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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Auster oder Schildkröte
Serie Archivsplitter
Nur am Rande interessierten sich Mitte der 60er-Jahre
Planer und Erbauer der Ruhr-Universität (Baubeginn
1964) für die Ausgestaltung des Forums, der Mittelachse
des Campus mit den zentralen Gebäuden. Mit Hochdruck
entwickelte man zunächst Raumprogramme und bauliche
Konstruktion der Institutsgebäude, so dass zügig
und sukzessive mit ihrem Bau begonnen und der Lehr- und
Forschungsbetrieb in den Abteilungen aufgenommen werden
konnte. So nimmt es nicht wunder, dass sich im Rahmen
der stets weiter entwickelten Gesamtplanung eine Vielzahl
von Konzepten, Rohentwürfen, für die (äußere)
Gestalt eines Auditorium Maximum nebeneinander gesellten.
Heute ist dieses nur noch anhand von Lageplänen und
Modellfotografien nachzuvollziehen, ohne dass jedoch für
jede Variante eine Zuordnungen oder zeitliche Einordnungen
mit Gewissheit vorgenommen werden könnte.
Hatte zunächst noch das rampenartige Gebilde aus
dem Siegerentwurf des Ideenwettbewerbs (Architekten Hentrich
und Petschnigg, Düsseldorf) in das Modell des Gemeinsamen
Planungsbüros Eingang gefunden, sah man wenig später
Gebäude mit trapezförmigem Pultdach und trapezförmigen
bzw. dreieckigen Seitenwänden, Gebäude mit weit
heruntergezogenem, asymmetrischem Satteldach und anderes
mehr. Die weit ausladende schalenförmige Dachkonstruktion
aus dem Bebauungsplan 1965 hat dem Objekt
vermutlich die auch später noch verwendete Etikettierung
Auster eingetragen wohl mit etwas vermessenem
Blick auf die als schwangere Auster bezeichnete
frühere Berliner Kongresshalle.
Den Entwurf zur Realisierung des Audimax erarbeiteten
Hentrich-Petschnigg & Partner schließlich 1969.
Die vorgesehene nahezu kreisrunde Dachkonstruktion in
Betonfaltwerk sie war in Modellen schon 1967 zu
sehen forderte abermals zu einem Vergleich aus
dem Tierreich heraus: Riesenschildkröte.
Die ministerielle Zustimmung zum Entwurf war an die
Bedingungen geknüpft, dass das Dach durch eine kostengünstigere
Stahlkonstruktion realisiert und das Bauwerk im Hinblick
auf vielfältigere Nutzungsmöglichkeiten in vier
Hörsäle unterteilt wird. Mit vergleichsweise
wenig Planungsaufwand wurde dies erreicht durch einfache
Unterteilung des großen Saales, der so in seinem
Grundriss erhalten werden konnte. Dem Düsseldorfer
Rotstift fiel mit dieser Genehmigung im Übrigen noch
das Hörsaalzentrum West, bis dahin fester Bestandteil
der Gesamtplanung, zum Opfer.
Nach der Errichtung des Audimax im Rohbau 1972/73 und
der Feier des Richtfestes am 8. März 1974 erzwang
die Finanzlage des Landes jedoch einen Quasi-Baustopp.
Laut Rechenschaftsbericht des Rektorats 1974/75 galt auf
der einst so dynamischen Baustelle Ruhr-Universität
nun die Devise: Strecken bzw. Einfrieren.
So zogen sich Sanitär- und Elektroinstallation, Einbau
der Lüftungsanlage, des Gestühls etc. über
Jahre hin, bis schließlich am 10. Februar 1978
die feierliche Eröffnung begangen werden konnte.
Die lange Wartezeit mag den Pathos in den Worten Rektor
Meyer-Dohms erklären: realisiert habe sich nun die
Macht einer Idee.
Quelle: Universitätsarchiv: www.rub.de/archiv
Jörg
Lorenz
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