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RUBENS 82 1. Oktober 2003

Mirjam Nadjafzadeh begleitete drei Monate lang wilde Samangos in Südafrika

Unter Affen


Vor allem an das ungewöhnliche Weckkommando erinnert sich Mirjam Nadjafzadeh noch Wochen nach Ende ihrer Reise: „Die Affen sind morgens aufs Wellblechdach gehüpft und haben mich so zu ihrer täglichen Tour abgeholt.“ Die Biologiestudentin hat sich einen Traum erfüllt: Sie ist nach Südafrika geflogen, um dort eine Gruppe wilder Samangos (Diadem-Meerkatzen) zu beobachten. Von März bis Mai ist Mirjam den Tieren täglich gefolgt, um neue Erkenntnisse über ihr Sozialverhalten zu gewinnen.
Während dieser Zeit hat Ian Gaiger sie auf seiner Farm beherbergt und betreut. Der südafrikanische Zoologe bewohnt seit sechs Jahren mit seiner Frau eine Farm in den Soutpans-Bergen in der Limpopo-Provinz, der nördlichsten der neun Provinzen Südafrikas. Er nimmt Studierende auf, die Primaten wie Paviane oder Meerkatzen, aber auch andere Wildtiere wie Leoparden in ihrer natürlichen Umgebung erforschen wollen. Die Studierenden übernachten in einer umgebauten Scheune, die rund 200 Meter entfernt vom Farmgebäude liegt. Auf der Farm gibt es fließendes (auch warmes) Wasser, Strom (18 bis 22 Uhr), Herd und Kühlschrank (beide mit Gas betrieben) und ein Telefon. In der 70 Kilometer entfernten Stadt Louis Trichardt erledigten Mirjam und die anderen Studierenden ihre Großeinkäufe.

Frühstück in den Bäumen

„Durch die Samangos bin ich zur Frühaufsteherin geworden“, lacht Mirjam, „vorübergehend jedenfalls.“ Die mit etwa 64 Tieren ungewöhnlich große Gruppe legt jeden Tag eine Strecke von rund ein bis zwei Kilometern zurück, bergauf und bergab durch dichten Busch in einem Territorium von rund 52 Hektar. „Um halb sechs bin ich aufgestanden. Um sechs sind die Samangos meist im Wald verschwunden, da bin ich hinterher gekrochen. Ab und zu konnte ich erst mittags losgehen, dann musste ich sie mühevoll suchen.“ Die Angewohnheit der Tiere, ihr Frühstück häufig in den Bäumen auf dem Farmgelände einzunehmen, hat Mirjam viele Stunden der Suche erspart.
Beobachtet hat Mirjam die Samangos, die sich vorzugsweise hoch in den Bäumen aufhalten, mit einem Fernglas. Dabei hatte sie keine Angst allein im Busch. „Da war ja kein Mensch außer unserer Forschergruppe, und die Leoparden hätten sich wohl eher vor mir gefürchtet“, schmunzelt sie. Nur nachts im Dunkeln war sie nicht allein unterwegs: „Ich hab immer zugesehen, dass ich bis sechs Uhr die Farm erreicht habe, denn nach Sonnenuntergang verliert man im Wald schnell die Orientierung.“
Obwohl die Samangos bereits daran gewöhnt sind, dass ihnen Biologen folgen, erzeugt jedes neue Forschergesicht zunächst Argwohn. „Nach einer Weile haben sich die Tiere aber an meiner Anwesenheit nicht länger gestört. Sie haben keine Alarmrufe mehr ausgestoßen und sind nicht mehr weggerannt. Eines meiner schönsten Erlebnisse war, als sich ein Jungtier eine Armlänge von mir entfernt niedergelassen und mir ruhig in die Augen geschaut hat“, schwärmt Mirjam. Einmal ist ihr allerdings auch etwas mulmig geworden: „Da haben sich sieben Paviane in wenigen Metern Abstand hinter und über mir auf einem Felsen hingesetzt und mich beobachtet. Paviane sind schon sehr interessante Kerlchen, aber auch um einiges aggressiver als die Samangos ...“

Neues zum Sozialverhalten

Auf ihr Projekt hatte sich Mirjam mit Fachliteratur gut vorbereitet. Im Verlauf ihres Studiums konnte sie zudem Erfahrungen in Verhaltensbiologie sammeln: Durch Beobachtungen an Blutbrustpavianen im Naturzoo Rheine hat sie verhaltensbiologische Methoden anzuwenden gelernt und Einblicke in die Sozialstrukturen dieser Affen gewonnen. Obwohl die Beobachtung selbst naturnah gehaltener Affen nicht mit der Erforschung frei lebender Tiere gleichzusetzen ist, hat Mirjam sich doch wichtiges Rüstzeug für ihre Arbeit in Südafrika angeeignet: „Ohne Vorerfahrung hätte ich das Projekt nicht durchführen können. Ian ist kein Verhaltensbiologe und konnte mich fachlich nicht begleiten.“
Bei ihrer Forschung hat Mirjam eine Reihe von Verhaltensweisen untersucht. Zum Beispiel hat sie durch „scan sampling“ die Aktivitäten der beobachteten Samangos protokolliert: Sie hat dazu jeweils zehn Minuten lang alle 30 Sekunden das Verhalten der Tiere dokumentiert, abhängig von Parametern wie Temperatur und Tagesperiodik. Die Daten liefern neue Erkenntnisse: „Die von mir beobachtete Samango-Gruppe ist zwar in vieler Hinsicht schon gut untersucht, aber ihr Sozialverhalten hat vor mir noch niemand angeschaut“, so Mirjam.
Mirjam möchte auch für ihre Diplomarbeit ins Ausland gehen und verhaltensbiologische Studien an wild lebenden Säugetieren durchführen – am liebsten an Delfinen. „Das Projekt mit den Samangos war für mich wie eine kleine Diplomarbeit. Ich wollte schon immer mal ins Ausland gehen und habe durch den Aufenthalt in Südafrika überprüft, ob die Freilandarbeit wirklich das Richtige für mich ist. Und das ist sie, obwohl sie anstrengend ist!“
Für diese Gewissheit hat sie in Kauf genommen, ein Semester zu verlieren – die einmalige Erfahrung entschädigt sie für den Zeitverlust, der sich nicht auf die drei Monate in Südafrika beschränkt: Wieder zurück in Bochum musste Mirjam die Daten statistisch auswerten und sorgfältig dokumentieren, damit die Ergebnisse ihrer Untersuchungen anderen Verhaltensbiologen zur Verfügung stehen. Andere Studierende können Mirjams Freilandprojekt also nun fortsetzen und erfahren, was für ein Gefühl es ist, sich morgens von einer Gruppe Meerkatzen wecken zu lassen.

Diadem-Meerkatzen (Cercopithecus mitis)

Diadem-Meerkatzen sind Baumbewohner, die sich überwiegend von Blättern und Früchten ernähren. Sie kommen in den Regenwäldern Zentral-, Ost- und Südafrikas sowie im Kongobecken vor. Die Tiere werden vier bis sechs Kilogramm schwer, erreichen eine Kopf-Rumpflänge von rund 50 bis 65 cm und eine Schwanzlänge von etwa 75 cm. Die Männchen werden größer als die Weibchen. Diadem-Meerkatzen bilden polygyne Gruppen von rund 10 bis 40 Individuen: Ein „Alphamännchen“ steht einer Gruppe von Weibchen vor und den untergeordneten Männchen; das dominierende Männchen beansprucht das alleinige Paarungsrecht. Über den Augen haben Diadem-Meerkatzen eine helle bogenförmige Fellzeichnung, die an einen Schmuckreif erinnert und der sie ihren Namen verdanken.

Info: Wer wie Mirjam Nadjafzadeh ein zoologisches Praktikum im Ausland absolvieren möchte, sollte im Internet www.zoologenforum.de anklicken. Dort gibt es zudem Infos und Unterstützung für den Berufseinstieg im Zoo oder Museum, bei einem Naturschutzverband, einer Biologischen Station etc.


Christina Heimken
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Letzte Änderung: 30.09.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik