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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Fenster zur
Stadt
Gebäudeserie:
HGR
Das Haus der Geschichte des Ruhrgebiets (HGR) ist zwar
eine der jüngsten Einrichtungen der Ruhr-Uni, sein
Domizil in der Clemensstraße 17-19 kann aber auf
eine traditionsreiche Geschichte zurückschauen. Dort,
wo heute Studierende der Geschichts- und Sozialwissenschaften
Literatur für wissenschaftliche Arbeiten recherchieren,
im Lesesaal des HGR, lärmte mehr als 45 Jahre lang
eine Rotationsmaschine. Mit ihr wurden Zeitschriften
und Bücher des Berg-Verlags, einer Tochter der IG
Bergbau, gedruckt.
Vor 50 Jahren, im November 1953, wurde das Haus auf einem
brachliegenden Trümmergrundstück als Sitz der
Druckerei und des Verlags der IG Bergbau errichtet. Ziel
der Gewerkschaft war es, den Interessen der Arbeiter im
Steinkohlebergbau durch verstärkte Publikationsaktivitäten
eine Stimme zu geben. So kam neben dem Berg-Verlag auch
die Redaktion der mittlerweile eingestellten Gewerkschaftsschrift
Einheit in die Clemensstraße. Neben
der gewerkschaftlichen Arbeit gelang es dem Berg-Verlag
auch, sich durch aufwändige Buchproduktionen - etwa
für die Büchergilde Gutenberg - einen Namen
zu machen. Zu Spitzenzeiten in den 1960er Jahren arbeiteten
bis zu 120 Mitarbeiter in der Clemensstraße, die
von der Erstellung der Texte über den Satz bis hin
zur Auslieferung den gesamten Produktionsprozess der Druckerzeugnisse
begleiteten.
Mit den Schrumpfungsprozessen im Bergbau und dem Strukturwandel
im Ruhrgebiet nahm das Auftragsvolumen des Berg-Verlags
ab. Deshalb wurde bei der Fusion der IG Bergbau und Energie
mit der IG Chemie entschieden, das Gebäude für
eine andere Nutzung zur Verfügung zu stellen. Auf
Initiative von Prof. Klaus Tenfelde (Geschäftsführender
Leiter des Instituts für soziale Bewegungen der RUB)
wurde ein Haus für die Geschichte des Ruhrgebiets
geplant. Es sollte als neue Heimat für das Institut
und die Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets
dienen.
Die Stiftung wurde nach mehr als zweijähriger Vorbereitung
- im Rahmen einer private-public partnership mit der RUB
und der Stadt Bochum - im Juni 1998 gegründet. Die
Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets ist dem
Erhalt des kulturellen Erbes des Ruhrgebiets verpflichtet
und vereint hierzu drei Spezialbibliotheken zur sozialen,
wirtschaftlichen und technischen Geschichte des Bergbaus,
des Ruhrgebiets und der sozialen Bewegungen. Eingang in
das 1999 bezogene HGR fanden die Bergbau-Bücherei
Essen, die Bibliothek des Instituts für soziale Bewegungen
der RUB sowie die Bibliothek der IG Bergbau und Energie.
Als eigenständige Abteilung der Stiftung wurde daneben
das Archiv für soziale Bewegungen eingerichtet. Zudem
ist das Zentrum für interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung
(ZEFIR) mit angeschlossenem Graduiertenkolleg im Hause
untergebracht.
Mit diesen Einrichtungen und den zusammen ca. 450 000
Medieneinheiten (Bücher etc.) bietet das HGR nicht
nur das Dach für ein Forschungszentrum zum Ruhrgebiet
und zur Geschichte der Arbeiterbewegungen im engeren Sinn
bzw. zur Geschichte sozialer Bewegungen im weiteren Sinn,
sondern auch für eine der bedeutendsten, öffentlich
zugänglichen wissenschaftlichen Spezialbibliotheken
Deutschlands. Mit dem Standort des Hauses in der Innenstadt,
vis-à-vis dem Schauspielhaus, ist die Uni vom Campus
mitten in die Stadt gerückt. Als Fenster der
Uni zur Stadt finden hier zahlreiche Workshops und
Konferenzen statt. Den Studierenden bietet das Haus
daneben eine modern ausgestattete Bibliothek und ein Archiv
mit zahlreichen Dienstleistungen.
Dr.
Jürgen Mittag
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