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RUBENS 84 1. Dezember 2003


Nicht hat sich entscheidend verändert

Europäisches Jahr für Menschen mit Behinderungen


Wenn am 31.12. überall Sektkorken Knallen und das neue Jahr begrüßt wird, geht gleichzeitig das „Europäische Jahr für Menschen mit Behinderungen“ (EJMB) zu Ende. Große Ziele schrieb sich der EU-Rat auf die Fahnen, propagierte medienwirksam Slogans wie „Teilhabe verwirklichen,“ oder „Gleichstellung durchsetzen“.
Durchaus ehrenwert also, was in Brüssel konzipiert wurde und quer über den Kontinent in TV-Spots, Diskussionen oder im Internet versucht wurde zu vermitteln. Doch treffen plakative Slogans und öffentlichkeitswirksame Auftritte tatsächlich den Kern der Problematik, der sich Menschen mit Behinderungen in ihrem Alltagsleben ausgesetzt sehen? Wie bewerten die, deren Belange im Mittelpunkt dieser Aktionen stehen, den Versuch, sie in den Mittelpunkt zu rücken?
„Ich glaube nicht, das sich die Wahrnehmung der Probleme entscheidend verändert hat“, lässt Harry Baus, an der RUB Berater für behinderte und chronisch kranke Studierende, Skepsis über die Erfolgschancen durchblicken. Er erinnert ans Jahr 1981, als die Bundesregierung schon einmal ein „Jahr der Behinderten“ ausrief. Das endete damals mit einem Eklat, als Harry Baus und einige Mitstreiter die Bühne erstürmten und gegen die Veranstaltung protestierten. „Wir lassen uns nicht feiern“ stand auf den Transparenten der Rollstuhlfahrer, die sich an die Bühne ketteten und die geplante Abschlussrede des damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens verhinderten.
Für Baus ist der wahre Weg zu mehr Gleichbehandlung und Selbstbestimmung nur in der alltägliche Arbeit mit „seinen“ Studenten zu finden. Gerade Bochum, wo 7.200 der rund 45.000 Studenten mit Behinderung oder chronischen Erkrankung leben, ist auf dem Weg, einen „Hochschulstandort für Behinderte“ herauszubilden, wie Baus es formuliert. Und dennoch: „Die Probleme werden nicht hinreichend bedacht.“
Denn die Schwierigkeiten im Unialltag sind vielfältiger Natur. Angefangen bei baulichen Barrieren, bedürfen Behinderte auch beim Lernen oder bei Prüfungen besonderer Bedingungen. „Es geht dabei nicht um Bevorteilung“, stellt Baus klar, der in seiner Arbeit für mehr Aufmerksamkeit auch von Seiten der Dozenten wirbt. Die Beratungsarbeit im Servicezentrum für behinderte Studierende, die der selbst seit seiner Kindheit mit einer Körperbehinderung lebende Sonder-Pädagoge leistet, geht über eine rein studientechnische Ebene hinaus. „Es hat menschliche Züge“, erläutert er. Denn nicht nur Vorlesungen oder Prüfungen verkomplizieren sich mit einer Behinderung, das ganze Umfeld der Studierenden muss mitorganisiert werden. Wohnungssuche, finanzielle Unterstützung, Pflege und Betreuung: Überall hilft Baus den Studenten und versucht, das Bewusstsein für ihre Rechte zu stärken. Nicht selten ist das Streben nach Gleichstellung auch mit einem langwierigem juristischem Kampf verbunden. Schon so manche „Schlacht“ hat Baus vor Gericht ausgefochten, die Gesetzeslage ist weiterhin ausbaufähig. Durch die anvisierte Verabschiedung eines Landes-Gleichstellungsgesetzes erhofft sich Baus eine widerstandsfähige Grundlage, um die Interessen behinderter und chronisch kranke Menschen besser durchzusetzen.
Vor allem aufgrund der immer schneller fortschreitenden Entwicklungen im EDV-Bereich möchte Baus mit einem neuen Projekt schwerbehinderten und chronisch kranken Studierenden an Bochumer Hochschulen eine Möglichkeit bieten, ihr Studium zeitnah mit ihren nichtbehinderten Kommilitonen zu absolvieren: 2004 soll das Konzept eines Studienzentrums mit wissenschaftlichen Computerarbeitsplätzen umgesetzt werden. Zur Realisierung ist der Verein „Servicezentrum für behinderte Studierende an der RUB e.V.“ auf Spenden angewiesen. Jeder Spender erhält umgehend eine steuerlich absetzbare Quittung.

Info: Spendenkonto: 29401494, BLZ: 43050001, Spk Bochum; mehr zum Servicezentrum: Tel. –11530, E-Mail: szb@akafoe.de


Felix Guth
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