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RUBENS 86 30. Januar 2004


Kürzer und besser

Die Maschinenbauer der RUB optimieren ihr Studium



Im Maschinenbau führt der Weg zurzeit steil nach oben. Dabei war die Fakultät im Wintersemester 00/01 auf dem Tiefpunkt angelangt: Nur 112 junge Menschen hatten sich für den Diplomstudiengang Maschinenbau an der RUB eingeschrieben. In den Hochzeiten Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre waren es zwischen 400 und 500 Erstsemester gewesen.

Dass es nach 2000/01 nicht weiter bergab ging, hat die Fakultät nicht nur den geburtenstärkeren Jahrgängen zu verdanken, die seitdem an die Unis geströmt sind. Vielmehr haben die Verantwortlichen der Fakultät ihr eigenes Tun kritisch hinterfragt und nach neuen Wegen zur Rekrutierung von Studierenden gesucht. Dazu gehörte zum einen die Etablierung von professioneller Öffentlichkeitsarbeit, um zielgruppenorientierte PR-Aktionen umzusetzen, z. B. ein Schülerpraktikum, eine Schülerinnenprojektwoche, Schul-Konstruktionswettbewerbe sowie Werbung in Kinosälen und öffentlichen Verkehrsmitteln. Dazu zählen neue, attraktive Studiengänge (Umwelttechnik und Ressourcenmanagement, Sales Engineering und Product Management) und Studienschwerpunkten (Ingenieur-Informatik, Kraftfahrzeug-Antriebstechnik, Micro-Engineering).

Diese Arbeit hat inzwischen Früchte getragen. So hat sich die Zahl der Erstsemester im Maschinenbau seit dem WS 00/01 auf 245 (WS 03/04) verdoppelt; damit besitzt die RUB nach Aachen aktuell den zweitstärksten Maschinenbau-Studiengang in NRW. Auch der Studiengang „Umwelttechnik und Ressourcenmanagement“ erfreut sich mit 205 Erstsemestern (WS 03/04) großer Beliebtheit. Im brandneuen Studiengang „Sales Engineering und Product Management“ haben sich auf Anhieb 72 Studierende für den Bachelor eingeschrieben; für den im Herbst 2004 startenden Masterstudiengang gibt es bereits zahlreiche Anfragen.

Tiefgründiger Dialog

Doch die Fakultät mag sich auf den ersten Erfolgen nicht ausruhen. Auf einer Klausurtagung im November 2003 zur „Verkürzung der Studienzeiten durch verbesserte Strukturen“ haben die Maschinenbau-Professoren einen Ergebniskatalog erarbeitet: Immerhin bewahrt der Abschluss innerhalb der Regelstudienzeit die Studierenden vor Studiengebühren. Unter anderem schlagen die Professoren eine Modularisierung des Grundstudiums vor, damit Prüfungen semesterweise stattfinden können. Außerdem soll es einen Mindestabstand von zehn Tagen zwischen schweren Klausuren geben. Bei – dennoch – hohen Durchfallquoten soll der Dekan automatisch Gespräche mit den verantwortlichen Lehrenden führen. Weiterhin sollen die Befragungen zur Qualität der Lehre auf das Hauptstudium ausgeweitet werden, verpflichten sich die Professoren, die Lehrinhalte ihrer Prüfungen zu überprüfen und zu straffen und sollen potenzielle Studienabbrecher zu Gesprächen eingeladen werden.

Die Ergebnisse der Klausurtagung wurden per Aushang und im Internet veröffentlicht, die Studierenden wurden explizit zur Diskussion per E-Mail aufgerufen, einschließlich Antwortgarantie des Dekans. Die Reaktion der Studierenden zeigt, dass sie für einen tiefgründigen Dialog gerüstet sind. Zum Teil haben sie andere Schwachstellen im Studium entdeckt als ihre Professoren. Sie bemängeln beispielsweise die teilweise fehlende Abstimmung der Lehrenden untereinander. So werden bestimmte Lehrinhalte der Vorlesung Mathematik erst im zweiten Semester vermittelt, jedoch in der Vorlesung Mechanik bereits im ersten Semester benötigt. Darüber hinaus benutzen offenbar die Lehrenden der Vorlesungen Maschinenelemente bzw. Mechanik für die gleichen Sachverhalte unterschiedliche Bezeichnungen. Andererseits hinterfragen die Studierenden die Ideen der Professoren sehr engagiert. Die von den Lehrenden vorgeschlagene Reduzierung des Industriepraktikums wird von einigen Studierenden strikt abgelehnt, da das Praktikum nicht nur einen notwendigen Einblick ins spätere Berufsleben gibt, sondern bei vielen Studierenden offensichtlich auch einen Motivationsschub fürs weitere Studium bewirkt.

Am 5. Februar können Studierende und Professoren des Maschinenbaus bei Bier und Brezeln direkt über die Vorschläge diskutieren. Ab 17 h lädt die Fakultät zum „Come Together“ in den Fachschaftsraum (IAFO 02/330c). Tags drauf fahren die Professoren zur zweiten Klausurtagung nach Hagen.


Gute Aussichten

Über die Maßnahmen zur Verkürzung der Studienzeiten sprach Arne Dessaul mit dem Dekan der Fakultät für Maschinenbau, Prof. Dr.-Ing. Peter Svejda.

RUBENS: Herr Professor Svejda, die Studierenden haben prompt und sehr fundiert auf die Vorschläge der Maschinenbau-Professoren reagiert. Hat Sie das überrascht?
Prof. Svejda: Das hat mich sehr gefreut, aber es hat mich nicht überrascht. Von meinen regelmäßigen Treffen als Dekan mit den Studierenden sowie von meinen Gruppen von Mentees, die ich während der letzten Jahre betreut habe, weiß ich, dass sich die jungen Leute ernsthaft Gedanken zur Verbesserung des Studiums machen und dass sie immer bereit sind, durch meist sehr fundierte Vorschläge mit uns zusammen an der Verbesserung von Lehre und Studium mitzuarbeiten. Die Anregung, die jetzt von Studierenden gekommen ist, die Vorlesungen im Grundstudium noch besser zu vernetzen, verarbeiten wir gerade. Die von uns im Flugblatt vorgeschlagene Möglichkeit, Studienarbeiten und das Industriepraktikum effektiver zu gestalten, wurde auch bereits in einem Fall aufgegriffen.

RUBENS: Was erwarten Sie vom Come Together am 5. Februar und von der direkt anschließenden zweiten Klausurtagung der Professoren?

Prof. Svejda: Auf dem Come Together wollen wir noch einmal zusammenfassend unsere Vorschläge zur Verkürzung des Studiums und zur Reduzierung der Abbrecherzahlen und die studentischen Antworten darauf diskutieren. Dabei können und sollen auch Studierende zu Wort kommen, die sich bisher per E-Mail nicht gemeldet haben. Dabei ist es mein Ziel durch solch eine Veranstaltung den Teilnehmern zu zeigen, dass Lehrende und Lernende bei der Verbesserung der Lehre an einem Strick ziehen und dass alle Verbesserungsvorschläge, die aus der „studentischen Praxis“ kommen, geprüft und gegebenenfalls gleich umgesetzt werden.
Die Klausurtagung der Professoren wird zur Lehre eine Zusammenfassung besprechen, aber im Wesentlichen über umfangreiche Forschung und über die zukünftige Struktur der Fakultät im Hinblick auf weitere Herausforderungen beraten.

RUBENS: Zuletzt haben sich die Anfängerzahlen im Diplomstudiengang Maschinenbau innerhalb von drei Jahren verdoppelt. Was sind Ihre Traumzahlen fürs Wintersemester 2006/07?

Prof. Svejda: Dazu muss man zunächst feststellen, dass die Fakultät außer dem Diplomstudiengang Maschinenbau noch den neuen Bachelorstudiengang und im Wintersemester 2004/05 den Masterstudiengang Sales Engineering and Product Management sowie den Diplomstudiengang Umwelttechnik und Ressourcenmanagement (zusammen mit der Fakultät für Bauingenieurwesen) betreibt. Auf diese drei Studiengänge verteilen sich auch die Anfänger. Auf Grund der demographischen Entwicklung, der bisherigen Nachfrage und des hohen Bedarfs des Arbeitsmarktes für Ingenieure erwartet die Fakultät nach einer Hochrechnung schon vor 2006 etwa 220 Anfänger im Maschinenbau, 190 Anfänger in Sales Engineering und etwa 90 Anfänger in Umwelttechnik. Mindestens ebenso wichtig ist aber, dass jährlich etwa diese Anzahl von Anfängern das Studium bei uns aufnimmt und dass diese jungen Leute möglichst in der Regestudienzeit und ohne zu viele Abbrecher bei uns auch das Studium beenden!





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Letzte Änderung: 30.01.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik