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RUBENS 80 1. Juni 2003

Samariter in der Kunst

Ausstellung im Malakowturm


Bis zum 6. Juli zeigen die Abteilung für Geschichte der Medizin und die Medizinhistorische Sammlung der RUB die Ausstellung „Samariter, Arzt und Patient in der Kunst“. Zu sehen im Malakowturm sind 39 Holzschnitte, Radierungen, Kupferstiche, Lithografien, Tusche- und Bleistiftzeichnungen, Aquarelle aus dem gesamten 20. Jahrhundert.
Ausgangspunkt der vom Dresdner Institut für Geschichte der Medizin konzipierten Ausstellung war die 1979 entstandene Radierung „Am Bett einer Kranken“ des russischen Künstlers Anatoli Kaplan. In ihr hatten die Ausstellungsmacher die wichtigste Hilfe für den Kranken, „die menschliche Zuwendung“, in „unübertreffbarer Eindringlichkeit“ veranschaulicht gesehen. Folge war der Ansporn, weitere Arbeiten zu suchen, in denen das Verhältnis von Krankem und Helfer künstlerisch umgesetzt wird.
Das wohl bekannteste Symbol der „vorurteilsfreien Hilfsbereitschaft“ ist das Bild des barmherzigen Samariters. Eines der ältesten Werke zu diesem Thema ist ein Holzschnitt von Ernst Barlach (1919), der unter dem Eindruck des 1. Weltkrieges entstanden ist. Hier beugt sich der Helfer hinunter, um den Kranken aufzuheben. Dabei bilden die Konturen beider Personen eine optische Einheit, die vor dem Hintergrund der Kriegserfahrungen als Visualisierung einer wechselseitigen Abhängigkeit interpretiert werden kann: „Heute helfe ich dir, morgen kann ich selbst hilfsbedürftig sein.“ Erst wenige Jahre alt ist ein Werk des in Halle lebenden Uwe Pfeifer, zu dessen zentralen Themen die menschliche Isolation gehört. In seiner Farblithographie „Der barmherzige Samariter“ (1991) durchbricht ein Helfer diese Isolation: Er wendet sich einem Hilfsbedürftigen zu, der einsam auf dem Gehweg liegt. Offenbar sind vorher viele achtlos an ihm vorbeigegangen.
Eine weitere Gruppe von Werken erweitert das Thema des Samariters um die „professionalisierte Hilfe“. Werner Schinko etwa setzte seine Empfindungen in einer Hautklinik in zwei Radierungen um, die 1976 entstanden. Die eine demonstriert den „Machtunterschied“ zwischen fachkundigem Arzt und hilfsbedürftigem Kranken: Der Patient sitzt, demutsvoll blickend, völlig nackt und ausgeliefert vor dem Arzt, der ihn im vollen Bewusstsein seiner Profession und im Schutz seiner Berufskleidung am Arm untersucht. In der zweiten Radierung hebt Schinko diese Asymmetrie auf, in dem er in der gleichen Szene Arzt und Patient nackt darstellt und so Gleichrangigkeit symbolisiert.
Dritter Aspekt der Werkauswahl ist das Verhältnis von erkranktem Künstler und kunstinteressiertem bzw. kunstsammelndem Arzt. Aus der Hand des Zeichners Horst Janssen stammt eine Collage, die im Kontext der Begegnung des augenkranken Künstlers mit einem Augenarzt entstanden ist. Hier wird Zuwendung und Dankbarkeit, aber zugleich auch ein kritischer Blick auf die Begegnung deutlich.

Info: Die Ausstellung „Samariter, Arzt und Patient in der Kunst“ ist bis zum 6.7.03 im Malakowturm (Markstr. 258a) zu sehen, Öffnungszeiten: Mi. 9-12 u 14-18, Sa. 14-18, So. 11-18 h. Der Katalog mit Abbildungen aller Werke kostet 8,50 Euro und kann online (www.ruhr-uni-bochum.de/malakow/) bestellt oder im Malakowturm erworben werden.
Weitere Infos: Abteilung für Geschichte der Medizin und Medizinhistorische Sammlung, Tel. -23394.
Stefan Schulz
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Letzte Änderung: 28.05.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik