Why Boro?
Auslandsstudium
in Middlesbrough
Andre Lang (28) studiert seit 1999 Publizistik-
und Kommunikationswissenschaft an der RUB. Das vergangene
Wintersemester verbrachte er im nordenglischen Middlesbrough.
In RUBENS schildert er seine Eindrücke.
Während meines 19-wöchigen Aufenthalts im
Nordosten Englands wurde mir keine Frage häufiger
gestellt als diese: Why Boro? Sie impliziert
einerseits die Verwunderung der Middlesbrougher gegenüber
Besuchern, die für Middlesbrough weiter reisen,
als sie es für London müssten. Andererseits
drückt die Frage einen Mangel an Selbstbewusstsein
gegenüber der Heimatstadt aus. Häufig hat
man das Gefühl, dass sich der Nordosten als Anhängsel
Englands fühlt, wo an erster Stelle London zählt,
genauso wie an zweiter und dritter. Mindestens. Selbst
im Nordosten gibt es mit Newcastle eine Stadt, die nicht
nur im Fußball erfolgreicher ist.
So manchen Einwohner hat Middlesbrough samt Umgebung
motiviert hart zu arbeiten, um der Stadt den Rücken
kehren zu können. Prominenteste Beispiele sind
der Musiker Chris Rea und der Regisseur Ridley Scott.
Er wurde durch die riesigen Industrieanlagen um Middlesbrough
zur Gestaltung der tristen Schauplätze für
den Film Blade Runner inspiriert.
Kaum in Middlesbrough angekommen und die ca. 7,5 qm
(50 Euro pro Woche) bezogen, ging es auch schon aufs
College. Die Lektoren waren äußerst hilfsbereit.
Studiert wird in kleinen Gruppen zu 10 bis 15 Studenten.
In meinem Fall waren es Seminare in Webpagedesign,
Digital Imaging, Video-Production und Desktop-Publishing.
Als College-Student hatte ich mit der Teesside-University
Middlesbrough nichts zu tun. Es ist aber empfehlenswert,
dennoch die students-union der Uni aufzusuchen.
Im Gegensatz zum College bietet sie sehr viele Möglichkeiten,
die Freizeit zu gestalten. Mit interlink
existiert dort eine Vereinigung der ausländischen
Studierenden, der man auch als College-Student beitreten
kann und die regelmäßig Partys oder Ausflüge
organisiert.
Nach meiner Erfahrung bleibt die Liste mit den Vorzügen
eines Studiums in Middlesbrough überschaubar.
Das gilt für die Stadt selbst und teilweise auch
fürs College. Die Umgebung hingegen ist durchaus
reizvoll, die (Steil-) Küste mit malerischen Fischerdörfern
ist nicht fern, und für einen Wochenendtrip bietet
sich Schottlands Metropole Edinburgh an. Das Nachtleben
Boros ist interessant und wird von den Studenten der
mitten in der Stadt gelegenen Uni dominiert. Es gibt
Clubs und Pubs verschiedenster Art, die aber spätestens
um halb drei morgens geräumt werden. Diese Regelung
mag mal einen Sinn gehabt haben, aktuell führt
sie lediglich dazu, dass die Clubbesucher früher
und schneller trinken, als sie sollten.
Wenn ich der Stadt Middlesbrough nicht viel Positives
abgewinnen kann, so gilt das nicht für ihre Einwohner.
Sie sind meist sehr herzlich, Ressentiments sind nicht
spürbar, man kommt schnell ins Gespräch
geht es auch nur darum zu erörtern, warum zum Teufel
man sich ausgerechnet für Boro entschieden
hat.
Infos:
Teesside-University Middlesbrough im Netz: www.tees.ac.uk/
Jobs in Middlesbrough: L.Boyle@tees.ac.uk
Middlesbrough-College: www.middlesbro.ac.uk
Telefon Student Service (Unterkunft, Freizeit, etc.):
0044-1642 296428
Ansprechpartnerin im Akademischen Auslandsamt der RUB:
Jutta Schmid, -28763, E-Mail: Jutta.Schmid@uv.rub.de
Anmerkung:
Zwischen Bochum und Middlesbrough besteht kein Arrangement
über eine Zusammenarbeit bei Sokrates/Erasmus;
hier ist eigenes Engagement gefragt.
André
Lang
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