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RUBENS 84 1. Dezember 2003

Schizophrenie

Editorial


Leider viel zu oft führen uns Politiker vor, wie wenig durchdacht und abgestimmt ihre Pläne und Maßnahmen letztlich sind. Die Abstimmungsprobleme zwischen der rotgrünen Bundes- und der rotgrünen Landesregierung NRW treten dieser Tage besonders deutlich beim Thema Ausbildung zutage; innerhalb der Landesregierung trägt die Ausbildungsmarktpolitik mitunter schizophrene Züge.
Zwar reisen Bundes- wie Landespolitiker eifrig und medienwirksam herum, um bei Wirtschaftsbetrieben für zusätzliche Ausbildungsplätze zu werben. Doch während SPD und Grüne auf Bundesebene widerspenstige Betriebe per Ausbildungsplatzabgabe zur Kasse bitten wollen, setzen SPD und Grüne im Land NRW auf einen Konsens. Bei der sog. Partnerschaftlichen Ausbildung bilden zwei oder mehrere Betriebe gemeinsam aus, zudem gibt es einen Ausbildungsträger, der von der Landesregierung bezuschusst wird. Als Harald Schartau, NRW-Minister für Wirtschaft und Arbeit, diesen Konsens am 13.11.03 per Pressemitteilung vorstellte, erklärte er optimistisch: "Wir erzielen damit positive Ergebnisse: Wir schaffen zusätzliche Ausbildungsplätze". In derselben Pressemitteilung hieß es später: "Jeder junge Mensch in NRW, der ausgebildet werden will, wird ausgebildet."
So weit, so gut. Einen Tag zuvor (!) jedoch brachte NRW-Finanzminister Jochen Dieckmann den Entwurf des Doppelhaushalts 2004/2005 der Landesregierung in den Düsseldorfer Landtag ein. Der von den allseits bekannten Sparzwängen diktierte Etatentwurf soll im Januar 2004 verabschiedet werden. Nach dem augenblicklichen Stand plant die Landesregierung, von den zurzeit 2.230 Ausbildungsstellen an den Landeshochschulen rund 300 Plätze zu streichen. Wenn es dabei bleibt, wird beispielsweise die RUB in den kommenden beiden Jahren keinen einzigen neuen Ausbildenden einstellen können - in diesem Jahr waren es immerhin 53, und die Bewerbungsgespräche fürs Jahr 2004 sind in vollem Gange.
Gleiches gilt für die anderen Hochschulen in NRW: "Sie haben bekanntermaßen in der Vergangenheit nicht nur in Forschung und Lehre, sondern auch im berufsbildenden Bereich hervorragende Arbeit geleistet", lässt sich die Landesrektorenkonferenz am 17.11.03 vernehmen und appelliert nachdrücklich an die Landesregierung, ihre Vorhaben zu korrigieren. Der Personalrat der RUB empfindet "die Pläne der Landesregierung angesichts 30.000 bundesweit fehlender Ausbildungsplätze als skandalös und katastrophal" und fragt abschließend: "Zahlt die Uni oder die Landesregierung ab 2004 auch eine Ausbildungsplatzabgabe?" Trefflicher lässt sich der Mangel an Abstimmung kaum auf den Punkt bringen.



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Letzte Änderung: 1.12.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik