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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Samariter in
der Kunst
Ausstellung
im Malakowturm
Bis zum 6. Juli zeigen die Abteilung für Geschichte
der Medizin und die Medizinhistorische Sammlung der RUB
die Ausstellung Samariter, Arzt und Patient in der
Kunst. Zu sehen im Malakowturm sind 39 Holzschnitte,
Radierungen, Kupferstiche, Lithografien, Tusche- und Bleistiftzeichnungen,
Aquarelle aus dem gesamten 20. Jahrhundert.
Ausgangspunkt der vom Dresdner Institut für Geschichte
der Medizin konzipierten Ausstellung war die 1979 entstandene
Radierung Am Bett einer Kranken des russischen
Künstlers Anatoli Kaplan. In ihr hatten die Ausstellungsmacher
die wichtigste Hilfe für den Kranken, die menschliche
Zuwendung, in unübertreffbarer Eindringlichkeit
veranschaulicht gesehen. Folge war der Ansporn, weitere
Arbeiten zu suchen, in denen das Verhältnis von Krankem
und Helfer künstlerisch umgesetzt wird.
Das wohl bekannteste Symbol der vorurteilsfreien
Hilfsbereitschaft ist das Bild des barmherzigen
Samariters. Eines der ältesten Werke zu diesem
Thema ist ein Holzschnitt von Ernst Barlach (1919), der
unter dem Eindruck des 1. Weltkrieges entstanden ist.
Hier beugt sich der Helfer hinunter, um den Kranken aufzuheben.
Dabei bilden die Konturen beider Personen eine optische
Einheit, die vor dem Hintergrund der Kriegserfahrungen
als Visualisierung einer wechselseitigen Abhängigkeit
interpretiert werden kann: Heute helfe ich dir,
morgen kann ich selbst hilfsbedürftig sein.
Erst wenige Jahre alt ist ein Werk des in Halle lebenden
Uwe Pfeifer, zu dessen zentralen Themen die menschliche
Isolation gehört. In seiner Farblithographie Der
barmherzige Samariter (1991) durchbricht ein Helfer
diese Isolation: Er wendet sich einem Hilfsbedürftigen
zu, der einsam auf dem Gehweg liegt. Offenbar sind vorher
viele achtlos an ihm vorbeigegangen.
Eine weitere Gruppe von Werken erweitert das Thema
des Samariters um die professionalisierte Hilfe.
Werner Schinko etwa setzte seine Empfindungen in einer
Hautklinik in zwei Radierungen um, die 1976 entstanden.
Die eine demonstriert den Machtunterschied
zwischen fachkundigem Arzt und hilfsbedürftigem Kranken:
Der Patient sitzt, demutsvoll blickend, völlig nackt
und ausgeliefert vor dem Arzt, der ihn im vollen Bewusstsein
seiner Profession und im Schutz seiner Berufskleidung
am Arm untersucht. In der zweiten Radierung hebt Schinko
diese Asymmetrie auf, in dem er in der gleichen Szene
Arzt und Patient nackt darstellt und so Gleichrangigkeit
symbolisiert.
Dritter Aspekt der Werkauswahl ist das Verhältnis
von erkranktem Künstler und kunstinteressiertem bzw.
kunstsammelndem Arzt. Aus der Hand des Zeichners Horst
Janssen stammt eine Collage, die im Kontext der Begegnung
des augenkranken Künstlers mit einem Augenarzt entstanden
ist. Hier wird Zuwendung und Dankbarkeit, aber zugleich
auch ein kritischer Blick auf die Begegnung deutlich.
Info: Die Ausstellung Samariter, Arzt und
Patient in der Kunst ist bis zum 6.7.03 im Malakowturm
(Markstr. 258a) zu sehen, Öffnungszeiten: Mi. 9-12
u 14-18, Sa. 14-18, So. 11-18 h. Der Katalog mit Abbildungen
aller Werke kostet 8,50 Euro und kann online (www.ruhr-uni-bochum.de/malakow/)
bestellt oder im Malakowturm erworben werden.
Weitere Infos: Abteilung für Geschichte der
Medizin und Medizinhistorische Sammlung, Tel. -23394.
Stefan
Schulz
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