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RUBENS 81 1. Juli 2003

Hürden abgebaut

Deutsch als Fremdsprache: Hintergründe, Infos und Aussagen aktueller Kursteilnehmer


Ausländische Studierende fanden bisher nur schwer den Weg nach Deutschland – obwohl der Studienstandort Deutschland für sie interessant ist, wie die Mitarbeiter des Dezernats 2 (Internationale Angelegenheiten, Forschungs- und Studierendenförderung) auf vielen Bildungsmessen im Ausland festgestellt haben. Die Studierenden schreckten bislang im wesentlichen zwei Hemmschwellen: die mangelnde internationale Kompatibilität der deutschen Studienabschlüsse und die Sprachhürde.
Das erste Hemmnis gilt für die RUB längst nicht mehr, inzwischen bietet sie etwa 100 internationale Abschlüsse an. Die zweite Hürde, der Erwerb deutscher Sprachkenntnisse, kann durch die Neustrukturierung der Abteilung Deutsch als Fremdsprache (DaF) im Dezernat 2 genommen werden. Da eine gestiegene Nachfrage ausländischer Studierender (DaF von der Grundstufe an) zu verzeichnen ist, ist zunächst das Angebot verändert worden. Hierzu wurde im letzten Jahr ein Pilotprojekt gestartet. Für die bislang kostenlosen Kurse wird seit dem WS 02/03 ein Entgelt erhoben; mit den Einnahmen wurden zusätzliche Lehrkräfte verpflichtet, um das Lehrangebot zu erweitern.
Bis zum WS 02/03 war es üblich, dass die Teilnehmer/innen nur eine Niveaustufe (Grundstufe oder Mittelstufe) pro Semester absolvieren konnten. Diese Fristen wurden neu festgelegt. Nun werden Pakete angeboten, die zwei Module pro Halbjahr beinhalten und damit den Semesterfristen entsprechen; Einstiege sind zum Oktober und April möglich. Sprachkursteilnehmer können nun innerhalb eines Jahres vom Niveau Grundstufe II bis zum Abschlusstraining vier zehnwöchige Module besuchen und viel Zeit sparen. Das angestrebte Ziel, die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang für internationale Studierende (DSH), lässt sich in einem Jahr – und nicht mehr wie bisher in zwei Jahren – erreichen. Anschließend können sie das Fachstudium aufnehmen. Zurzeit werden vier studienvorbereitende Kurse angeboten, die Teilnehmerstärke liegt im Schnitt bei 15 bis 18. Bei der DSH kooperiert die RUB übrigens zum ersten Mal eng mit der Uni Dortmund. Im September 2003 findet die Prüfung am selben Tag an beiden Unis statt.
Die Intensivkurse sind zweifellos eine Herausforderung für die Studierenden, denn die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden ist von 20 auf 22 erhöht worden. Zudem wurde das Curriculum gestrafft. So gibt es in der Regel nur ein bis zwei Wochen Pause zwischen den einzelnen Niveaustufen. Außerdem ergänzt eine Onlinephase die Präsenzphase. Die Abteilung DaF hat E-Learning-Module entwickelt, die sie den Lernenden zur Ergänzung und Vertiefung anbietet und die rege genutzt werden.
Zusätzlich zur DSH bietet DaF seit April 2002 viermal pro Jahr den an der RUB (Sprachlehrforschung) mitentwickelten „Test Deutsch als Fremdsprache (TestDaF)“ an. Der standardisierte Test erfordert spezielle technische Voraussetzungen, die das Multimedia Support Zentrum (MSZ) bereitstellt. Die technische Ausrüstung im dortigen Raum 1 wurde eigens angeschafft. Im MSZ finden nun nicht nur die Prüfungen statt, hier laufen auch drei- bis vierwöchige Intensiv-Vorbereitungskurse für den TestDaF.
Die Abteilung DaF kümmert sich neben dem Spracherwerb der Kursteilnehmer auch um ihre Integration in den deutschen Uni-Alltag. Zusammen mit dem Bereich Soziokulturelle Betreuung im Dezernat 2 werden die Studierenden auch außerhalb der Sprachkurse intensiv betreut. Sog. Interkulturelle Tutoren gestalten gemeinsam mit den DaF-Lehrkräften Studientage, an denen die Sprachkursteilnehmer u. a. Kontakt zu den Fakultäten knüpfen. Ziel ist, dass die Sprachkursteilnehmer bereits während der Sprachkurse in ihre Fakultäten hinein wachsen, damit ihnen die Aufnahme des Fachstudiums leichter fällt. Zudem stehen die Tutoren als Ansprechpartner für alle Probleme des studentischen Alltags zur Verfügung.
DaF pflegt außerdem den Kontakt zum Deutsch-Kolleg an der Tongji-Universität Shanghai. Hier (ebenso wie an der Jagiellonischen Universität Krakau) nimmt die Abteilung einmal pro Jahr die DSH ab und führt Forschungsvorhaben zur angewandten wissenschaftlichen Didaktik durch. Die Ergebnisse werden z. B. in die Entwicklung von interkulturellen Trainings fließen. In Zukunft strebt die Abteilung DaF in enger Zusammenarbeit mit ausländischen Partneruniversitäten an, gemeinsam Kriterien zur Studierendenauswahl zu entwickeln und den Austausch von Studierenden zu fördern.


DSH & TestDaF
Um von einer deutschen Hochschule eingeschrieben zu werden, müssen ausländische Studierende ausreichende Sprachkenntnisse nachweisen. Sie müssen entweder die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang für internationale Studierende (DSH) bestanden haben oder mit dem TestDaF (Test Deutsch als Fremdsprache) ein gewisses Niveau der Sprachfertigkeit nachweisen. Das geforderte TestDaF-Niveau variiert je nach Studiengang. Die beiden Prüfungen existieren nebeneinander. „Für welche Prüfung sich die Studierenden entscheiden, hängt von ihren persönlichen Zielen und Vorlieben ab“, so Beate Hermans, die zurzeit einen TestDaF-Intensiv-Vorbereitungskurs leitet. TestDaF läuft ausschließlich am Computer ab, bei der DSH sitzen die Kandidaten im mündlichen Teil einem Prüfer gegenüber. In jedem Fall durchlaufen die Kandidaten, je nach Anfangsniveau, zur Prüfungsvorbereitung Sprachkurse der Grundstufe (G II) und der Mittelstufe (M I, M II).
Während der Teilnahme an studienvorbereitenden Sprachkursen haben die Teilnehmer zwar einen Studentenausweis, dürfen im Wohnheim wohnen und das Studententicket nutzen, sie haben aber nicht wirklich Studentenstatus. Ihre Studienbescheinigungen sind auf das „nullte“ Semester ausgestellt. Daher haben sie für Deutschland keine Arbeitserlaubnis und können sich nicht in den gesetzlichen Krankenkassen versichern: Laut einem Urteil des Bundessozialgerichts von 1992 sind sie keine ordentlichen Studierenden. Sie sollten sich entweder im Heimatland für den Auslandsaufenthalt privat versichern – sofern das möglich ist – oder sich hier privat versichern, rät die AOK. Leider ist das oft teurer als die gesetzlichen Kassen und es werden nicht alle Leistungen übernommen. Sobald die Prüfung bestanden und die Einschreibung erfolgt ist, dürfen ausländische Studierende jobben und sich krankenversichern wie alle anderen auch.

 

Stimmen verschiedener Kursteilnehmer/innen

Cevval Bulut: "Ich habe in der Schule zu Hause in Antalya ein wenig Deutsch gelernt. An die RUB bin ich gekommen, weil ich eine Tante in Bochum habe und mein Vater an der RUB Bekannte hat. Außerdem hatte ich gehört, dass die Deutschkurse hier gut sein sollen. Bochum gefällt mir nicht so besonders, das Wetter ist schlecht! Ich möchte später Medizin studieren."

Eugenia Filatova: "Ich bin 23 Jahre alt und komme aus Moskau. Dort habe ich Wirtschaftswissenschaften studiert und viel fürs Radio gearbeitet. Deshalb möchte ich in Bochum Medienwissenschaft studieren. Bekannte haben mir die Uni und ihre Deutschkurse empfohlen. Als ich herkam, hatte ich erst drei Monate Deutsch gelernt, jetzt kann ich lesen und fast alles verstehen. Sprechen ist am schwierigsten. Kino und Fernsehen sind eine große Hilfe beim Lernen."

Levent Akberir: "Ich habe in der Türkei BWL studiert und mein Diplom gemacht. In Deutschland möchte ich weiter BWL studieren, dazu war ich zuerst in Düsseldorf. Da ich noch gar kein Deutsch konnte, habe ich dort einen Privatkurs belegt, aber die Kurse an der RUB sind viel besser! Außerdem habe ich hier viele Freunde gewonnen und möchte deshalb hier studieren. Noch wohne ich in Wuppertal, aber nach der Deutschprüfung ziehe ich in eine Studenten-WG."

Peng Zheng: "Ich bin vor über einem Jahr nach Deutschland gekommen und war zuerst in Augsburg. Ich konnte nur ein bisschen Deutsch. Ich möchte Maschinenbau studieren, das gibt es in Augsburg nicht, daher bin ich nach Bochum gekommen. Die Stadt ist in China sehr bekannt – wegen des Fußballs! Wir können die Bundesliga im Fernsehen sehen. Bochum ist eine internationale Stadt, und alle sind freundlich."

Ammar Saidi: "Ich bin 26 und komme aus Tunesien. Nach Bochum bin ich gekommen, weil die Abschlüsse hier international anerkannt sind. Außerdem habe ich eine Schwester in Essen. Bevor ich herkam, habe ich in Tunesien am Goethe-Institut einen Grundkurs in Deutsch belegt. Ich finde den Kurs und die Atmosphäre hier sehr angenehm. Was ich später studieren möchte, weiß ich noch nicht genau, wahrscheinlich Maschinenbau oder Informatik. Ich habe schon ein naturwissenschaftliches Studium absolviert und wollte eigentlich Biochemie studieren, aber da müsste ich noch mal fast von vorn anfangen, weil der Studienaufbau in den beiden Ländern so unterschiedlich ist."

Mehmet Türre: "Ich komme aus der Türkei, wo ich schon angefangen habe, Maschinenbau zu studieren. Das möchte ich hier weiter tun, weil ich glaube, dass Deutschland in Maschinentechnik keine Konkurrenz hat."

Anastasia Bulavina: "Ich komme aus Riga, der Hauptstadt von Lettland, und möchte vielleicht Wirtschaftswissenschaften studieren. Genaue Pläne habe ich aber noch nicht. Ich habe mich bei verschiedenen deutschen Uni beworben und von Bochum eine Zusage bekommen. Außerdem ist die RUB nah, denn ich wohne in Mülheim."

 

Dr. Barbara Dahlhaus & md
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Letzte Änderung: 30.06.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik