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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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| RUBENS 82 |
1.
Oktober 2003 |
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5.000 neue Bücher
für die UB
Von Kempskis
Gelehrtenbibliothek
Die Universitätsbibliothek
(UB) der RUB hat ihren Bestand um rund 5.000 Bücher
erhöht. Sie stammen aus der Gelehrtenbibliothek
Professor Jürgen von Kempski. Die Erbin und
Tochter des Wissenschaftlers, Diotima von Kempski, hat
der RUB die wertvollen Bücher überlassen. Mitarbeiter
der UB haben die Bibliothek aus Hembsen und München
mittlerweile abgeholt. Die Bücher werden zurzeit
gesichtet und für die Katalogisierung vorbereitet.
Prof. Jürgen von Kempski (1910-1998) lehrte von
1973 bis 1988 am Institut für Philosophie der RUB.
Er gehörte zu den wenigen Gelehrten, die durch ein
breites Spektrum wissenschaftlicher Interessen die Universalität
zu neuem Leben erweckten. Die Vielfalt der Veröffentlichungen
des philosophischen Wissenschaftstheoretikers (s.u.) spiegelt
sich in seiner Privatbibliothek wieder. Sie ist eine unschätzbare
Fundgrube für die gesamten Geistes- und Gesellschaftswissenschaften.
Zum Nachlass gehört auch ein umfangreiches Gelehrtenarchiv,
das demnächst ins Archiv der RUB kommen wird.
Jürgen von Kempski wurde 1910 in Osnabrück geboren.
Er war von 1939 bis 1945 Referent für Völkerrecht
am Deutschen Institut für außenpolitische Forschung
und promovierte 1951 in Frankfurt bei Theodor W. Adorno
über den amerikanischen Pragmatisten Charles Sanders
Peirce, den in Deutschland damals noch kaum jemand zur
Kenntnis nahm. Ein Hauptbemühen von Kempkis galt
einer Strukturtheorie des Rechts, deren Konzeption er
1961 publizierte. Daneben verfolgte er ein ungewöhnlich
breites Spektrum auch ganz anderer wissenschaftlicher
Interessen. Er gab von 1947 bis 1964 das Archiv
für Philosophie heraus und übersetzte
Arnold Joseph Toynbees Universalgeschichte (4 Bände,
1970).
Aufgrund genauer Detailkenntnisse nahm er gezielt zu aktuellen
Problemen Stellung. Manch berühmter Kopf musste sich
von ihm korrigieren lassen. Das bezeugen auch seine Essays,
die 1992 in drei Bänden beim Suhrkamp Verlag erschienen
sind: Band 1: Brechungen. Kritische Versuche zur
Philosophie der Gegenwart; Band 2: Recht und
Politik. Studien zur Einheit der Sozialwissenschaft;
Band 3: Prinzipien der Wirklichkeit. Die Themenvielfalt
der Bände reicht von Homers Odyssee über das
Kommunistische Manifest bis zu Adorno und Wittgenstein,
von der Problematik der Geisteswissenschaften bis zur
mathematischen Logik und Wirtschaftswissenschaft. Dem
20. Juli 1944 konnte er ebenso nachdenkliche und sachkundige
Aufmerksamkeit widmen, wie der Gefährdung der Wissenschaften
im Dritten Reich. Freude bereitete es ihm, zu Unrecht
vergessene Autoren wieder ins rechte Licht zur rücken
und auf manch verschollenes Buch hinzuweisen, von dem
sich noch ein Exemplar in seinem Bücherschrank fand.
Zu seinen schönsten Essays zählt der Versuch
über die Zärtlichkeit. Jürgen
von Kempski starb am 11. Oktober 1998 in Berlin.
jk/ad
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