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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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| RUBENS 83 |
3.
November 2003 |
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Gestörte
Wahrnehmung
Editorial
Der Asta wirft der RUB-Verwaltung eine "gestörte
Informationspolitik" vor, er mutmaßt, diese
habe "absichtlich nicht oder nur unzureichend"
die Studierenden informiert; weist sogar auf Schreiben
hin, die ihm konspirativ "zugespielt" worden
seien, und klopft sich auf die geschwellte Brust, als
ob er mit den Mitteln des investigativen Journalismus
einen tot geschwiegenen "PCB-Skandal" öffentlich
gemacht habe (s. S. 8).
So aber funktioniert investigativer Journalismus nicht.
Man kann nicht leichtfertig Vorwürfe erheben und
es gleichzeitig versäumen, die Betroffenen nach Gründen
ihres richtigen oder falschen Verhaltens zu befragen.
Worum geht es also? Es geht schlicht um die Frage, wer
hätte wen wann informieren müssen? Nach Meinung
des Asta reicht es nicht aus, dass die Verwaltung u.a.
Dekane, geschäftsführende Direktoren, Personalräte
unmittelbar über die ersten Messergebnisse informiert
und sie gebeten hat, diese Informationen unter ihren Mitarbeiter/innen
zu verbreiten (30. Mai) und ein zweites Mal alle Mitarbeiter/innen
informiert hat (14. August). Der Asta weist zurecht darauf
hin, dass Schwangere besonderen Schutz genießen,
und dass schwangere Studentinnen wegen fehlender Information
von diesem Schutz ausgeschlossen worden seien.
Wann ist aber eine Information gerechtfertigt bzw. wann
beginnt die Panikmache? Das Problem PCB ist nicht neu.
Ende der 70er-Jahre verzichtete man auf PCB am Bau, 1989
wurde es generell verboten. Die RUB wurde in den 60er
und 70ern gebaut (keine Uni wurde nach 1975 gebaut). Bei
uns gibt es 14.400 Räume. Die Univerwaltung und der
Bau- und Liegenschaftsbetrieb hatten sich auf eine Mess-Stichprobe
von einem Prozent (144 Räume) verständigt. Im
Mai, als der Kanzler erstmals informierte, waren gerade
24 Räume untersucht worden, selbst bis jetzt liegen
Ergebnisse erst für die Hälfte der ausgewählten
Räume vor. Aber was ist mit den anderen rund 14.250
Räumen an der RUB? Und mit Privaträumen, mit
Wohnheimen, Wohngemeinschaften, den Häuschen der
Eltern im Grünen? Keine Panik. PCB - so viel ist
gesichert - wird hauptsächlich über die Nahrung
(Fisch, Fleisch, Gemüse...) aufgenommen: Zu weit
über 90 Prozent essen wir es, zu weniger als zehn
Prozent atmen wir PCB ein.
Hätte die Verwaltung also wirklich mit Plakaten und
Aushängen an Schwarzen Brettern reagieren müssen,
hätten wir also mit Berichten in RUBENS oder sogar
auf der Homepage vor der PCB-Gefahr warnen müssen?
Oder war es richtig, auf diese Mittel zu verzichten? Urteilen
Sie nun bitte selbst.
Übrigens, seit Juni hat der Kanzler den Asta mit
mehreren Schreiben ausführlich informiert, ihm auch
Messergebnisse übermittelt. Warum also jetzt, Mitte
Oktober das Geschrei?
jk
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