Löcher im Bauch
KinderUni
Bochum: Zwei Tage Wissenschaft zum Anfassen für
1.800 Grundschüler
Am 11. und 12. November war das Audimax die größte
Grundschule weit und breit: Je 900 Kinder zwischen sechs
und zehn Jahren kamen auf den Campus nicht nur
aus Bochum, sondern auch aus Duisburg, Witten oder Datteln.
Die vier Bochumer Hochschulen und die ARD-Sendung Tigerenten
Club hatten zur ersten KinderUni Bochum eingeladen. Das
Interesse war so groß, dass gelost werden musste.
Die Veranstalter hätten das Audimax eine ganze Woche
lang mit wissbegierigen Kindern füllen können.
Wo Metalle sich erinnern
Da guckt man durch ein Röhrchen, da sieht
man dann blau, rot und lila. Rafael von der Astrid-Lindgren-Grundschule
in Bochum steht am Stand der Chemiker, die Licht
zerlegen: Aus welchen Einzelteilen das besteht,
was wir als Licht wahrnehmen, kann er dort im Selbstversuch
sehen. Wissenschaft zum Anfassen lautete das Motto
und die Kinder nahmen die Veranstalter beim Wort: Hier,
das kannst du biegen und verdrehen, wie du willst
wenn man es erwärmt, sieht es wieder ganz aus,
sagt Christopher zu Miguel, beide von der Vennepoth-Schule
in Oberhausen. Sie waren eben bei der Formgedächtnistechnik
in der Sprache der Kinder da, wo Metalle
sich erinnern. Mit der deformierten Büroklammer
aus einem speziellen, elastischen Metall in der Hand
stehen sie nun beim Robot-Ober an, um sich
von der Maschine ein Getränk servieren zu lassen.
Wissen macht Spaß
Wissen macht Spaß hieß es in
Bochum, wie bei manch anderer Kinder-Uni in Deutschland,
bei der die Tigerente in diesem Jahr mitmacht. Wie viel
Spaß etwa Physik bereiten kann, zeigte Prof. Andreas
Wieck (RUB) anschaulich in Experimenten mit Wasser und
brennenden Kerzen. Prof. Klaus Krause (FH) ging dem
Magnetismus auf den Grund und im Wettbewerb Mensch gegen
Maschine unterlagen die Kinder knapp gegen die Haribo-Trennmaschine
der TFH, als es darum ging, Süßigkeiten zu
unterscheiden und zu sortieren. Schließlich kamen
noch die beiden Assistenten von Prof. Riechhard Hörgut
(der Professor der EFH war leider verhindert)
und zeigten den Kindern spielerisch, wie gut sie ohne
Augen sehen können.
17 Exponate zum Mitmachen und Staunen standen im Foyer
des Audimax und ergänzten das Programm. Neugierde
und Experimentierfreude waren gefragt, z. B. am Stand
von Prof. Ulf Eysel (RUB) mit verblüffenden optischen
Täuschungen, über die selbst Erwachsene Bauklötze
staunten, weil das Gehirn mehr sieht als die Augen.
Das Interesse war wie an allen Ständen
sehr hoch. Wenige Kinder kommen, um einfach nur
zu spielen, sagt Sigrun Breustedt (TFH), die an
ihrem Stand Vogelsand chemisch analysierte und in seine
Bestandteile zerlegte. Die Kinder fragen mir Löcher
in den Bauch, wollen alles wissen und möglichst
viel selbst ausprobieren.
Eine runde Sache
Der Enthusiasmus wurde bei manchen Wissenschaftlern
erst während der Veranstaltung geweckt: Heute
morgen dachte ich noch, wir sollten uns lieber auf die
Oberstufe als Zielgruppe konzentrieren, sagte
Prof. Eysel am ersten Tag, aber ich finde, dass
dies ein sehr guter Ansatz ist, weil das Interesse an
Wissenschaft und an spannenden Dingen natürlich
im Kindesalter geweckt wird. Das sieht auch Prof.
Wieck so: Wir sind zwar keine Bühnenprofis,
aber ich glaube, die Kinder amüsieren sich und
lernen etwas. Wir müssen da ansetzen, wo die Menschen
anfangen, Fragen zu stellen und zu lernen. Dazu
seien die heiligen Hallen der Hochschule
bestens geeignet, meint Prof. Reiner Dudziak, Rektor
der FH: Es hat Spaß gemacht, die vielen
Kinder zu sehen, wie neugierig sie sind, was sie sich
alles anschauen und wie sie bei den Versuchen mitgegangen
sind also, das ist eine runde Sache. Wiederholung
erwünscht? Aus dem Bauch heraus: ja,
so Dudziak. Wir haben so eine tolle Resonanz:
Ich denke, wir sollten diesen Weg weitergehen.
Die Veranstalter
Veranstalter waren die vier Bochumer Hochschulen: RUB,
FH Bochum, Technische FH Georg Agricola (TFH) und Ev.
FH Rheinland-Westfalen-Lippe (EFH). Die erste KinderUni
Bochum war Teil der Veranstaltungsreihe von Bochum
hoch 4, dem Zusammenschluss der Bochumer Hochschulen
für Wissenschaftspräsentationen und den Dialog
mit der Öffentlichkeit. Nach dem Treffpunkt
Forschung 1999 und der denk:2001 für
das allgemein forschungsinteressierte Publikum waren
in diesem Jahr erstmals Kinder die Zielgruppe.
jw
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