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RUBENS 81 1. Juli 2003

Dr. Pionier

Bilanz: Ein Jahr allgemeines Promotionskolleg der RUB


„Hätte ich meine Doktorarbeit innerhalb eines Graduiertenkollegs schreiben wollen, hätte ich mich vielleicht noch Jahre gedulden müssen. Als ich suchte, gab es in ganz Deutschland nichts Passendes zu meinem Thema“, erklärt Johannes Wamser. Für den 28-jährigen Diplomgeografen mit den Schwerpunkten Wirtschaftsgeografie und Projektmanagement stand allerdings fest, dass er in seiner Dissertation „Indien als Markt und Investitionsziel ausländischer Unternehmer“ analysiert. Schließlich hatte er bereits für längere Zeit in Indien geforscht und gearbeitet. Mit etwas Glück hätte er irgendwo in Deutschland an einem Lehrstuhl als Wissenschaftlicher Mitarbeiter landen können, um dort zu promovieren. Aber dann noch genügend Zeit für die Bearbeitung des Themas und weitere Forschungsreisen zu finden, wäre so wohl schwieriger geworden.
Ausreichend Geld, Zeit und Freiheit für die Forschung gewährt in solchen Fällen nur ein Stipendium. Johannes Wamser hat eines vom Allgemeinen Promotionskolleg der RUB. „Ohne dieses Stipendium hätte ich notgedrungen doch an eine andere Uni gehen müssen“, sagt er, „Vielen meiner Mit-Stipendiaten geht es genauso.“ 13 weitere junge Wissenschaftler (Stand: Mai 2003) gehören zum Kolleg: eine katholische Theologin, zwei Juristen, ein Historiker, eine Theaterwissenschaftlerin, drei Biolog/innen, eine weitere Geografin, ein klassischer Philologe, eine Chemikerin, ein Orientalist, ein Mathematiker und ein Philosoph. „Man sieht es sofort: Das kann kein Graduiertenkolleg im klassischen Sinne sein, dafür ist die Gruppe viel zu heterogen“, bringt es Prof. Uwe Abresch auf den Punkt. Der Mathematiker ist Sprecher der Betreuer des Kollegs, Johannes Wamser ist Sprecher der Stipendiaten.
Die Geschichte des Allgemeinen Promotionskollegs begann vor rund einem Jahr, nachdem das Land NRW das Gesetz, das die sog. individuelle Graduiertenförderung regelte, abschaffte und diese Förderung den Hochschulen überließ. Das Land stellte zwar wie gehabt Mittel zur Verfügung, diese waren jedoch nicht mehr zweckgebunden. An der RUB widerstand man der Versuchung, die etwa 300.000 Euro jährlich für Bücher oder Geräte auszugeben: Das Geld fließt weiterhin in die Förderung von Graduierten – allerdings unter anderen Voraussetzungen. War früher die Förderung einzige Gemeinsamkeit der bis zu 25 (individuellen) Stipendiaten der RUB, bilden sie jetzt eine Gemeinschaft, zusammen mit ihren Betreuern.
Dabei handelt es sich eher um eine Schicksals- als eine Zweckgemeinschaft. So enden die vorgeschriebenen Treffen der Stipendiaten (zwei in jedem Sommer-, drei in jedem Wintersemester) nicht nach den obligatorischen Vorträgen an der Uni, sondern in der Regel erst wesentlich später in einem privaten Rahmen. Auch fachlich haben sich die Expertin für Tanz und der angehende Fachmann fürs Internetrecht weit mehr zu sagen, als man annehmen könnte. Dass sich die Verhaltensbiologin für eine Forschungsmethode des Wirtschaftsgeografen interessiert, erstaunt da schon weniger.
Über den fachlichen Details schwebt als verbindendes Element ohnehin das „große Problem Promotion“, wie Johannes Wamser es nennt. Doch genau dieses Problem geht die Gruppe gemeinsam und mit großem Erfolg an. Man hilft sich mit Tipps weiter und spornt sich gegenseitig zu schnellerem, effizienterem Arbeiten an. Auch Prof. Abresch wundert sich über diese Eigendynamik und sieht die Kernziele des Promotionskollegs bereits jetzt verwirklicht: Blick über die Fächergrenzen, kürzere Promotionszeiten und geringere Abbrecherquoten.
Doch die Promotion an sich ist nicht das einzige gemeinsame Schicksal der Stipendiaten: „Im Grunde genommen sind wir als erste Teilnehmer am Allgemeinen Promotionskolleg so etwas wie Pioniere“, erläutert Johannes Wamser, „Uns war zu Beginn völlig freigestellt, wie wir das Kolleg gestalten – so lange es kein Geld kostet.“ Die Universitätskommission für Forschung (UKF), die im letzten Jahr das Allgemeine Promotionskolleg ins Leben gerufen hat, schuf bewusst nur den Rahmen.
Ihn mit Leben zu füllen, war Aufgabe der Pioniere. Gefüllt wurde er bislang mit zwei Blockveranstaltungen. Am Schreibzentrum der RUB erfuhren die Stipendiaten im letzten Herbst einen Tag lang alles Wissenswerte zum Thema „Schreiben einer Dissertation“; im Weiterbildungszentrum erlernten sie im Mai an zwei Tagen „Rhetorik, Vortragstechnik und Vortragsverhalten“. „Beide Blöcke werden fortan zum Regelprogramm gehören“, verspricht Prof. Abresch.
Für weitere Fort- und Weiterbildungen fehlt allerdings das Geld. Das Rektorat der RUB stellt dem Allgemeinen Promotionskolleg zwar ein Budget zur Verfügung, „doch davon sollen in erster Linie die Stipendien finanziert werden“, betont Prof. Abresch. Nur falls doch einmal ein Stipendium vor Ablauf zurückgegeben wird, gewinne man einen gewissen finanziellen Spielraum. Auch Johannes Wamser misst dem Stipendium als solchem die höchste Priorität bei: „Das ist ja auch ein eminent wichtiges Instrument für die Ruhr-Uni, junge Spitzenforscher zu behalten, deren Forschungsthema zufällig gerade nicht in ein thematisch fest umrissenes Graduiertenkolleg passt.“ Prof. Abresch ergänzt: „Wichtig ist nur, dass die Förderung wirklich verlässlich ist.“

Promovieren
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten zu promovieren. Wer eine – i. d. R. befristete – Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter bekommen kann und mag, steht als „interner“ Doktorand auf der Gehaltsliste der Hochschule (oder sonstigen wissenschaftlichen Einrichtung) und bezieht so sein Geld. Am Institut oder Lehrstuhl forscht er oder sie zur Dissertation und ist darüber hinaus fest in den üblichen wissenschaftlichen Betrieb (Lehrveranstaltungen, Betreuung von Diplomarbeiten etc.) eingebunden.
Wer keine Stelle hat und folglich „extern“ promoviert, benötigt andere Einkommensquellen. Das kann ein normaler Arbeitsplatz sein oder ein Stipendium. Stipendiaten gibt es zum einen an den zahlreichen Graduiertenkollegs (allein die RUB besitzt 17), die projektbezogen und thematisch begrenzt forschen. Stipendien vergeben zum anderen politische Institutionen wie die Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD) oder die Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU). Unpolitisch und keinen thematischen Zwängen unterlegen war bis zum Jahre 2002 die per Landesgesetz vorgeschriebene individuelle Graduiertenförderung. Nach Streichung des entsprechenden Gesetzes folgte ihr an der RUB das Allgemeine Promotionskolleg.

Allgemeines Promotionskolleg – Überblick
Die Stipendien des Allgemeinen Promotionskollegs ermöglichen Doktorand/innen der Geistes- und Naturwissenschaften eine interdisziplinäre, begleitende und systematische Förderung ihrer individuellen Forschungsvorhaben. Die Stipendiaten schreiben ihre thematisch nicht gebundenen Arbeiten unter einem Dach. Sie verpflichten sich, an den begleitenden Veranstaltungen (zwei im Sommer-, drei im Wintersemester) des Kollegs teilzunehmen und diese per Vortrag und Diskussion aktiv mitzugestalten. Zusätzlich werden sie geschult und weitergebildet (z. B. Rhetorik, Vortrag) und erhalten Kontaktmöglichkeiten zu Wissenschaft und Wirtschaft.
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Zehn neue Stipendiat/innen hat das Allgemeine Promotionskolleg am 4.6. aufgenommen. „Der thematische Reigen ist breit“, betonte der Prorektor für Forschung und Wissenstransfer, Prof. Jörg Winter, bei der Verleihung der Stipendien. Die Themen der Doktorarbeiten reichen von der Katholischen Theologie über bis zur Biochemie. Insgesamt arbeiten im Kolleg nun 22 Nachwuchswissenschaftler/innen.
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Bewerben können sich Absolvent/innen aller Fachrichtungen, die einen Hochschulabschluss haben, der zur Promotion berechtigt. Gefördert werden sie entweder mit einem Grundstipendium (Dauer: zwei Jahre) oder mit einem Abschlussstipendium (sechs Monate) für Dissertationen, die ein überdurchschnittliches Ergebnis erwarten lassen. Die Höhe des Stipendiums beträgt monatlich 750 Euro plus 50 Euro Pauschale für Sach- und Reisekosten plus eventuell 100 Euro Kinderzuschlag.
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Infos und Anträge: Reinhard Zwink, Dezernat 2, Forschungs- und Studierendenförderung, FNO 1/142, Tel. –25484

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Letzte Änderung: 30.06.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik