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RUBENS 84 1. Dezember 2003


Löcher im Bauch

KinderUni Bochum: Zwei Tage Wissenschaft zum Anfassen für 1.800 Grundschüler


Am 11. und 12. November war das Audimax die größte Grundschule weit und breit: Je 900 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren kamen auf den Campus – nicht nur aus Bochum, sondern auch aus Duisburg, Witten oder Datteln. Die vier Bochumer Hochschulen und die ARD-Sendung Tigerenten Club hatten zur ersten KinderUni Bochum eingeladen. Das Interesse war so groß, dass gelost werden musste. Die Veranstalter hätten das Audimax eine ganze Woche lang mit wissbegierigen Kindern füllen können.

Wo Metalle sich erinnern

„Da guckt man durch ein Röhrchen, da sieht man dann blau, rot und lila“. Rafael von der Astrid-Lindgren-Grundschule in Bochum steht am Stand der Chemiker, die „Licht zerlegen“: Aus welchen Einzelteilen das besteht, was wir als Licht wahrnehmen, kann er dort im Selbstversuch sehen. Wissenschaft zum Anfassen lautete das Motto – und die Kinder nahmen die Veranstalter beim Wort: „Hier, das kannst du biegen und verdrehen, wie du willst – wenn man es erwärmt, sieht es wieder ganz aus“, sagt Christopher zu Miguel, beide von der Vennepoth-Schule in Oberhausen. Sie waren eben bei der Formgedächtnistechnik – in der Sprache der Kinder „da, wo Metalle sich erinnern“. Mit der deformierten Büroklammer aus einem speziellen, elastischen Metall in der Hand stehen sie nun beim „Robot-Ober“ an, um sich von der Maschine ein Getränk servieren zu lassen.

Wissen macht Spaß

„Wissen macht Spaß“ hieß es in Bochum, wie bei manch anderer Kinder-Uni in Deutschland, bei der die Tigerente in diesem Jahr mitmacht. Wie viel Spaß etwa Physik bereiten kann, zeigte Prof. Andreas Wieck (RUB) anschaulich in Experimenten mit Wasser und brennenden Kerzen. Prof. Klaus Krause (FH) ging dem Magnetismus auf den Grund und im Wettbewerb Mensch gegen Maschine unterlagen die Kinder knapp gegen die Haribo-Trennmaschine der TFH, als es darum ging, Süßigkeiten zu unterscheiden und zu sortieren. Schließlich kamen noch die beiden Assistenten von Prof. Riechhard Hörgut (der „Professor“ der EFH war leider verhindert) und zeigten den Kindern spielerisch, wie gut sie ohne Augen sehen können.
17 Exponate zum Mitmachen und Staunen standen im Foyer des Audimax und ergänzten das Programm. Neugierde und Experimentierfreude waren gefragt, z. B. am Stand von Prof. Ulf Eysel (RUB) mit verblüffenden optischen Täuschungen, über die selbst Erwachsene Bauklötze staunten, weil das Gehirn mehr sieht als die Augen. Das Interesse war – wie an allen Ständen – sehr hoch. „Wenige Kinder kommen, um einfach nur zu spielen“, sagt Sigrun Breustedt (TFH), die an ihrem Stand Vogelsand chemisch analysierte und in seine Bestandteile zerlegte. „Die Kinder fragen mir Löcher in den Bauch, wollen alles wissen und möglichst viel selbst ausprobieren.“

Eine runde Sache

Der Enthusiasmus wurde bei manchen Wissenschaftlern erst während der Veranstaltung geweckt: „Heute morgen dachte ich noch, wir sollten uns lieber auf die Oberstufe als Zielgruppe konzentrieren“, sagte Prof. Eysel am ersten Tag, „aber ich finde, dass dies ein sehr guter Ansatz ist, weil das Interesse an Wissenschaft und an spannenden Dingen natürlich im Kindesalter geweckt wird.“ Das sieht auch Prof. Wieck so: „Wir sind zwar keine Bühnenprofis, aber ich glaube, die Kinder amüsieren sich und lernen etwas. Wir müssen da ansetzen, wo die Menschen anfangen, Fragen zu stellen und zu lernen.“ Dazu seien die „heiligen Hallen der Hochschule“ bestens geeignet, meint Prof. Reiner Dudziak, Rektor der FH: „Es hat Spaß gemacht, die vielen Kinder zu sehen, wie neugierig sie sind, was sie sich alles anschauen und wie sie bei den Versuchen mitgegangen sind – also, das ist eine runde Sache.“ Wiederholung erwünscht? „Aus dem Bauch heraus: ja“, so Dudziak. „Wir haben so eine tolle Resonanz: Ich denke, wir sollten diesen Weg weitergehen.“

Die Veranstalter

Veranstalter waren die vier Bochumer Hochschulen: RUB, FH Bochum, Technische FH Georg Agricola (TFH) und Ev. FH Rheinland-Westfalen-Lippe (EFH). Die erste KinderUni Bochum war Teil der Veranstaltungsreihe von „Bochum hoch 4“, dem Zusammenschluss der Bochumer Hochschulen für Wissenschaftspräsentationen und den Dialog mit der Öffentlichkeit. Nach dem „Treffpunkt Forschung 1999“ und der „denk:2001“ für das allgemein forschungsinteressierte Publikum waren in diesem Jahr erstmals Kinder die Zielgruppe.




jw
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