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RUBENS 81 1. Juli 2003

Alles KL(A)R!

Abschlussbericht der Projektgruppe Kosten- und Leistungsrechnung liegt vor


Nach dreieinhalb Jahren gab es als Anerkennung eine Urkunde von Kanzler Gerhard Möller. Zwischen November 1999 und Juni 2003 hatten die 13 Mitglieder der Projektgruppe Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) allerdings auch eine Menge Arbeit erledigt. Immerhin galt es, den Erlass des NRW-Wissenschaftsministeriums (MWF) vom August 1999 zur Einführung der KLR an den nordrhein-westfälischen Hochschulen umzusetzen. Gerhard Möller sprach ob der Größe der Gruppe und der Dauer des Einsatzes von „einer neuen Dimension der Projektarbeit“. Projektleiterin Martina Rothacker (Informations- und Kommunikationsdienste, Dezernat 6) war froh, am 5. Juni den 134 Seiten starken Abschlussbericht vorlegen zu können. Darin geht es um die „Einführung der KLR an der RUB“ und somit um einen Einschnitt ins tägliche Arbeitsleben, denn die RUB funktioniert nun fast wie ein Unternehmen.
Bereits seit 2001 arbeiten alle Unieinrichtungen mit Kostenarten. Wer etwas über die Zentrale Beschaffung (Dezernat 4) beziehen möchte, gibt seitdem seinem Warenwunsch eine Nummer, z. B. die 331 für die Kostenart „Literatur und Informationsversorgung“. Neben vielen anderen Nummern taucht sie seit November 2000 im Kostenartenhandbuch der RUB auf. Zusammen mit den Kostenstellen, der Leistungsrechnung und der Kostenumlage (Verursacherprinzip) bilden die Kostenarten das Herz der KLR. Sie wird in beinahe allen Unternehmen angewandt. Die KLR-Projektgruppe machte die Kosten- und Leistungsrechnung für die RUB tauglich.
Zunächst wurden also die Kostenarten benannt. Anschließend wurden anhand der bestehenden Ordnungsnummern die Kostenstellen zugeordnet und die Frage beantwortet: Wo genau entstehen die Kosten? Da laut MWF nur Lehreinheiten (als Erbringer der originären universitären Aufgaben Lehre und Forschung) Kostenstellen sein sollen, beschränkt sich ihre Zahl an der RUB auf 47. Hinzu kommen sechs sog. Endkostenstellen: Zentrale Wissenschaftliche Einrichtungen (wie das Institut für Soziale Bewegungen), die keine Lehre anbieten. Denn letztlich geht es darum zu ermitteln, welche Kosten eine bestimmte Lehreinheit (z.B. Germanistik) verursacht, wenn sie lehrt und forscht. Mit den Resultaten kann verglichen werden: Wie steht die Bochumer Germanistik im Verhältnis zu anderen Lehreinheiten an der RUB oder zur Germanistik in Münster dar? So wird Transparenz erzeugt.
Die Kostentransparenz gehörte zu den wichtigsten Zielen, die mit dem Einführen der KLR verbunden waren, andere Ziele lauteten: Förderung des Kostenbewusstseins; wirtschaftlicher Mittelverbrauch; Offenlegen des Ressourcenverbrauchs der Hochschule, langfristige Planung nach wirtschaftlichen Kriterien; Preisermittlung für innerbetriebliche Leistungsverrechnung und Entscheidungsunterstützung.
Dank der KLR besitzt nun jede Kostenstelle einen Überblick ihrer Kosten und hat ein geeignetes Steuerungsinstrument zur Hand. Einen Überblick verschafft sich seit April 2003 auch das MWF, das jährlich Berichte für die Kostenstellen der RUB erhält. Der Bericht enthält eine Übersicht der in der Lehreinheit entstandenen Kosten, aufgegliedert nach Kostenarten: Welche Personalkosten sind entstanden? Welche laufenden Sachkosten sind angefallen, z.B. für Literatur oder Fahrzeughaltung? Aufgelistet werden weiterhin Drittmittel, Studierendendaten (Zahl der Studierenden, Absolventen, Promotionen), Personaldaten und Nutzungsfläche.
Dabei fehlen zwei Punkte: Bewirtschaftungskosten (Energie, Reinigung, etc.) und Miete. Diese Kosten werden nach dem Verursacherprinzip umgelegt. Vereinfacht gesagt: Die RUB zahlt pro Jahr eine Summe X an Mietzins an den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW. Aufgrund ihrer räumlichen Größe entfallen davon Y Prozent auf die Lehreinheit Z. Ähnlich werden ihre Anteile für Strom, Wasser etc. ermittelt.
So weit, so gut. Doch was ist mit uns? Fragt sich z.B. die Unibibliothek (UB). Fragen sich auch der Botanische Garten, der Asta, die Kunstsammlung, die RUBENS-Redaktion oder das Akademische Auslandsamt. Fragt sich die gesamte Universitätsverwaltung (UV). Fragen sich noch viele mehr, die Kosten verursachen. Es sind allerdings keine Kosten, die direkt für Forschung und Lehre entstehen. Stattdessen unterstützen die Zentralen Einrichtungen (UB, Rechenzentrum, etc.) und die UV ausschließlich die Lehreinheiten bei deren Arbeit. Deshalb fließen diese Kosten als Sekundärkosten in die Bilanz der Lehreinheiten. Im Bericht ans MWF zählen sie zu den Bewirtschaftungskosten und wurden genau wie diese zuvor umgelegt – z. T. anhand eines vom Ministerium vorgegebenen Schlüssels, z. T. anhand von Kriterien der KLR-Projektgruppe.
Fassen wir zusammen: Die Projektgruppe hat alles, was an der RUB beschafft werden kann, als Kostenart neu definiert. Sie hat mit Hilfe der Ordnungsnummern 53 für Forschung und Lehre relevante Kostenstellen ausgemacht. Sie hat Schlüssel festgelegt, mit denen bestimmte Kosten umgelegt werden. Die Projektgruppe hat zudem Software entwickelt oder optimiert, mit der die KLR an der RUB fortan im Normalbetrieb läuft (übers Dezernat 4).
Bleiben die Leistungen. „Das ist der wunde Punkt“, konstatieren übereinstimmend Projektleiterin Martina Rothacker und Kanzler Gerhard Möller: „Darüber gibt es landesweit noch keinen Konsens.“ Leistungen könnten z.B. in den Bereichen Forschung und Lehre definiert werden. Zunächst losgelöst von den Entscheidungen auf Landesebene möchten Martina Rothacker und Gerhard Möller diese Frage innerhalb der Uni diskutieren.
Vorrang hat jedoch ein Folge-Projekt. Die Kostenrechnung soll in ein ein hochschulinternes Berichtswesens münden: u.a. mit detaillierten Berichten über die Kostenumlage.

Die Projektgruppe
Die Projektgruppe Kosten- und Leistungsrechnung begann ihre Arbeit im November 1999. Nach einer Weiterbildung sowie 55 Sitzungen zuzüglich vielen Treffen von thematisch spezialisierten Arbeitsgruppen endete die Arbeit am 5. Mai 2003 mit einer Feedback-Veranstaltung. Zu diesem Zeitpunkt gehörten der Projektgruppe folgende 13 Mitarbeiter/innen an: Ingrid Kalkühler-Hoffmann (Dez. 1), Christa Treuten (Dez. 2), Hans-Jürgen Weituschat (Dez. 3), Thorsten Buderus, Edith Dierks, Walter Kraut, Beate Sank (alle Dez. 4), Wolfgang Gröne (Dez. 5), Marius Grzybowski, Martina Rothacker (Projektleiterin), Hans-Dieter Tewes (alle Dez. 6), Gabriele Gregor (Dez. 7) und Britta Juhre (Unterstützung des Projektmanagements). Sie erhielten am 5. Juni als Anerkennung ihrer Leistung ein Zertifikat von Kanzler Gerhard Möller.

Infos im Netz: www.ruhr-uni-bochum.de/klr/

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Letzte Änderung: 30.06.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik