Riesenerfolg
BioMedTec
Ruhr auf der Medica 2003
"Spitzenmedizin im Ruhrgebiet" hieß
das Motto des ersten exklusiven Ruhrgebietsstandes auf
der Medica. Die Medica ist die größte Medizintechnikmesse
der Welt und verzeichnete in diesem Jahr mit 134.700
Besuchern wieder einen neuen Besucherrekord. Vom 19.11.03
bis zum 22.11.03 präsentierte sich in Düsseldorf
alles was in dem Bereich Medizintechnik auf der Welt
Rang und Namen hat. Entsprechend hoch war auch die Besucherzahl
auf dem Stand, den das Konsortium aus der Wirtschaftsförderung
Bochum, der Initiative "Essen forscht und heilt",
der Initiative "Gesundheitswirtschaft Märkische
Region", dem Initiativkreis Ruhrgebiet und dem
BioMedTec Ruhr e. V. organisiert hatte.
Es ist auf unserem Stand gelungen, 16 hoch innovative
Ruhrgebietsunternehmen aus der Medizintechnikbranche
einer internationalen Besucherschaft zu präsentieren.
Mit großem Interesse nahmen auch Staatssekretär
Dr. Josef Fischer vom Ministerium für Wirtschaft
und Arbeit und Staatssekretärin Frau Cornelia Prüfer-Storcks
als Vertreterin des Ministeriums für Gesundheit,
Soziales, Frauen und Familie den Stand in Augenschein
und waren begeistert von der exzellenten Qualität
des Standes und der ausstellenden Firmen.
Direkt im Zentrum von Halle 3 der Düsseldorfer
Messe - als ein Teil des Messeauftritts des Landes NRW
- war der mehr als 130 m2 große Ruhrgebietsstand
eines der Highlights der diesjährigen Medica.
Hier konnte das Ruhrgebiet zeigen, was es auf dem Wachstumsmarkt
Medizintechnik zu bieten hat und es wurde überdeutlich,
dass die Region den Vergleich mit der Konkurrenz aus
aller Welt nicht zu scheuen braucht.
Alle Facetten der Branche vom Mikroimplantat über
Hochdurchsatzmikroskopie bis hin zur digitalen Spracherkennung
waren hier einhellig unter einem Dach vereint und versetzten
so manchen Besucher in Erstaunen wie gut das Ruhrgebiet
den Strukturwandel von Kohle und Stahl zu der hoch innovativen
Medizintechnik bereits vollzogen hat. Gerade in dem
Bereich der Feinmechanik aber auch bei der Wiederaufbereitung
von Einmalartikeln konnten die Bochumer Gewächse,
größtenteils auf dem Campus der Ruhr Universität
angesiedelt, ihre Trümpfe ausspielen.
Die Firma Dendron z. B. präsentierte Ihre
Mikroimplantate (sog. Coils) zur Behandlung lebensgefährlicher
Aussackungen großer Blutgefäße, sog.
Aneurysmen. Diese Coils werden in einer minimalinvasiv
durchgeführten Operation in das Aneurysma eingebracht
und entschärfen damit diese tickende Zeitbombe,
die sich häufig an Stellen im Körper befindet,
die für den Operateur mit herkömmlichen Operationsverfahren
schwer oder gar nicht zu erreichenden sind.
Auch das Entwicklungs- und Forschungszentrum für
Mikrotherapie (EFMT) entwickelt und produziert auf
dem Universitätsgelände im Technologiezentrum
Ruhr (TZR). Das EFMT ist hauptsächlich spezialisiert
auf die Entwicklung von Instrumenten für den Einsatz
in der Mikrotherapie wie z. B. von Teilen für Endoskope,
und die endovaskuläre Therapie innerhalb der Neuroradiologie,
Radiologie und Kardiologie. Nach der Devise "geht
nicht, gibt es nicht" werden hier auch die ungewöhnlichsten
Ideen in die Tat umgesetzt und mit allen notwendigen
Zertifikaten versehen in "high-end"- Qualität
an den Auftraggeber geliefert.
Die Firma Radimed aus Bochum hat sich die Schmerz-
und die Tumortherapie rund um die Wirbelsäule als
ihr Haupteinsatzgebiet auf die Fahne geschrieben. Dazu
produziert Radimed z. B. Laserfasern, Mikroendoskope
oder auch spezielle extrem feine Nadeln zur Entnahme
von Knochenbiopsien oder zur Einbringung von Knochenzement
zur Stabilisierung zusammengebrochener Wirbelkörper.
Von der Firma MedXP aus Gelsenkirchen kam eine der Hauptattraktionen
des Ruhrgebietsstandes, eine Entwicklung, die in Kooperation
mit der Universität Münster entstanden ist
und die Mikroskopie besonders in der Routine revolutionieren
könnte. Eine hoch innovative Software steuert ein
digitales Mikroskop und ermöglicht sowohl die Bildgebung
als auch die automatische Analyse der untersuchten Objekte
im Hochdurchsatz und erleichtert dadurch das Auffinden
auch sehr seltener Ereignisse, wie z. B. das Auftreten
entarteter Zellen in Blutausstrichen bei bestimmten
Formen der Leukämie. Ein ausgeklügeltes Positionierungsverfahren
ermöglicht zudem das zielsichere Wiederauffinden
zuvor markierter Bereiche sowie die Rekonstruktion eines
kompletten Präparats aus einzeln aufgenommenen
Teilabschnitten.
Ein weiteres innovatives Unternehmen mit steil ansteigender
Erfolgskurve ist die Firma Redis. Remedisation
- also Wiederaufbereitung von Einmalartikeln in der
Medizin - heißt das Zauberwort, das den Erfolg
dieser Firma begründet. Ebenfalls im TZR zu finden,
führt Redis hier benutzte Einmalartikel unter strengen
Sicherheits- und Qualitätssicherungsmaßnahmen
einer erneuten Verwendung zu. Dadurch wird zum einen
die Umwelt entlastet und zum anderen der Geldbeutel
der Kunden geschont - gerade mit Blick auf die anstehende
Einführung der Fallpauschalen in der Medizin eine
willkommene Entlastung der Krankenversorger.
Neben den Produkten zum Anfassen wurden aber auch reine
Softwarelösungen, die im Bereich der Krankenversorgung
immer mehr an Bedeutung gewinnen, vorgestellt. Die Firma
Teltra, ein Spin Off der Berufsgenossenschaftlichen
Kliniken Bergmannsheil und damit auch ein Bestandteil
der Ruhr Universität, stellte z. B. eine neuartige
Sehterapie vor und von Dorr und Jagals aus Menden wurde
eine auf den Wortschatz der Mediziner getrimmte Spracherkennungssoftware
vorgestellt.
Weitere Glanzpunkte des Messeauftritts waren die Vortragsveranstaltungen,
die namhaften Vertretern der Medizin aus der Region
ein Forum zur Präsentation ihrer Spitzenleistungen
gaben. Neue Formen der Tumortherapie, Minimalinvasive
Operationstechniken, Konzepte zur ergonomischen Gestaltung
des Operationssaals sowie der verwendeten "Werkzeuge",
Robotik in der Kieferchirurgie, Kardiologie etc. wurden
hier aus erster Hand dem interessierten Fachpublikum
wie auch den staunenden Laien auf eindrucksvolle Weise
präsentiert. Hier wurde erneut deutlich, welche
Spitzenposition das Ruhrgebiet in den Bereichen Entwicklung
und Versorgung in der Medizin einnimmt. So konnten namhafte
Vertreter der Medizinischen Fakultät der Ruhr Universität,
darunter der Dekan der Medizinischen Fakultät in
Bochum Prof. Dr. Gert Muhr, der Gewinner des "World-Award"
Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer sowie Prof. Dr. Hans-Ulrich
Steinau, der wegen hervorragender Leistungen bei der
Bekämpfung von Weichteiltumoren als erster Deutscher
eine George H. Monks Gastprofessur an der Universität
in Harvard erhalten hat, als Referenten gewonnen werden.
Der Juniorprofessor Dr. med. Stefan Alexander Esenwein
vom Bergmannsheil referierte über die Vorteiler
bioverträglicher bzw. bioresorbierbarer Knochenersatzmaterialien
und die Stimulation der Knochenbildung- einem ersten
Schritt in die Richtung der "Regenerativen Medizin",
die in Zukunft den Organersatz ohne den Einsatz embryonaler
Stammzellen ermöglichen soll.
Der Erfolg des Ruhrgebiets auf dem Gesundheitsmarkt
hat viele Väter, denn nur im Teamwork kann
es gelingen sich in einem so hart umkämpften Markt
eine Führungsrolle zu erarbeiten. Einen nicht unerheblichen
Anteil an der Erfolgsgeschichte haben die Wirtschaftsförderungen
der einzelnen Ruhrgebietsstädte sowie der Verein
BioMedTec Ruhr. Hier werden im Bereich der Wirtschaftsförderung
Kirchtürme immer weiter abgebaut und das Ruhrgebiet
zu einem international bedeutsamen Gesundheits- und
Medizintechnikdienstleister entwickelt. BioMedTec Ruhr
selber ist auch bereits das Resultat des Zusammenwachsens
der Städte.
Als Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Duisburg-Essen,
Bochum und Witten/Herdecke nimmt BioMedTec Ruhr all
die Aufgaben wahr, die dazu dienen die in der Region
vorhandenen medizintechnischen Innovationen in wirtschaftliche
Erfolge umzusetzen. Ein Expertenteam mit fundiertem
Know-how in allen relevanten Bereichen betreut sowohl
gründungswillige Wissenschaftler und Entwickler
wie auch bereits bestehende Firmen in wichtigen Bereichen
wie Fördermittelbeschaffung, Fremdkapital, Ansiedlung,
Kooperationen oder auch Patentfragen und Unternehmensführung.
Gemeinsam mit der Schwesterinitiative BioIndustry, die
schwerpunktmäßig biotechnologisch ausgerichtet
ist, wird BioMedTec Ruhr im nächsten Jahr unter
dem Namen Life Technologies Ruhr gestärkt mit noch
größerer Schlagkraft an dem Ausbau der Spitzenmedizin
im Ruhrgebiet arbeiten.
Von großer Bedeutung für die Region sind
dabei Leuchtturmprojekte wie z. B. das "ISS-Labor
Ruhr". Wissenschaftler aus der Region bilden
hier die virtuelle Basisstation für zukünftig
groß angelegte Forschungsprojekte auf der Internationalen
Raumstation (ISS). Dabei sollen unter Einsatz des an
der Ruhr Universität entwickelten C.E.B.A.S-Moduls
Themen wie die Biomineralisation und Osteoporose unter
den Bedingungen der Schwerelosigkeit untersucht werden.
Ebenfalls auf dem Programm steht die Entwicklung neuartiger
Diagnosegeräte auf Basis der "Lab-on-a-chip"-
Technologie, die eine gesundheitliche Überwachung
der Astronauten auf der ISS unter Minimierung des Arbeitsaufwands
und des Eingriffs in den Menschen (z. B. durch Blutabnahme)
ermöglichen soll.
Dr.
Hartmut Weigelt & Dr. Oliver Lehmkühler
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