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RUBENS 81 1. Juli 2003

4.500 Stunden für die Sauberkeit

Reportage: Auf Frühschicht mit der Putzkolonne in der G-Reihe


Es ist kurz nach vier Uhr morgens, dunkel. Die Hochhausklötze der RUB wirken wie ausgestorben, südlich hinter der G-Reihe hat man freie Parkplatzwahl. Plötzlich erhellen Pkw-Scheinwerfer die Nacht. Es folgen weitere, um Viertel nach vier parkt eine Hand voll Fahrzeuge vor GB. Eines steht quer vor den Parkboxen, abfahrbereit. Es gehört Cornelia Lichtenberg, Objektleiterin der Firma Rational.
Cornelia Lichtenberg koordiniert den Einsatz der Putzkolonne in der G-Reihe und in anderen Gebäuden der Uni. In den nächsten Stunden wird sie ihren Pkw noch häufig brauchen, um Material und Mitarbeiter, die selbst kein Auto haben, zu den verschiedenen Einsatzorten auf dem Unigelände zu fahren. Jetzt sitzt sie im Erdgeschoss in einem fensterlosen Raum mit mintfarbenen Wänden hinter ihrem Schreibtisch. Sie begrüßt die noch eintreffenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich in ausliegende Anwesenheitslisten eintragen und sich anschließend auf den Weg zu ihrem Einsatzort machen. Ihre Ausrüstung holen sich die Reinigungskräfte im gegenüberliegenden Materialraum: Handfeger, Müllsäcke, verschiedene Reinigungsmittel, Putzlappen, Wischer, Wassereimer. Mit beladenen Reinigungswagen schwärmen sie aus in die drei G-Hochhäuser, in denen tagsüber die Geisteswissenschaftler studieren. Etwa zehn Leute arbeiten zeitgleich in jedem der Gebäude; insgesamt beschäftigt Rational gut 100 Mitarbeiter an der Ruhr-Uni.
Nach einem schnellen Kaffee machen Cornelia Lichtenberg und ihre Kollegin Ursula Pisalski eine Runde durch die Gebäude. Ursula Pisalski ist Vorarbeiterin und macht ihren Job seit 13 Jahren, Doppelschicht. An ihre Arbeitszeiten, vier Stunden früh, Pause, dann Nachmittags ab 16 Uhr noch mal das Gleiche, hat sie sich inzwischen gewöhnt. Beide Frauen machen ihre Arbeit gern, obwohl sie oft hart ist. „Schauen Sie sich diese Schmierereien hier im Fahrstuhl an“, stöhnt Cornelia Lichtenberg. „Das ist wie im Kindergarten. Manchmal frage ich mich, wofür wir überhaupt sauber machen.“ In der GC-Cafete sieht es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Die Tische sind übersäht mit Flaschen, Papier, Zigarettenkippen. Dazwischen liegen angebissene Brötchen. Nach jedem Uni-Tag sieht es so aus, jeden Morgen beseitigen zwei Reinigungskräfte das Chaos: dreieinhalb Stunden einsammeln, sortieren, Putzen, Wischen; um halb acht muss alles wieder im Normalzustand sein. Bis zu zehn Müllsäcke wirft eine Cafeteria pro Tag ab.
In den Seminarräumen in GA sieht es oft fast genauso wüst aus. Olaf Beins flitzt dort jeden Morgen erst einmal durch, die Seminarräume gehören zu „seiner“ Etage. „Man weiß nicht, wie einem geschieht, wenn man morgens kommt“, erzählt er und schleppt einen blauen Müllsack zum Container draußen. An Tagen, an denen es besonders dreckig ist, muss er Prioritäten setzen, sonst kann er nicht alles bewältigen. Seit sieben Jahren ist er dabei. Die Frühschicht hat Olaf Beins bei den Geisteswissenschaftlern, nachmittags macht er bei den Sportlern sauber. Früher war er beim Wachdienst. „Nachdem sie meine Stelle dort gestrichen haben, hab´ ich mit dem Putzen angefangen“, erinnert er sich. Als er vom Container wieder reinkommt, fischt Olaf Beins weiße Gummihandschuhe aus seinem Putzwagen und beginnt, die Toiletten zu wischen. „Das hier mache ich nicht so gern. Manchmal ist es echt extrem. Wenn ich kurz vorm Würgen bin, ist die Schmerzgrenze erreicht. Ich stell mir dann vor, die Leute wissen nicht, wie sie ein Klo benutzen sollen – wie schaffen die das? Stellen die sich auf die Brille?“
Fünf Stockwerke höher kippt Gabriele Moj zwei Becher Wasser auf den Flurboden und fährt mit dem Wischer hinterher. Die gebürtige Polin reinigt auf ihrer Etage hauptsächlich Büros von Professoren und beneidet ihren Kollegen von unten nicht: Büros sind besser als Seminarräume. Eine afrikanische Kollegin findet das auch, sie ist gerade in einem anderen Büro beschäftigt. „Wenn du jeden Tag den Müll leerst, ist es nicht so viel“, lacht sie und kippt den Abfall aus dem Eimer in den großen blauen Beutel auf ihrem Wagen. Was sie in der Frühschicht nicht schafft, macht sie am späten Nachmittag. Dann trifft sie die Professoren und Mitarbeiter auf ihrem Stockwerk. „Manche fragen, wie es mir geht. Das freut mich.“
Draußen ist es inzwischen hell geworden. Cornelia Lichtenberg sprintet wieder einmal zu ihrem Auto, in der Hand eine Tüte voll frisch gewaschener Wischmöppe: sie versorgt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den entfernteren Gebäuden regelmäßig mit Material. Bevor ab acht Uhr die Studierenden kommen, macht sie die Runde noch häufig und sammelt die „Außendienstler“ zum Schichtende ein. Um 16 Uhr ist sie wieder in ihrem Büro. Spätschicht.

Hintergrund
An der RUB sorgen zwei Reinigungsunternehmen für Ordnung und Sauberkeit: Die Firma Schneider und Ehrit kümmert sich um die Reihen N und I sowie um das Isotopenlabor hinter N. Die Firma Rational sorgt in den übrigen Gebäuden dafür, dass man die Spuren eines langen Uni-Tages am nächsten Morgen nicht mehr sieht, so in der G-Reihe, im Audimax, in der Unibibliothek und im Botanischen Garten. Die Frühschicht dauert von vier bis acht h, die Spätschicht von 16 bis 20 h. Insgesamt arbeiten alle Reinigungskräfte zusammen 4.500 Stunden pro Woche, um die Uni sauber zu halten.

Christina Heimken
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Letzte Änderung: 30.06.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik