Hürden
abgebaut
Deutsch
als Fremdsprache: Hintergründe, Infos und Aussagen
aktueller Kursteilnehmer
Ausländische Studierende fanden bisher nur schwer
den Weg nach Deutschland obwohl der Studienstandort
Deutschland für sie interessant ist, wie die Mitarbeiter
des Dezernats 2 (Internationale Angelegenheiten, Forschungs-
und Studierendenförderung) auf vielen Bildungsmessen
im Ausland festgestellt haben. Die Studierenden schreckten
bislang im wesentlichen zwei Hemmschwellen: die mangelnde
internationale Kompatibilität der deutschen Studienabschlüsse
und die Sprachhürde.
Das erste Hemmnis gilt für die RUB längst
nicht mehr, inzwischen bietet sie etwa 100 internationale
Abschlüsse an. Die zweite Hürde, der Erwerb
deutscher Sprachkenntnisse, kann durch die Neustrukturierung
der Abteilung Deutsch als Fremdsprache (DaF) im Dezernat
2 genommen werden. Da eine gestiegene Nachfrage ausländischer
Studierender (DaF von der Grundstufe an) zu verzeichnen
ist, ist zunächst das Angebot verändert worden.
Hierzu wurde im letzten Jahr ein Pilotprojekt gestartet.
Für die bislang kostenlosen Kurse wird seit dem
WS 02/03 ein Entgelt erhoben; mit den Einnahmen wurden
zusätzliche Lehrkräfte verpflichtet, um das
Lehrangebot zu erweitern.
Bis zum WS 02/03 war es üblich, dass die Teilnehmer/innen
nur eine Niveaustufe (Grundstufe oder Mittelstufe) pro
Semester absolvieren konnten. Diese Fristen wurden neu
festgelegt. Nun werden Pakete angeboten, die zwei Module
pro Halbjahr beinhalten und damit den Semesterfristen
entsprechen; Einstiege sind zum Oktober und April möglich.
Sprachkursteilnehmer können nun innerhalb eines
Jahres vom Niveau Grundstufe II bis zum Abschlusstraining
vier zehnwöchige Module besuchen und viel Zeit
sparen. Das angestrebte Ziel, die Deutsche Sprachprüfung
für den Hochschulzugang für internationale
Studierende (DSH), lässt sich in einem Jahr
und nicht mehr wie bisher in zwei Jahren erreichen.
Anschließend können sie das Fachstudium aufnehmen.
Zurzeit werden vier studienvorbereitende Kurse angeboten,
die Teilnehmerstärke liegt im Schnitt bei 15 bis
18. Bei der DSH kooperiert die RUB übrigens zum
ersten Mal eng mit der Uni Dortmund. Im September 2003
findet die Prüfung am selben Tag an beiden Unis
statt.
Die Intensivkurse sind zweifellos eine Herausforderung
für die Studierenden, denn die Zahl der wöchentlichen
Unterrichtsstunden ist von 20 auf 22 erhöht worden.
Zudem wurde das Curriculum gestrafft. So gibt es in
der Regel nur ein bis zwei Wochen Pause zwischen den
einzelnen Niveaustufen. Außerdem ergänzt
eine Onlinephase die Präsenzphase. Die Abteilung
DaF hat E-Learning-Module entwickelt, die sie den Lernenden
zur Ergänzung und Vertiefung anbietet und die rege
genutzt werden.
Zusätzlich zur DSH bietet DaF seit April 2002 viermal
pro Jahr den an der RUB (Sprachlehrforschung) mitentwickelten
Test Deutsch als Fremdsprache (TestDaF)
an. Der standardisierte Test erfordert spezielle technische
Voraussetzungen, die das Multimedia Support Zentrum
(MSZ) bereitstellt. Die technische Ausrüstung im
dortigen Raum 1 wurde eigens angeschafft. Im MSZ finden
nun nicht nur die Prüfungen statt, hier laufen
auch drei- bis vierwöchige Intensiv-Vorbereitungskurse
für den TestDaF.
Die Abteilung DaF kümmert sich neben dem Spracherwerb
der Kursteilnehmer auch um ihre Integration in den deutschen
Uni-Alltag. Zusammen mit dem Bereich Soziokulturelle
Betreuung im Dezernat 2 werden die Studierenden auch
außerhalb der Sprachkurse intensiv betreut. Sog.
Interkulturelle Tutoren gestalten gemeinsam mit den
DaF-Lehrkräften Studientage, an denen die Sprachkursteilnehmer
u. a. Kontakt zu den Fakultäten knüpfen. Ziel
ist, dass die Sprachkursteilnehmer bereits während
der Sprachkurse in ihre Fakultäten hinein wachsen,
damit ihnen die Aufnahme des Fachstudiums leichter fällt.
Zudem stehen die Tutoren als Ansprechpartner für
alle Probleme des studentischen Alltags zur Verfügung.
DaF pflegt außerdem den Kontakt zum Deutsch-Kolleg
an der Tongji-Universität Shanghai. Hier (ebenso
wie an der Jagiellonischen Universität Krakau)
nimmt die Abteilung einmal pro Jahr die DSH ab und führt
Forschungsvorhaben zur angewandten wissenschaftlichen
Didaktik durch. Die Ergebnisse werden z. B. in die Entwicklung
von interkulturellen Trainings fließen. In Zukunft
strebt die Abteilung DaF in enger Zusammenarbeit mit
ausländischen Partneruniversitäten an, gemeinsam
Kriterien zur Studierendenauswahl zu entwickeln und
den Austausch von Studierenden zu fördern.
DSH & TestDaF
Um von einer deutschen Hochschule eingeschrieben zu
werden, müssen ausländische Studierende ausreichende
Sprachkenntnisse nachweisen. Sie müssen entweder
die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang
für internationale Studierende (DSH) bestanden
haben oder mit dem TestDaF (Test Deutsch als Fremdsprache)
ein gewisses Niveau der Sprachfertigkeit nachweisen.
Das geforderte TestDaF-Niveau variiert je nach Studiengang.
Die beiden Prüfungen existieren nebeneinander.
Für welche Prüfung sich die Studierenden
entscheiden, hängt von ihren persönlichen
Zielen und Vorlieben ab, so Beate Hermans, die
zurzeit einen TestDaF-Intensiv-Vorbereitungskurs leitet.
TestDaF läuft ausschließlich am Computer
ab, bei der DSH sitzen die Kandidaten im mündlichen
Teil einem Prüfer gegenüber. In jedem Fall
durchlaufen die Kandidaten, je nach Anfangsniveau, zur
Prüfungsvorbereitung Sprachkurse der Grundstufe
(G II) und der Mittelstufe (M I, M II).
Während der Teilnahme an studienvorbereitenden
Sprachkursen haben die Teilnehmer zwar einen Studentenausweis,
dürfen im Wohnheim wohnen und das Studententicket
nutzen, sie haben aber nicht wirklich Studentenstatus.
Ihre Studienbescheinigungen sind auf das nullte
Semester ausgestellt. Daher haben sie für Deutschland
keine Arbeitserlaubnis und können sich nicht in
den gesetzlichen Krankenkassen versichern: Laut einem
Urteil des Bundessozialgerichts von 1992 sind sie keine
ordentlichen Studierenden. Sie sollten sich entweder
im Heimatland für den Auslandsaufenthalt privat
versichern sofern das möglich ist
oder sich hier privat versichern, rät die AOK.
Leider ist das oft teurer als die gesetzlichen Kassen
und es werden nicht alle Leistungen übernommen.
Sobald die Prüfung bestanden und die Einschreibung
erfolgt ist, dürfen ausländische Studierende
jobben und sich krankenversichern wie alle anderen auch.
Stimmen verschiedener Kursteilnehmer/innen
Cevval Bulut: "Ich habe in der Schule
zu Hause in Antalya ein wenig Deutsch gelernt. An die
RUB bin ich gekommen, weil ich eine Tante in Bochum
habe und mein Vater an der RUB Bekannte hat. Außerdem
hatte ich gehört, dass die Deutschkurse hier gut
sein sollen. Bochum gefällt mir nicht so besonders,
das Wetter ist schlecht! Ich möchte später
Medizin studieren."
Eugenia Filatova: "Ich bin 23 Jahre
alt und komme aus Moskau. Dort habe ich Wirtschaftswissenschaften
studiert und viel fürs Radio gearbeitet. Deshalb
möchte ich in Bochum Medienwissenschaft studieren.
Bekannte haben mir die Uni und ihre Deutschkurse empfohlen.
Als ich herkam, hatte ich erst drei Monate Deutsch gelernt,
jetzt kann ich lesen und fast alles verstehen. Sprechen
ist am schwierigsten. Kino und Fernsehen sind eine große
Hilfe beim Lernen."
Levent Akberir: "Ich habe in der Türkei
BWL studiert und mein Diplom gemacht. In Deutschland
möchte ich weiter BWL studieren, dazu war ich zuerst
in Düsseldorf. Da ich noch gar kein Deutsch konnte,
habe ich dort einen Privatkurs belegt, aber die Kurse
an der RUB sind viel besser! Außerdem habe ich
hier viele Freunde gewonnen und möchte deshalb
hier studieren. Noch wohne ich in Wuppertal, aber nach
der Deutschprüfung ziehe ich in eine Studenten-WG."
Peng Zheng: "Ich bin vor über einem
Jahr nach Deutschland gekommen und war zuerst in Augsburg.
Ich konnte nur ein bisschen Deutsch. Ich möchte
Maschinenbau studieren, das gibt es in Augsburg nicht,
daher bin ich nach Bochum gekommen. Die Stadt ist in
China sehr bekannt wegen des Fußballs!
Wir können die Bundesliga im Fernsehen sehen. Bochum
ist eine internationale Stadt, und alle sind freundlich."
Ammar Saidi: "Ich bin 26 und komme aus
Tunesien. Nach Bochum bin ich gekommen, weil die Abschlüsse
hier international anerkannt sind. Außerdem habe
ich eine Schwester in Essen. Bevor ich herkam, habe
ich in Tunesien am Goethe-Institut einen Grundkurs in
Deutsch belegt. Ich finde den Kurs und die Atmosphäre
hier sehr angenehm. Was ich später studieren möchte,
weiß ich noch nicht genau, wahrscheinlich Maschinenbau
oder Informatik. Ich habe schon ein naturwissenschaftliches
Studium absolviert und wollte eigentlich Biochemie studieren,
aber da müsste ich noch mal fast von vorn anfangen,
weil der Studienaufbau in den beiden Ländern so
unterschiedlich ist."
Mehmet Türre: "Ich komme aus der
Türkei, wo ich schon angefangen habe, Maschinenbau
zu studieren. Das möchte ich hier weiter tun, weil
ich glaube, dass Deutschland in Maschinentechnik keine
Konkurrenz hat."
Anastasia Bulavina: "Ich komme aus Riga,
der Hauptstadt von Lettland, und möchte vielleicht
Wirtschaftswissenschaften studieren. Genaue Pläne
habe ich aber noch nicht. Ich habe mich bei verschiedenen
deutschen Uni beworben und von Bochum eine Zusage bekommen.
Außerdem ist die RUB nah, denn ich wohne in Mülheim."
Dr.
Barbara Dahlhaus & md
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