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RUBENS 80 1. Juni 2003

Mehr Motivation, mehr Tempo

Reformiertes Geschichtsstudium


Vor einem Jahr brachen die Historiker an der RUB zu neuen Ufern auf – und unerwartet viele wollten mit: Mit der Ablösung des Magisters durch Bachelor und Master stieg die Zahl der Neueinschreibungen im Studienfach Geschichte im WS 02/03 um etwa 20 Prozent gegenüber dem WS 01/02 an (von 283 auf 343). Das gestufte Studium mit Zusatzqualifikationen im Optionalbereich (EDV, Fremdsprachen, Präsentation etc.) und international kompatibler Bewertung ist begehrt.
Die vielen neuen Studierenden brachten zunächst auch Probleme: „In einem Integrierten Proseminar saßen bis zu 150 Studierende“, erinnert sich Semra Ünlü vom Fachschaftsrat Geschichte, „das machte eine sinnvolle Arbeit unmöglich.“ Immerhin soll im Integrierten Proseminar zusätzlich zur Wissensvermittlung auch das wissenschaftliche Arbeiten gelehrt werden – schwierig, wenn man sich in überfüllten Räumen akustisch kaum verständigen kann. Die Dozenten reagierten schnell, teilten zu große Gruppen und übernahmen dadurch zusätzliche Lehrverpflichtungen. „Teilweise kamen und kommen auch Dozenten von anderen Unis“, so Semra Ünlü.
Die Situation wurde also schnell entschärft. Langfristig müssen aber andere Lösungen gefunden werden. Deshalb hat Dekan Prof. Norbert Frei dem Rektorat und den Dekanen der anderen geisteswissenschaftlichen Fakultäten in einem Bericht die gegenwärtige Lehrsituation in Geschichte geschildert. Frei macht auch auf den gestiegenen Beratungsaufwand aufmerksam. Neue Studierende brauchen schon vor dem Studium Beratung zu den Zugangsvoraussetzungen und zum Anforderungsprofil ihres Fachs, Magisterstudierende wollen ihr Studium beenden, so lange das noch möglich ist und suchen deswegen vermehrt Rat. Viel Arbeit bedeutet zudem das neue Bewertungssystem: Einzelne Leistungsnachweise, die zu den Modulen gehören, wollen überprüft sein.
„Mit diesem Bericht wollen wir eine Diskussion über dauerhafte Lösungen für unsere Überlast eröffnen“ so Prof. Frei. Dabei geht es ihm nicht darum, möglichst einfach die Anzahl der Studierenden zu verringern: „Einen internen NC lehne ich ab“, betont er. Erfahrungen anderer Fakultäten hätten gezeigt, dass man damit auch die leistungsfähigen Studierenden abschrecke und schließlich überhaupt keine Neueinschreibungen mehr habe. Mit seinem Lehrbericht möchte er auch eine grundsätzliche Debatte über die Qualität der Lehre an der RUB angesichts hoher Neuanmeldungen anstoßen. „Hier ist auch das Rektorat gefordert.“ Die Fachschaft plädiert für die Neueinstellungen von Dozenten, weiß aber, dass knappe Kassen dies derzeit nicht zulassen.
Momentan bemüht sich die Fakultät, die Studierendendaten effizienter zu verwalten, um Planungssicherheit zu erhalten. Offenbar gibt es Reibungsverluste in der Kooperation mit dem Zentralen Studierendensekretariat bei der Erfassung der tatsächlichen Neueinschreibungen. Verlässlichere Zahlen würden eine bessere Beratung und flexible Anpassungen an die tatsächliche Studierendenzahl ermöglichen, hofft Frei. Er schlägt vor, dass die Studierendendaten innerhalb der Fakultät verwaltet werden. Der damit verbundene erhöhte bürokratische Aufwand sei aber ein ungelöstes Problem.
Trotz aller Schwierigkeiten scheint die Fakultät auf einem guten Wege zu sein. Die Motivation der Studierenden und das Studiertempo sind gestiegen. Die bessere Beratung hat die Schwundquoten gesenkt und das Studium für alle Beteiligten effektiver gemacht.
Jürgen Tepr
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Letzte Änderung: 28.05.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik