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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Trügerische
Idylle
Studiobühne
zeigt Balkonszenen
Eine imaginäre Fassade. Eine Türe. Ein Balkon.
Drinnen feiert die feine Gesellschaft bei Lachshäppchen
und Dauerhändeschütteln sich selbst, während
das Publikum Zeuge vom letzten Zufluchtspunkt der Party
wird: dem Balkon. Doch die Idylle der Julinacht ist trügerisch.
Der Balkon als Ort zum Luft schnappen und Ablassen
wird zur Kampfzone: Es wird gestritten, gelacht, gescherzt
und gekeilt zwischen Geschäftspartnern, Politikern,
Freunden und Eheleuten. Getrieben von persönlichen
Krisen und der Suche nach dem eigenen Ich manövrieren
sich die Personen in eine immer spitzere Situation: Eigentlich
ein schöner Abend, nur die falschen Leute.
Es entsteht der Eindruck, als hätte Autor John von
Düffel viele Gespräche belauscht, um diese Momentaufnahme
unserer bürgerlichen Gesellschaft zu zeichnen. In
dem Stück Balkonszenen spiegelt sich
unsere Zeit und Gesellschaft in einigen wenigen Charakteren
treffend wieder. Eine Zeit, in der Beziehungen eine geringe
Halbwertszeit haben, der Job schnell weg und das Konto
schnell leer sein kann. Im Eigentlichen, meint Düffel,
existiere dieses Stück als solches gar nicht. Es
sind einzig und allein Gespräche, Gesprächsfetzen,
wie im Vorbeigehen aufgeschnappt. Das Gemeinsame, was
diese nächtlichen Szenen und Fragmente verbindet,
sind Zeit und Ort der Handlung.
John von Düffel, auch als Romanautor bekannt und
mit dem aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet, wurde 1966
in Göttingen geboren. Er ist als Theater- und Filmkritiker,
Dramatiker und Übersetzer tätig und arbeitet
zurzeit als Dramaturg am Thalia Theater Hamburg. Letzten
Monat wurde auch sein Stück Rinderwahnsinn
im Musischen Zentrum aufgeführt. Die Balkonszenen
werden von Studierenden der verschiedensten Fachrichtungen
inszeniert.
John von Düffel: Balkonszenen; Premiere
ist am 26. Juli (Sa) um 19.30 h in der Studiobühne
des Musischen Zentrums (direkt an der Unibrücke).
Weitere Vorstellungen: 27., 28., und 29. Juli, 19.30 h;
Eintritt frei.
Karin
Freymeyer, Leiterin der Studiobühne
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