantie des Dekans. Die
Reaktion der Studierenden zeigt, dass sie für einen
tiefgründigen Dialog gerüstet sind. Zum Teil
haben sie andere Schwachstellen im Studium entdeckt
als ihre Professoren. Sie bemängeln beispielsweise
die teilweise fehlende Abstimmung der Lehrenden untereinander.
So werden bestimmte Lehrinhalte der Vorlesung Mathematik
erst im zweiten Semester vermittelt, jedoch in der Vorlesung
Mechanik bereits im ersten Semester benötigt. Darüber
hinaus benutzen offenbar die Lehrenden der Vorlesungen
Maschinenelemente bzw. Mechanik für die gleichen
Sachverhalte unterschiedliche Bezeichnungen. Andererseits
hinterfragen die Studierenden die Ideen der Professoren
sehr engagiert. Die von den Lehrenden vorgeschlagene
Reduzierung des Industriepraktikums wird von einigen
Studierenden strikt abgelehnt, da das Praktikum nicht
nur einen notwendigen Einblick ins spätere Berufsleben
gibt, sondern bei vielen Studierenden offensichtlich
auch einen Motivationsschub fürs weitere Studium
bewirkt.
Am 5. Februar können Studierende und Professoren
des Maschinenbaus bei Bier und Brezeln direkt über
die Vorschläge diskutieren. Ab 17 h lädt die
Fakultät zum Come Together in den Fachschaftsraum
(IAFO 02/330c). Tags drauf fahren die Professoren zur
zweiten Klausurtagung nach Hagen.
Gute Aussichten
Über die Maßnahmen zur Verkürzung der
Studienzeiten sprach Arne Dessaul mit dem Dekan der
Fakultät für Maschinenbau, Prof. Dr.-Ing.
Peter Svejda.
RUBENS: Herr Professor Svejda, die Studierenden
haben prompt und sehr fundiert auf die Vorschläge
der Maschinenbau-Professoren reagiert. Hat Sie das überrascht?
Prof. Svejda: Das hat mich sehr gefreut, aber es hat
mich nicht überrascht. Von meinen regelmäßigen
Treffen als Dekan mit den Studierenden sowie von meinen
Gruppen von Mentees, die ich während der letzten
Jahre betreut habe, weiß ich, dass sich die jungen
Leute ernsthaft Gedanken zur Verbesserung des Studiums
machen und dass sie immer bereit sind, durch meist sehr
fundierte Vorschläge mit uns zusammen an der Verbesserung
von Lehre und Studium mitzuarbeiten. Die Anregung, die
jetzt von Studierenden gekommen ist, die Vorlesungen
im Grundstudium noch besser zu vernetzen, verarbeiten
wir gerade. Die von uns im Flugblatt vorgeschlagene
Möglichkeit, Studienarbeiten und das Industriepraktikum
effektiver zu gestalten, wurde auch bereits in einem
Fall aufgegriffen.
RUBENS: Was erwarten Sie vom Come Together am 5. Februar
und von der direkt anschließenden zweiten Klausurtagung
der Professoren?
Prof. Svejda: Auf dem Come Together wollen wir noch
einmal zusammenfassend unsere Vorschläge zur Verkürzung
des Studiums und zur Reduzierung der Abbrecherzahlen
und die studentischen Antworten darauf diskutieren.
Dabei können und sollen auch Studierende zu Wort
kommen, die sich bisher per E-Mail nicht gemeldet haben.
Dabei ist es mein Ziel durch solch eine Veranstaltung
den Teilnehmern zu zeigen, dass Lehrende und Lernende
bei der Verbesserung der Lehre an einem Strick ziehen
und dass alle Verbesserungsvorschläge, die aus
der studentischen Praxis kommen, geprüft
und gegebenenfalls gleich umgesetzt werden.
Die Klausurtagung der Professoren wird zur Lehre eine
Zusammenfassung besprechen, aber im Wesentlichen über
umfangreiche Forschung und über die zukünftige
Struktur der Fakultät im Hinblick auf weitere Herausforderungen
beraten.
RUBENS: Zuletzt haben sich die Anfängerzahlen im
Diplomstudiengang Maschinenbau innerhalb von drei Jahren
verdoppelt. Was sind Ihre Traumzahlen fürs Wintersemester
2006/07?
Prof. Svejda: Dazu muss man zunächst feststellen,
dass die Fakultät außer dem Diplomstudiengang
Maschinenbau noch den neuen Bachelorstudiengang und
im Wintersemester 2004/05 den Masterstudiengang Sales
Engineering and Product Management sowie den Diplomstudiengang
Umwelttechnik und Ressourcenmanagement (zusammen mit
der Fakultät für Bauingenieurwesen) betreibt.
Auf diese drei Studiengänge verteilen sich auch
die Anfänger. Auf Grund der demographischen Entwicklung,
der bisherigen Nachfrage und des hohen Bedarfs des Arbeitsmarktes
für Ingenieure erwartet die Fakultät nach
einer Hochrechnung schon vor 2006 etwa 220 Anfänger
im Maschinenbau, 190 Anfänger in Sales Engineering
und etwa 90 Anfänger in Umwelttechnik. Mindestens
ebenso wichtig ist aber, dass jährlich etwa diese
Anzahl von Anfängern das Studium bei uns aufnimmt
und dass diese jungen Leute möglichst in der Regestudienzeit
und ohne zu viele Abbrecher bei uns auch das Studium
beenden!
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