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RUBENS 83 3. November 2003

Kostbarer Schmetterling aus Japan

Neues Höchstauflösungsmikroskop


Tief unten im Süden des Gebäudes NC hat sich ein kostbarer japanischer Schmetterling niedergelassen. In einem eigens für ihn gebauten schalltoten Raum ruht er nun auf vier massiven Marmorblöcken, umsorgt von drei Experten, warm in Alufolie eingepackt. Aber für soviel Komfort muss er auch etwas tun: Seit Mitte Oktober liefert der Schmetterling hochaufgelöste Bilder von nanometerkleinen Proben.
Das deutschlandweit einmalige, 1 Mio. Euro teure Höchstauflösungsmikroskop besteht eigentlich aus zwei Geräten: Ein Raster-Elektronen-Mikroskop (REM) kann Details bis ca. zehn Nanometer vergrößern. Es beschießt die Probe mit Elektronen und ermittelt die Struktur der beschossenen Oberfläche anhand der charakteristischen Streuung der daran reflektierten Elektronen. Wenn die Auflösung ausgereizt ist, kann der Benutzer zoomen, indem er auf das zweite Gerät umschaltet: ein Raster-Tunnel-Mikroskop (RTM), das bis zu einem Hundertstel Nanometer kleine Objekte abbildet. Dazu fährt eine Nadel, deren Spitze nur ein einziges Atom dick ist, die Oberfläche der Probe ab. Ohne dass es sie berührt, fließt zwischen Oberfläche und Nadel ein winziger Strom – die Elektronen tunneln. Diesen Strom misst das Mikroskop und errechnet daraus ein Bild der Oberfläche. Die Nadelspitze ist im REM-Bild immer zu sehen. „So kann man sich auf der Probe erst grob orientieren und sich dann Feinheiten genauer ansehen“, erläutert Prof. Christof Wöll, an dessen Lehrstuhl für Physikalische Chemie I der Schmetterling beheimatet ist. „Die Nadelspitze sieht aus wie der Saugrüssel eines Schmetterlings, daher der Name.“
Die Nadel kann sogar noch mehr als nur die Oberfläche abbilden. Sie kann sie auch gezielt verändern, z. B. Löcher hineinpieken, sie ankratzen oder sogar einzelne Moleküle verschieben. Diese Fähigkeiten machen sie zu einem wertvollen Werkzeug für die Nanowissenschaften. Diesen Bereich, der an der RUB sehr gut vertreten ist, soll der Schmetterling besonders stärken. Forscher des Nano-Centers sowie der Sonderforschungsbereiche 558 (Metall-Substrat-Wechselwirkungen in der heterogenen Katalyse), 491 (Magnetische Heteroschichten) und 459 (Formgedächtnistechnik) fiebern der Arbeit mit dem neuen Gerät entgegen. Jeder, der sonst noch Interesse daran hat, kann sich an den Lehrstuhl von Prof. Wöll wenden.
Die enorme Empfindlichkeit des Schmetterlings macht ihn allerdings auch störanfällig. Schallwellen, elektrische Störungen und die kleinste Erschütterung des Bodens können die Nadel aus dem Konzept bringen. Daher der schalldichte Raum und der Standort in der untersten Etage auf der massiven Grundplatte von NC. Wer den Schmetterling bedient, tut das von draußen per Fernsteuerung am Computer – ein Niesen könnte sonst die Arbeit von Stunden vernichten. Die Alufolie wickeln die Forscher übrigens um das Gerät, um es zu isolieren: Je nach Aufgabe kann man den Innenraum abkühlen oder beheizen, der Temperaturbereich reicht von knapp über dem absoluten Nullpunkt bis etwa 1.800 Grad Celsius. So stellt man chemische Konstrukte her, die es unter normalen Bedingungen überhaupt nicht geben würde: Chemische Reaktionen z.B. werden verhindert, indem man sie „einfriert“.
md
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Letzte Änderung: 31.10.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik