Ruhr-Universität Bochum zur Navigation zum Inhalt Startseite der RUB pix
Startseite UniStartseite
Überblick UniÜberblick
A-Z UniA-Z
Suche UniSuche
Kontakt UniKontakt

pix
 
Das Siegel
Naturwissenschaften Ingenieurwissenschaften Geisteswissenschaften Medizinische Einrichtungen Zentrale Einrichtungen
pix
RUBENS - Zeitschrift der RUB
RUBENS- Startseite

Lesen
Aktuelle Ausgabe
Archiv
¤Ausgabe Nr. 81
  ¤Artikel
pdf-Dateien

Service & Kontakt
Mediadaten
Redaktion
E-Mail Service
Kontakt

Volltextsuche
pix RUBENS - Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
 
 
 
    
pix
Artikel » Ausgabe 81 »Archiv » RUBENS » Pressestelle » Ruhr-Universität
pix pix
RUBENS 81 1. Juli 2003

Diskussionskultur

Editorial


Im Mai und Juni sah sich die RUB einer Fülle von lauten öffentlichen Protesten und wütenden Reaktionen aus Medien und von Privatpersonen ausgesetzt. Der aktuelle Gastprofessor Mesut Yilmaz trieb einige Hundert Demonstranten auf die Straße, vor dem IBZ durchbrachen einige die Absperrung, um lauthals den Vortrag des ehemaligen türkischen Ministerpräsidenten zu stören. Mit ihm reden oder diskutieren wollten sie bewusst nicht.
Einen Sturm der Entrüstung gar lösten Äußerungen von Prof. Joachim Wiemeyer (Christliche Gesellschaftslehre, Katholisch-Theologische Fakultät) in der ARD-Sendung Report am 2. Juni 2003 aus. Nach seinem Satz, „Und dann bin ich der Auffassung, dass wir vor allem für Jüngere medizinische Leistungen bereithalten müssten, aber nicht jede lebensverlängernde Maßnahme für sehr alte Leute noch durchführen müssen“, hagelt es Briefe und E-Mails mit Beschimpfungen, Unterstellungen, Ankündigungen von Strafanzeigen. Auch von Euthanasie war die Rede, manche stellten Vergleiche mit Mengele und der NS-Zeit an und forderten vom Rektor die Entlassung von Prof. Wiemeyer. Beschimpfen ja, mit ihm diskutieren nein, das wollten sie nicht.
Beruhigend, dass sich auch einige wenige besonnene Stimmen zu Wort meldeten und für sich erkannten, Wiemeyer habe mit seinen „ungeschickten Formulierungen“ der Gesellschaft letztlich einen „Dienst erwiesen“: Denn er habe eine Diskussion angestoßen, vor der sich die Politiker letztlich aus Opportunismus drücken.
Das Rektorat der Ruhr-Uni hat in beiden Fällen akademisch reagiert. Yilmaz ist unser Gast und als solcher genießt er unseren Schutz. Als Gastprofessor an einer Universität muss er sich aber Argumenten und Tatsachen stellen, und so ist jeder aufgerufen, sich in der Diskussion mit ihm direkt auseinander zu setzen. Im Falle Wiemeyer hat das Rektorat eine öffentliche Diskussionsveranstaltung „Gesundheit im Verteilungskampf – können wir uns alles leisten, was wir können“ organisiert und damit die Aufgabe der Universität in der Gesellschaft betont: das Gespräch über gesellschaftliche Entwicklungen zu fördern, eine breitere akademische Argumentationsgrundlage zu schaffen, ohne jemanden an den Pranger zu stellen.
Beide Fälle zeigen typische Probleme unserer Diskussionskultur. Es ist in Deutschland unüblich, dass ein Politiker wie Yilmaz die Seiten wechselt und sich der akademischen Diskussion stellt. Hierzulande sind Politiker sowieso generell dem Verdacht ausgesetzt, Dreck am Stecken zu haben. Bei Wiemeyer duldet es unsere „political correctnes“ nicht, dass Professoren sich mit provokanten Thesen in die Gesellschaft einmischen, die möglicherweise einen Dammbruch bedeuten können.
Da lob ich mir doch die Haltung von Voltaire, der Rousseau in einem Brief einst schrieb: „Mein Herr, ich verachte Ihre Ansichten! Aber ich werde stets dafür eintreten, dass Sie sie frei äußern können.“
jk
pfeil  voriger Artikel Themenübersicht nächster Artikel   pfeil
 
 
Zum Seitenanfang  Seitenanfang | Druckfassung dieser Seite
Letzte Änderung: 30.06.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik