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RUBENS 85 5. Januar 2004

Riesenerfolg

BioMedTec Ruhr auf der Medica 2003


"Spitzenmedizin im Ruhrgebiet" hieß das Motto des ersten exklusiven Ruhrgebietsstandes auf der Medica. Die Medica ist die größte Medizintechnikmesse der Welt und verzeichnete in diesem Jahr mit 134.700 Besuchern wieder einen neuen Besucherrekord. Vom 19.11.03 bis zum 22.11.03 präsentierte sich in Düsseldorf alles was in dem Bereich Medizintechnik auf der Welt Rang und Namen hat. Entsprechend hoch war auch die Besucherzahl auf dem Stand, den das Konsortium aus der Wirtschaftsförderung Bochum, der Initiative "Essen forscht und heilt", der Initiative "Gesundheitswirtschaft Märkische Region", dem Initiativkreis Ruhrgebiet und dem BioMedTec Ruhr e. V. organisiert hatte.

Es ist auf unserem Stand gelungen, 16 hoch innovative Ruhrgebietsunternehmen aus der Medizintechnikbranche einer internationalen Besucherschaft zu präsentieren. Mit großem Interesse nahmen auch Staatssekretär Dr. Josef Fischer vom Ministerium für Wirtschaft und Arbeit und Staatssekretärin Frau Cornelia Prüfer-Storcks als Vertreterin des Ministeriums für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie den Stand in Augenschein und waren begeistert von der exzellenten Qualität des Standes und der ausstellenden Firmen.

Direkt im Zentrum von Halle 3 der Düsseldorfer Messe - als ein Teil des Messeauftritts des Landes NRW - war der mehr als 130 m2 große Ruhrgebietsstand eines der Highlights der diesjährigen Medica. Hier konnte das Ruhrgebiet zeigen, was es auf dem Wachstumsmarkt Medizintechnik zu bieten hat und es wurde überdeutlich, dass die Region den Vergleich mit der Konkurrenz aus aller Welt nicht zu scheuen braucht.

Alle Facetten der Branche vom Mikroimplantat über Hochdurchsatzmikroskopie bis hin zur digitalen Spracherkennung waren hier einhellig unter einem Dach vereint und versetzten so manchen Besucher in Erstaunen wie gut das Ruhrgebiet den Strukturwandel von Kohle und Stahl zu der hoch innovativen Medizintechnik bereits vollzogen hat. Gerade in dem Bereich der Feinmechanik aber auch bei der Wiederaufbereitung von Einmalartikeln konnten die Bochumer Gewächse, größtenteils auf dem Campus der Ruhr Universität angesiedelt, ihre Trümpfe ausspielen.

Die Firma Dendron z. B. präsentierte Ihre Mikroimplantate (sog. Coils) zur Behandlung lebensgefährlicher Aussackungen großer Blutgefäße, sog. Aneurysmen. Diese Coils werden in einer minimalinvasiv durchgeführten Operation in das Aneurysma eingebracht und entschärfen damit diese tickende Zeitbombe, die sich häufig an Stellen im Körper befindet, die für den Operateur mit herkömmlichen Operationsverfahren schwer oder gar nicht zu erreichenden sind.

Auch das Entwicklungs- und Forschungszentrum für Mikrotherapie (EFMT) entwickelt und produziert auf dem Universitätsgelände im Technologiezentrum Ruhr (TZR). Das EFMT ist hauptsächlich spezialisiert auf die Entwicklung von Instrumenten für den Einsatz in der Mikrotherapie wie z. B. von Teilen für Endoskope, und die endovaskuläre Therapie innerhalb der Neuroradiologie, Radiologie und Kardiologie. Nach der Devise "geht nicht, gibt es nicht" werden hier auch die ungewöhnlichsten Ideen in die Tat umgesetzt und mit allen notwendigen Zertifikaten versehen in "high-end"- Qualität an den Auftraggeber geliefert.

Die Firma Radimed aus Bochum hat sich die Schmerz- und die Tumortherapie rund um die Wirbelsäule als ihr Haupteinsatzgebiet auf die Fahne geschrieben. Dazu produziert Radimed z. B. Laserfasern, Mikroendoskope oder auch spezielle extrem feine Nadeln zur Entnahme von Knochenbiopsien oder zur Einbringung von Knochenzement zur Stabilisierung zusammengebrochener Wirbelkörper. Von der Firma MedXP aus Gelsenkirchen kam eine der Hauptattraktionen des Ruhrgebietsstandes, eine Entwicklung, die in Kooperation mit der Universität Münster entstanden ist und die Mikroskopie besonders in der Routine revolutionieren könnte. Eine hoch innovative Software steuert ein digitales Mikroskop und ermöglicht sowohl die Bildgebung als auch die automatische Analyse der untersuchten Objekte im Hochdurchsatz und erleichtert dadurch das Auffinden auch sehr seltener Ereignisse, wie z. B. das Auftreten entarteter Zellen in Blutausstrichen bei bestimmten Formen der Leukämie. Ein ausgeklügeltes Positionierungsverfahren ermöglicht zudem das zielsichere Wiederauffinden zuvor markierter Bereiche sowie die Rekonstruktion eines kompletten Präparats aus einzeln aufgenommenen Teilabschnitten.

Ein weiteres innovatives Unternehmen mit steil ansteigender Erfolgskurve ist die Firma Redis. Remedisation - also Wiederaufbereitung von Einmalartikeln in der Medizin - heißt das Zauberwort, das den Erfolg dieser Firma begründet. Ebenfalls im TZR zu finden, führt Redis hier benutzte Einmalartikel unter strengen Sicherheits- und Qualitätssicherungsmaßnahmen einer erneuten Verwendung zu. Dadurch wird zum einen die Umwelt entlastet und zum anderen der Geldbeutel der Kunden geschont - gerade mit Blick auf die anstehende Einführung der Fallpauschalen in der Medizin eine willkommene Entlastung der Krankenversorger.

Neben den Produkten zum Anfassen wurden aber auch reine Softwarelösungen, die im Bereich der Krankenversorgung immer mehr an Bedeutung gewinnen, vorgestellt. Die Firma Teltra, ein Spin Off der Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannsheil und damit auch ein Bestandteil der Ruhr Universität, stellte z. B. eine neuartige Sehterapie vor und von Dorr und Jagals aus Menden wurde eine auf den Wortschatz der Mediziner getrimmte Spracherkennungssoftware vorgestellt.

Weitere Glanzpunkte des Messeauftritts waren die Vortragsveranstaltungen, die namhaften Vertretern der Medizin aus der Region ein Forum zur Präsentation ihrer Spitzenleistungen gaben. Neue Formen der Tumortherapie, Minimalinvasive Operationstechniken, Konzepte zur ergonomischen Gestaltung des Operationssaals sowie der verwendeten "Werkzeuge", Robotik in der Kieferchirurgie, Kardiologie etc. wurden hier aus erster Hand dem interessierten Fachpublikum wie auch den staunenden Laien auf eindrucksvolle Weise präsentiert. Hier wurde erneut deutlich, welche Spitzenposition das Ruhrgebiet in den Bereichen Entwicklung und Versorgung in der Medizin einnimmt. So konnten namhafte Vertreter der Medizinischen Fakultät der Ruhr Universität, darunter der Dekan der Medizinischen Fakultät in Bochum Prof. Dr. Gert Muhr, der Gewinner des "World-Award" Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer sowie Prof. Dr. Hans-Ulrich Steinau, der wegen hervorragender Leistungen bei der Bekämpfung von Weichteiltumoren als erster Deutscher eine George H. Monks Gastprofessur an der Universität in Harvard erhalten hat, als Referenten gewonnen werden. Der Juniorprofessor Dr. med. Stefan Alexander Esenwein vom Bergmannsheil referierte über die Vorteiler bioverträglicher bzw. bioresorbierbarer Knochenersatzmaterialien und die Stimulation der Knochenbildung- einem ersten Schritt in die Richtung der "Regenerativen Medizin", die in Zukunft den Organersatz ohne den Einsatz embryonaler Stammzellen ermöglichen soll.

Der Erfolg des Ruhrgebiets auf dem Gesundheitsmarkt hat viele Väter, denn nur im Teamwork kann es gelingen sich in einem so hart umkämpften Markt eine Führungsrolle zu erarbeiten. Einen nicht unerheblichen Anteil an der Erfolgsgeschichte haben die Wirtschaftsförderungen der einzelnen Ruhrgebietsstädte sowie der Verein BioMedTec Ruhr. Hier werden im Bereich der Wirtschaftsförderung Kirchtürme immer weiter abgebaut und das Ruhrgebiet zu einem international bedeutsamen Gesundheits- und Medizintechnikdienstleister entwickelt. BioMedTec Ruhr selber ist auch bereits das Resultat des Zusammenwachsens der Städte.

Als Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Duisburg-Essen, Bochum und Witten/Herdecke nimmt BioMedTec Ruhr all die Aufgaben wahr, die dazu dienen die in der Region vorhandenen medizintechnischen Innovationen in wirtschaftliche Erfolge umzusetzen. Ein Expertenteam mit fundiertem Know-how in allen relevanten Bereichen betreut sowohl gründungswillige Wissenschaftler und Entwickler wie auch bereits bestehende Firmen in wichtigen Bereichen wie Fördermittelbeschaffung, Fremdkapital, Ansiedlung, Kooperationen oder auch Patentfragen und Unternehmensführung. Gemeinsam mit der Schwesterinitiative BioIndustry, die schwerpunktmäßig biotechnologisch ausgerichtet ist, wird BioMedTec Ruhr im nächsten Jahr unter dem Namen Life Technologies Ruhr gestärkt mit noch größerer Schlagkraft an dem Ausbau der Spitzenmedizin im Ruhrgebiet arbeiten.

Von großer Bedeutung für die Region sind dabei Leuchtturmprojekte wie z. B. das "ISS-Labor Ruhr". Wissenschaftler aus der Region bilden hier die virtuelle Basisstation für zukünftig groß angelegte Forschungsprojekte auf der Internationalen Raumstation (ISS). Dabei sollen unter Einsatz des an der Ruhr Universität entwickelten C.E.B.A.S-Moduls Themen wie die Biomineralisation und Osteoporose unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit untersucht werden. Ebenfalls auf dem Programm steht die Entwicklung neuartiger Diagnosegeräte auf Basis der "Lab-on-a-chip"- Technologie, die eine gesundheitliche Überwachung der Astronauten auf der ISS unter Minimierung des Arbeitsaufwands und des Eingriffs in den Menschen (z. B. durch Blutabnahme) ermöglichen soll.


Dr. Hartmut Weigelt & Dr. Oliver Lehmkühler
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Letzte Änderung: 05.01.2004| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik