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RUBENS 83 3. November 2003

Besetzt

Vorlesungsstart ins Wintersemester


Latente Kursüberfüllung, wo man hinsieht. Seit Jahren beklagen Studierende und Dozenten die schlechter werdenden Studienbedingungen. Auch in diesem Wintersemester scheint keine Besserung in Sicht. Traditionell stark nachgefragt sind die Fachrichtungen Germanistik und Sozialwissenschaft. Allerdings haben sie das Problem keineswegs exklusiv, das zeigte z.B. die verzweifelte Aktion von etwa 100 Studierenden der Kunstgeschichte: Sie besetzten in der ersten Vorlesungswoche spontan Räume in der Univerwaltung, um darauf aufmerksam zu machen, dass ihnen ein geeigneter Hörsaal fehlt.
Mit noch höheren Zahlen wird in der Germanistik jongliert. 830 Neueinschreibungen musste das Fach bewältigen und auf die obligatorischen Einführungskurse in Literaturwissenschaft, Mediävistik und Linguistik verteilen.
"Vielleicht denken einige, mit Germanistik könnte man besonders leicht an den Bachelor-Abschluss kommen", spekuliert Dr. Ralph Köhnen, Dozent in der Literaturwissenschaft. "Die Verteilung jedenfalls ist nur mit viel zusätzlichem Aufwand gelungen", meint Köhnen unisono mit seinem Kollegen aus der Linguistik/Mediävistik, Prof. Dr. Heinz H. Menge. Zusätzliche Lehraufträge sichern einen einigermaßen reibungslosen Ablauf der Einführungsveranstaltungen. "Das ist keine Selbstverständlichkeit", erklärt Menge. Schließlich sind die zusätzlichen Lehraufträge weder finanziell noch vom Arbeitspensum her besonders attraktiv für die Dozenten.
"Da Einführungskurse nicht so arbeitsintensiv sind, kann man sie selbst mit vielen Teilnehmern einigermaßen bewältigen", meint Dr. Köhnen. Problematisch werde es erst, wenn dieser große Studenten-Jahrgang Proseminare besucht, die aus arbeitstechnischen Gründen zahlenmäßig begrenzt sein sollten. "Dann ist der Sinn des Studierens nicht mehr gegeben", mutmaßt der Literaturwissenschaftler. Ein Patentrezept für die Zukunft hat er nicht parat. Die naheliegende Überlegung, wie bereits im WS 2000/01 für Germanistik einen Numerus Clausus (NC) einzuführen, wird auf der November-Sitzung des Instituts-Vorstandes diskutiert.
Da wähnte sich die Sowi-Fakultät schon einen Schritt weiter. Nach den Erfahrungen der Vorjahre entschied sich der Fakultätsrat im Sommer dafür, im WS 2003/04 auf alle Sowi-Studiengänge einen NC anzusetzen. Dieses Unterfangen darf aber vorerst als gescheitert bezeichnet werden, wie Studiendekan Prof. Dr. Hans-Georg Tegethoff berichtet: "Bisher ist kein großes Absinken der Zahlen zu erkennen". Zwar sind endgültige Ergebnisse aufgrund des laufenden dritten Losverfahrens noch nicht zu vermelden, die Haupttendenz kann Tegethoff trotzdem schon ausmachen: "Einen scharfen NC, der die Einschreibungen wirklich begrenzt, wird es nicht geben."
So quellen die Hörsäle der Fachrichtungen Politikwissenschaft, Soziologie, Sozialpsychologie, Sozialökonomie und Statistik derzeit wieder über, inklusive der damit verbundenen Probleme. "Wir kamen mit den Readern kaum nach", schildert Diplom-Sozialwissenschaftler Jörg-Uwe Nieland die Startschwierigkeiten seiner Einführungsveranstaltung in die Politikwissenschaft. Angesichts von Kurszahlen weit über 100, setzt er auf ein verändertes Arbeitsverhalten der Studierenden: "Gruppenarbeit ist ein Weg, die Studenten müssen aber auch ihre Scheu vor einem großen Plenum ablegen", kennzeichnet Nieland seine Maßnahmen. So nimmt er die zumeist noch unerfahrenen Studierenden besonders in Pflicht. "Es hängt vom Engagement jedes einzelnen ab". (siehe auch den Beitrag zum Optionalbereich)

Felix Guth
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Letzte Änderung: 31.10.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik