Unter ferner
liefen
Die RUB
in den Ranglisten
Ja, so funktioniert es: Man muss nur die richtigen Kriterien
in die richtige Reihenfolge bringen, schon wird die RUB
zur persönlichen Traumuni für Psychologie: Therapie-/Experimentalräume;
Publikationen; Zitationen; Drittmittel;
Kurze Studiendauer falls jemand das
Prozedere nachvollziehen möchte, um die Ruhr-Uni
in einem Ranking mal auf Platz 1 zu sehen.
Leider ist das bloß ein Spiel. Es wartet irgendwo
im weiten Internet wahrscheinlich vergeblich
auf Mitspieler: www.stern.de/CHE4/CHE4?module=IndivAssistent&esb=31&step=2.
Außerdem: Wer interessiert sich bereits vor dem
Studienbeginn für Publikationen, Zitate und Drittmittel
wo doch sonst Kriterien locken wie Kontakt
Studierende Lehrende, Betreuung, Bibliothek,
Lehrangebot und Fachstudienberatung.
Gibt man diese Merkmale ins Persönliche Ranking
auf den Hochschulseiten der Zeitschrift Stern
ein, ändert sich das Bild schlagartig: Vorn liegt
nun die Uni Bamberg, die RUB fällt von Platz 1 auf
22 zurück. Aus der Traum.
Ein schwacher Trost bleibt: Die Kriterien, die uns auf
Platz 1 bringen, sind gemessene Fakten, während die
für Platz 22 verantwortlichen Merkmale Einschätzungen
sind. Sie bilden im eigentlichen, vom Stern publizierten
Ranking das Merkmal Gesamturteil Studierende.
In ihrem neuesten Hochschul-Ranking bieten Stern und
Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) einen Überblick
der deutschen Hochschullandschaft. Sie veröffentlichen
in der aktuellen Ausgabe von Campus & Karriere
Testergebnisse für 26 Fächer. Wie üblich,
wurden für jedes Fach fünf zum Teil wechselnde
Kriterien (Fakten oder Einschätzungen) entwickelt.
Das Gesamturteil der Studierenden und die
gemessene Studiendauer sind immer dabei, hinzu
kommen verschiedene zählbare Indikatoren für
Forschungsleistung (Drittmittel, Promotionen, Publikationen
etc.) oder Einschätzungen wie Professorentipp, Labor-
oder Bibliotheksausstattung.
Anhand der Fakten und Einschätzungen wird eingeordnet:
Gehört z. B. die Studiendauer der Bochumer
Chemie zur Spitzengruppe (grüner Punkt), zur Mittelgruppe
(gelb), zur Schlussgruppe (rot) oder wurde sie wegen zu
geringer Zahlen nicht gerankt (blau)? Genau das war der
Fall, sie wurde nicht gerankt. Mit maximal 10,2 Semestern
hätte sie sich einen grünen Punkt verdient.
Die Dortmunder Nachbarn erhielten mit 11,9 Semestern die
gelbe Karte, Duisburg/Essen sah mit 12,5 Semestern Rot.
Da die RUB die meisten der 26 analysierten Fächer
anbietet, taucht sie häufig auf. Stets weit oben,
weil die Hochschulen bei jedem Fach alphabetisch aufgeführt
sind. Erfolgte die Auflistung anhand der Fakten und
Urteile, würde die RUB meist im Mittelfeld unter
ferner liefen auftauchen. Man sieht fast
nur gelb, nur hier und da blau, rot oder grün. Ganz
arg erwischt hat es die RUB bei der erstmals gerankten
Medizin: dreimal rot (Studierendenurteil, Betreuung, Forschungsgeld),
einmal gelb (Professorentipp) und einmal blau ausgerechnet
über die Zahl der Patientenbetten pro Student lag
keine Angabe vor, hier hätte die RUB gewiss Pluspunkte
gesammelt.
Natürlich kann man auch diesem Ranking Schwächen
nachweisen. Vor allem handelt es sich um eine Mogelpackung,
da unter den 26 Fächern nur acht sind, für die
Daten von 2003 vorliegen (die für Psychologie sind
zwei, für die Ingenieurwissenschaften drei Jahre
alt). Dennoch basiert das Ranking auf Fakten sowie auf
den Einschätzungen von 130.000 Studierenden und 16.000
Professor/innen (nach Angaben des Stern). Was sie in Bochum
sehen ist leider nur: Mittelmaß.
Detaillierte Ergebnisse: www.stern.de/CHE4/CHE4
Kommentar: Geduld
Jetzt ist es also wieder in der Welt: Unsere Studierenden
und die deutsche Professorenschaft schätzen die
meisten Fächer an der RUB als mittelmäßig
ein. Gemeint sind, wenn man sich intensiver mit dem
Ranking von Stern und CHE beschäftigt, in erster
Linie die Studienbedingungen. Dazu gehören neben
der Ausstattung (Bücher, Labore, PCs etc.) vor
allem Betreuung, Beratung und das Lehrangebot.
Die Beurteilungen entstanden je nach Fach zwischen 1997
und 2003. Man kann hoffen, dass sich demnächst
die Werte der RUB verbessern: wenn in den Natur- und
Geisteswissenschaften die Vorteile der gestuften Studiengänge
durchschlagen, wenn bei den Ingenieuren neue Studiengänge
wie Umwelttechnik & Ressourcenmanagement oder IT-Sicherheit
berücksichtigt werden oder wenn die Reformen im
Medizinstudium greifen. Haben wir also Geduld und warten
das Ranking des Jahres 2006 ab.
Bis dahin mögen uns einige Tatsachen trösten:
unsere hochkarätigen Sonderforschungsbereiche,
unsere interdisziplinären Graduiertenkollegs, unsere
Vorreiterrolle bei den gestuften Studiengängen,
unsere stetig wachsende Beratung und Betreuung. All
das lockt nicht nur viele Humboldt-Stipendiaten aus
aller Welt nach Bochum (s. u.), sondern auch wieder
eine größere Zahl von Studierenden: Über
5.200 Studierende hatten sich zum WS 02/03 an der RUB
immatrikuliert, 300 mehr als im WS 01/02.
Humboldt-Stipendiaten
Zum Glück sind nicht alle Hochschul-Ranglisten
so unerfreulich: Im aktuellen Ranking der Alexander
von Humboldt-Stiftung belegt die RUB Platz 15 unter
280 deutschen Hochschulen. Kriterium ist die Attraktivität
einer Hochschule für ausländische Spitzenwissenschaftler,
konkret die Verteilung der Humboldt-Forschungsstipendiaten
auf deutsche Hochschulen 1998 bis 2002. 87 waren für
einen längerfristigen Forschungsaufenthalt (bis
zu 15 Monate) in Bochum zu Gast. Nach absoluten Zahlen
ist die Uni München Spitzenreiter mit 181 Gastwissenschaftlern.
Gewichtet nach Anzahl der Professuren (Gastwissenschaftler
pro 100 Professuren) führt die Uni Konstanz, die
RUB belegt Rang 20.
Infos: www.humboldt-foundation.de
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