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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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| RUBENS 83 |
3.
November 2003 |
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Der Exot unter
den RUB-Gebäuden
Gebäudeserie:
Malakowturm
Jeder von uns kann sich sicher noch an sein erstes
Semester an der RUB erinnern. Wer hat sich da anfangs
nicht in den Kellerräumen verirrt und verzweifelt
nach einem Ausgang gesucht? Wieso liegt der mal auf 02
und mal auf 01? RUBENS liefert Antworten diesmal
zum Malakowturm.
Julius Philipp hat in seinem Leben viel gesehen: Über
100 Jahre hat er auf dem Buckel, war früher im Bergbau
und ist auf seine alten Tage noch RUB-Mitglied geworden.
Dabei sieht er für sein Alter erstaunlich gut aus.
Kein Wunder: Der Malakowturm an der Markstrasse, der bis
1905 der Kohleförderung diente und seit 1973 zur
Ruhr-Uni gehört, wurde 1989 gründlich renoviert
selbstverständlich mit Bedacht, denn er ist
ein Industriedenkmal. Schon rein äußerlich
hat der 32 Meter hohe, trutzige Turm einen eigenen Charme.
Zwischen den modernen Wohnhäusern wirkt er wie eine
Insel aus vergangenen Zeiten.
Aus vergangenen Zeiten gibt es im Inneren eine Menge zu
entdecken. Die untersten beiden der sechs Geschosse beherbergen
die Medizinhistorische Sammlung der RUB. Rund um den gläsernen
Aufzug in der Mitte eröffnet sich im Erdgeschoss
die Geschichte der Medizin im Bergbau: Die ersten Rettungsgeräte
und Atemmasken finden sich da, eine tragbare Toilette
wichtig zur Bekämpfung des Hakenwurmes, der
um 1900 so viele Bergleute befallen hatte, dass fast die
gesamte Kohleförderung des Ruhrgebiets lahm lag ,
eine Übersicht über die ersten Apotheken- und
Krankenhausgründungen und über die häufigsten
Berufskrankheiten der Bergleute. Dazu gehörte neben
der Staublunge etwa auch die längst vergessene Zitteraugenkrankheit,
die durch schummrige Beleuchtung unter Tage ausgelöst
wurde.
Weiter oben im Turm finden sich Exponate zur Medizingeschichte
von den alten Ägyptern über das Wissen der Mönche
im Mittelalter und Sektionen in theaterähnlichen
Arenen bis hin zur Entwicklung der Mikroskopie. Zartbesaitete
sollten sich von der Schauwand über Infektionskrankheiten
fernhalten, die mit allerlei lebensecht aussehenden Wachsmodellen
von Pestbeulen, Krätze, Herpes und vielem mehr äußerst
anschaulich ist. Noch eine Etage höher ist Platz
für die regelmäßigen Wechselausstellungen.
Darüber befindet sich die Bibliothek des Medizinhistorischen
Instituts, das im Turm seinen Sitz hat, und ganz oben
gibt es eine Reihe kleiner Seminarräume und die Büros
der Institutsmitarbeiter.
Medizinstudenten müssen aber nicht regelmäßig
zu ihren Veranstaltungen anreisen, denn die finden auf
dem Campus statt. Lediglich kleinere Kolloquien und Doktorandenprüfungen
werden im Turm abgehalten. Besucher sind aber willkommen:
Häufig sind Schulklassen zu Gast, außerdem
lockt der Turm so manchen Rentner, der früher im
Bergbau war. Studenten und Anwohner der Umgebung kommen
auch regelmäßig vorbei.
Info: Der Turm ist mittwochs von 9 bis 12 h geöffnet,
während der Wechselausstellungen (s.
Artikel nebenan) auch am Wochenende; Eintritt: 2 Euro,
ermäßigt 1 Euro. Führungen müssen
vorher angemeldet werden: Malakowturm Julius Philipp,
Markstraße 258a, Bochum, Tel. 23394
md
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