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RUBENS 82 1. Oktober 2003

Leider kein Witz: Kühlschrank getauscht

Wundersamer Wechsel

Wie kommst Du Dir vor, wenn Du abends im eigenen Vorgarten Dein neues und gut laufendes Fahrrad abgestellt hast und am nächsten Morgen entdeckst, dass es mitgenommen worden ist? Nicht etwa ganz trivial geklaut, sondern ersetzt, und zwar durch ein grell angespraytes, schäbiges, fahruntüchtiges, schrottreifes Stück Sperrmüll, fein säuberlich genau so abgestellt wie das verschwundene Teil – und auf dem Ständer klemmt sogar brav Deine eigene Zeitung von gestern? Lustig?
Dergleichen lässt sich noch toppen, wenn man bedenkt, dass Fahrräder relativ mobile Teile sind, andere Gebrauchsgegenstände normalerweise aber eher an ihrem Platz verharren. Aus unserer Teeküche jedenfalls, die von verschiedenen Büros gemeinsam genutzt wird, ist Ende August über Nacht ein neuer, bestens funktionierender und sauberer Kühlschrank verschwunden. An seiner Stelle steht seitdem wie ein blechgewordener Alptraum ein alter, schmuddeliger, rostiger, funktionsunfähiger Sperrmüllbrocken, vorne rot angesprayt (vor vermutlich einem Menschenalter und wahrscheinlich von einem Alt-Hippie, der seine WG-Kumpels hasste): die Parodie eines Kühlschranks. Die Tür macht man besser gar nicht erst auf, wenn man keinen Ausschlag kriegen möchte. Der Inhalt des alten Neuen wurde von den Urhebern der Tauschaktion übrigens ordentlich umgeräumt in den versifften Bauch des neuen alten Monsters gepackt.
Eine nette Geste der Diebe, oder? Kompensation nach bescheidenen Kräften oder Indiz einer etwas kindlichen Vorliebe fürs Tauschen. Und doch: Wir fühlen uns von der netten Geste, die ja von sinnreicher Vorbereitung der Aktion spricht, doch eher veräppelt: Nicht nur das gute Stück ist weg, wir haben jetzt auch noch die Entsorgung des Neuzugangs zu übernehmen. Kühlaggregate sind schließlich Sondermüll, und der uns vermachte Schrotthaufen gehört sicher insgesamt in die Kategorie Sonder-Sondermüll. Es sei denn, es stellt sich noch heraus (aber das ist unwahrscheinlich), dass es sich um ein historisches Sammlerstück oder ein Kunstwerk handelt, sagen wir: um den Kühlschrank Karls des Großen oder das Erstlingswerk eines berühmtgewordenen Monochrom-Sprayers. In diesem Fall bitten wir um die nachträgliche Übermittlung der Adresse eines Galeristen oder eines Heimatmuseums.
Scherz beiseite. Sehr geehrte Ex-Besitzer des Schrott-Stücks und Neubesitzer unseres Kühlschranks: So lustig ist das nicht, zumindest nicht für uns. Wir konnten unseren Kühlschrank (den, der funktionierte) wirklich gut gebrauchen, und wir hatten nur ein Dreivierteljahr etwas von ihm. Wir verbringen fünf Tage der Woche im Büro, und zwar durchschnittlich für eine weitaus längere Zeit, als sie selbst der Verweildauer höherer Studentensemester entspricht. Oft fehlt die Zeit zum Essengehen, und auch sonst sind Kühlschränke nützlich – aber das scheint Ihr ja selbst gut genug zu wissen. Es ist ein ziemlich dämliches Gefühl, da es dort, wo man sich für einen erheblichen Teil seines Lebens aufhält, nicht mal so viel Privatsphäre gibt, dass privates Eigentum respektiert und einem nicht der Stuhl unter der Figur weggeklaut würde – dass man sich, wenn man seinen Wohnsitz Büro betritt, dauernd fragen muss: Wer hat denn heute nacht meine Sachen auf Brauchbares hin gesichtet? Dass man mit der Vorstellung leben muss: Der nächste Dieb wartet schon, er kann Deine Butterbrote brauchen, Deinen Kaffee, Deine Handtasche und das Laptop sowieso. Fängt man, von einem Diebstahl betroffen, an, mit anderen Bürobewohnern über das Thema Einbruch zu sprechen, wird es nicht besser: überall ähnliche Geschichten. Was nicht niet- und nagelfest ist, bekommt früher oder später Beine. Stabil vor Ort bleiben allenfalls solche Kühlschränke, die keinen Abtransport mehr lohnen. Wo sind wir hier in der Uni denn eigentlich? (Und diese Frage ist nicht im Sinne eines Arguments für mehr Wachdienste und andere Ordnungshüter gemeint.)
Aber sei es drum: Ab jetzt kommt halt ein Schloss auf die Teeküchentür; ab jetzt haben wir einen Arbeitsbereich, der durch verschlossene Türen verrammelt wird. Am besten noch eine Überwachungskamera. Wenn es erlaubt wäre (ist es aber nicht), einen Institutsschäferhund. Nein, werte Kühlschranktauscher, das war nicht so gut, auch wenn Ihr uns unsere Joghurts gelassen habt. Euer rotes Prunkstück könnt Ihr wiederhaben. Sollte einer wissen, wo das Ding herkommt, sind wir für Tipps dankbar. Ihr erreicht uns unter -28564. Wenn wir könnten, würden wir einen Sekt kaltstellen.
Komparatistik-Team
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