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RUBENS 84 1. Dezember 2003


Entdecker gefunden

Geograf benennt Bach


Vorbei die glorreichen Zeiten, als Geographen auf Humboldts Spuren ferne Kontinente entdeckten und zahlreichen Gebirgen oder Flüssen einen Namen geben durften. Heutzutage ist es deren Aufgabe, räumliche Daten in Geographischen Informationssystem zu verwalten oder die Stoffflüsse in den Makroporen der Pedosphäre zu berechnen. Kann der Geograph also noch ein Entdecker und Erforscher im Sinne Humboldts sein?
Er kann – und das auch noch im heimatlichen und nahegelegenen Sauerland. In einem kleinen Tal in der Nähe des Biggesees konnte der einen namenlosen Bach benennen. Dieser heißt nun „Bohlmicke“ und ist mittlerweile in der Gewässerkarte Nordrhein-Westfalens aufgenommen. Leider konnte dem Bach kein persönlicher Name gegeben werden, der einen Hinweis auf den „Entdecker“ gibt, sondern die Namensgebung hatte sich an die Eigenart des Gebietes anzupassen. Zudem mussten zuvor die Eigentümer der angrenzenden Flurstücke befragt werden, ob noch ein alter Name existiert. Da dies nicht der Fall war, konnte der Autor der zuständigen Unteren Wasserbehörde in Olpe den Namensvorschlag „Bohlmicke“ machen. Dieser setzt sich aus dem Namen des kleinen Tales „Bohläse“, in der sich der Bach befindet, und der Endung „-micke“, die in dieser Gegend für einen Bachlauf steht, zusammen.
Hintergrund für diese Namengebung ist ein kooperierendes Forschungsprojekt der Lehrstühle für Angewandte Physische Geographie (Prof. Dr. Harald Zepp) bzw. für Hydrologie, Wasserwirtschaft und Umwelttechnik (Prof. Dr. Andreas Schumann), das sich seit August 2000 mit der Analyse der Abflussbildung und deren Modellierung beschäftigt. Dabei wurde an dem namenlosen Bach eine Pegelstation zur Aufzeichnung des Abflusses aufgebaut. Bei Publikationen oder Vorträgen war es stets unangenehm, den Bach als namenlos zu bezeichnen.


Peter Chifflard
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Letzte Änderung: 1.12.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik