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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Uni Istanbul:
550 Jahre am Goldenen Horn
Serie:
Unsere Partneruniversitäten
Am 30. Mai feierte die Istanbul Universität als eine
der ältesten Universitäten der Welt mit großem
Pomp, Zeremonien und wissenschaftlichen Symposien den
550. Jahrestag ihrer Gründung. Bei den Feierlichkeiten
war auch eine Delegation der Ruhr-Uni anwesend, da beide
Hochschulen seit Oktober 1995 miteinander kooperieren
und in einigen Fachbereichen einen regen Studentenaustausch
pflegen.
Schon einen Tag nach der Eroberung Konstantinopels
ließ der Osmanische Herrscher Fatih Sultan Mehmet
ein philosophisch-theologisches Ausbildungskloster gründen,
das den Grundstein der heutigen Universität bilden
sollte. Später kamen medizinische sowie rechts-,
literatur- und naturwissenschaftliche Institute hinzu.
Lange Zeit rekrutierten sich bedeutende Teile der osmanischen
Elite aus dieser Hochschule, doch mit dem Niedergang des
Osmanischen Reiches verkam auch die Universität,
die zunehmend unfähig war, die wissenschaftlichen
und strukturellen Veränderungen Europas zu übernehmen.
Der Wendepunkt kam 1933 durch das Zusammentreffen von
zwei Ereignissen: Kemal Atatürk, Gründer der
Türkischen Republik, plante eine umfassende Modernisierung
der Universität, um den wissenschaftlichen Anschluss
an den Westen zu erzielen. Im gleichen Jahr gelangten
die Nationalsozialisten in Deutschen an die Macht und
ein Strom von jüdischen, sozialdemokratischen und
kommunistischen Wissenschaftlern fing an, Deutschland
zu verlassen. Ein Teil von ihnen fand Asyl in der Türkei
und wurde mit der Aufgabe betraut, die Modernisierung
der Istanbul Universität durchzuführen. In
einem historisch einmaligen Vorgang bekamen mehrere Dutzend
politische Flüchtlinge nahezu uneingeschränkte
Befugnisse, die damals einzige Universität des Landes
strukturell und akademisch neu aufzubauen. Sie gründeten
Fakultäten, stellten Personal ein und erarbeiteten
eine moderne Universitätsverfassung.
Die eingeleiteten Veränderungen waren so umfangreich,
dass Insider von der zweiten Gründung der Istanbul
Universität sprechen. Bei den Feierlichkeiten im
Mai diesen Jahres wurde daher auch besonders diesen deutschen
Wissenschaftlern gedacht, die teilweise erst viele Jahre
nach Kriegsende wieder nach Deutschland zurückzogen.
Heute ist die Istanbul Universität eine Volluniversität
mit ca. 60.000 Studenten, die von 2.000 Hochschullehrern
unterrichtet werden. Als eine von 80 Universitäten
des Landes befindet sie sich erneut in einem Reformationsprozess,
um gegen die vielen neuen privaten Hochschulen bestehen
zu können. Die meisten Fakultäten befinden sich
immer noch im alten Kern von Istanbul südlich des
Goldenen Horns, aber mittlerweile sind viele Institute
hinzugekommen, die sich über weite Teile der Stadt
erstrecken. Mitten in einer der faszinierendsten Metropolen
der Welt gelegen, hat sich um den Campus ein studentisches
Flair entwickelt, in dem es sich gut leben und studieren
lässt.
Infos: Bochumer Studierende, die für einige Semester
den Kohlenpott mit dem Bosporus tauschen möchten,
können sich an Jutta Schmid im Akademischen Auslandsamt
der RUB wenden: Tel. 32-28763, E-Mail: Jutta.Schmid@uv.rub.de
Uni Istanbul im Netz: www.istanbul.edu.tr/ Prof. Onur Güntürkün
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