Fliegende Händler
Die Zeit
nach dem Mensafoyer
Es war einmal ein Mensafoyer, da konnte man nach dem
Mittagessen einen Milchkaffee trinken, eine Second-Hand-CD
oder ein Vinylschätzchen erstehen, ein Buch bestellen
oder ein Taschenbuch fast geschenkt bekommen, sich bei
Erikas Bude mit Nervennahrung für die Vorlesung
eindecken und überhaupt alle Einkäufe erledigen,
die im Uni-Alltag so anfallen. Dann kündigte sich
die Sanierung an, und es war aus mit dem Mensafoyer.
Was aus den Händlern werden würde, wusste
so recht erst mal keiner, aber eins war klar: Sie würden
das Feld nicht kampflos räumen. Und sie hatten
Unterstützung: Über 600 Unterschriften hatten
allein Tina Czerwinski und Suzan Gökduman vom Café
Seeblick für ihr Überleben gesammelt.
Während die noch nicht verkauften Waren nach der
Mensaschließung übergangsweise in den Zugängen
zwischen Audimax und Mensagebäude zwischengelagert
wurden, rauchten also die Köpfe bei Händlern,
Kanzler und Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB).
Und siehe da, nach ein paar tristen Wochen zeigte sich
ein erstes hoffnungsvolles Zeichen auf dem Campus: Eine
Holzbude vor dem Studierendenhaus am Nordforum, drinnen
Tina und Suzan, eifrig Waren auspackend, Punsch und
Kaffee kochend. Die Miete für die Hütte
und den Standplatz und die Versicherung sind zwar ganz
schön teuer, aber der Stand ist besser als nichts,
erklärt Tina mit unerschütterlich guter Laune.
Er ist ja auch nur eine Übergangslösung. Im
Januar zieht das Café Seeblick wieder um: ins
Studierendensekretariat im Verwaltungsgebäude.
Gleich hinter der Drehtür ist noch ein bisschen
Platz. Magnettafeln, Haarspangen, Kerzen und Schmuck
werden die zwei dort allerdings nicht mehr verkaufen,
nur noch ausschenken und losen Tee mit Zubehör
anbieten. Mehr Platz ist einfach nicht,
so Suzan, wir sind trotzdem froh, dass das klappt,
auch wenn es bestimmt nicht mehr so sein wird wie in
der Mensa! Im UV-Gebäude sind die beiden
in guter Gesellschaft: Auch der Career
Point von Kobra ist jetzt dort zu finden.
Nachdem die erste Hütte auf dem Campus stand, gesellte
sich auch gleich eine weitere dazu: Die Buchhändler
aus dem Mensafoyer waren wieder da, sogar im altbekannten
Holzverschlag. Aber auch das ist keine Dauerlösung,
so Peter Stobbe: Der Laden hier ist aus der Not
geboren, wir wollen einfach nicht vergessen werden und
den Kontakt nicht verlieren. Zurzeit versieht
er seinen Versandhandel vom heimischen Schreibtisch
aus, friert tagsüber auf dem Forum und schmiedet
Pläne für die Zukunft. Die ist jetzt wenigstens
halbwegs in trockenen Tüchern, allerdings nach
monatelangem Hin und Her: Zuerst hieß es,
es würde eine Übergangslösung auf dem
Forum geben, u. a. war eine Zeltkonstruktion geplant.
Irgendwann informierte uns aber der BLB, dass eine Dehnungsfuge
mitten über den Platz verläuft, die man besser
nicht überbaut.
Andere Pläne wurden gemacht, ein Gebäude weiter
seitlich Richtung HZO angedacht. Dann aber kam vom BLB
die Information, dass innerhalb der nächsten Jahre
die gesamte Mittelachse der RUB renoviert werden soll,
also auch das Forum. Ein Bauhindernis hinstellen wollte
natürlich auch keiner.
Letztendlich haben Stobbe und einige andere Händler
aus dem Foyer einen Pachtvertrag mit der Uni für
ein Grundstück gegenüber von GA abgeschlossen.
Dort wollen sie eine Halle von 500 bis 600 Quadratmetern
bauen, in die Ende Januar acht bis zehn Geschäfte
einziehen sollen. Die Ladeneinrichtungen und die Beleuchtung
aus der Mensa kommen mit.
Neben dem Buchhandel und Medizin Sefzik werden dort
auch der Plattenhandel, der Schreibwarenladen und Erikas
Bude wieder zu finden sein. Für diesen neuen
Standort müssen wir uns ein gutes Werbekonzept
überlegen. Außerdem kommt es für den
Erfolg auf einen gesunden Branchenmix an, plant
Peter Stobbe. Interessenten gebe es genug. Vier Jahre
läuft der Pachtvertrag vorerst. Was danach kommt,
ist noch Zukunftsmusik. Vielleicht entsteht ja bei der
Renovierung des Forums wieder ein Platz für ein
Foyer, in dem man nach dem Mittagessen einen Milchkaffee
trinken, eine Second-Hand-CD oder ein Vinylschätzchen
erstehen, ein Buch bestellen oder ...
md
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