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RUBENS 80 1. Juni 2003


Auster oder Schildkröte

Serie Archivsplitter


Nur am Rande interessierten sich Mitte der 60er-Jahre Planer und Erbauer der Ruhr-Universität (Baubeginn 1964) für die Ausgestaltung des Forums, der Mittelachse des Campus mit den zentralen Gebäuden. Mit Hochdruck entwickelte man zunächst Raumprogramme und bauliche Konstruktion der Institutsgebäude, so dass zügig und sukzessive mit ihrem Bau begonnen und der Lehr- und Forschungsbetrieb in den Abteilungen aufgenommen werden konnte. So nimmt es nicht wunder, dass sich im Rahmen der stets weiter entwickelten Gesamtplanung eine Vielzahl von Konzepten, Rohentwürfen, für die (äußere) Gestalt eines Auditorium Maximum nebeneinander gesellten. Heute ist dieses nur noch anhand von Lageplänen und Modellfotografien nachzuvollziehen, ohne dass jedoch für jede Variante eine Zuordnungen oder zeitliche Einordnungen mit Gewissheit vorgenommen werden könnte.
Hatte zunächst noch das rampenartige Gebilde aus dem Siegerentwurf des Ideenwettbewerbs (Architekten Hentrich und Petschnigg, Düsseldorf) in das Modell des Gemeinsamen Planungsbüros Eingang gefunden, sah man wenig später Gebäude mit trapezförmigem Pultdach und trapezförmigen bzw. dreieckigen Seitenwänden, Gebäude mit weit heruntergezogenem, asymmetrischem Satteldach und anderes mehr. Die weit ausladende schalenförmige Dachkonstruktion aus dem „Bebauungsplan“ 1965 hat dem Objekt vermutlich die auch später noch verwendete Etikettierung „Auster“ eingetragen – wohl mit etwas vermessenem Blick auf die als „schwangere Auster“ bezeichnete frühere Berliner Kongresshalle.
Den Entwurf zur Realisierung des Audimax erarbeiteten Hentrich-Petschnigg & Partner schließlich 1969. Die vorgesehene nahezu kreisrunde Dachkonstruktion in Betonfaltwerk – sie war in Modellen schon 1967 zu sehen – forderte abermals zu einem Vergleich aus dem Tierreich heraus: „Riesenschildkröte“. Die ministerielle Zustimmung zum Entwurf war an die Bedingungen geknüpft, dass das Dach durch eine kostengünstigere Stahlkonstruktion realisiert und das Bauwerk im Hinblick auf vielfältigere Nutzungsmöglichkeiten in vier Hörsäle unterteilt wird. Mit vergleichsweise wenig Planungsaufwand wurde dies erreicht durch einfache Unterteilung des großen Saales, der so in seinem Grundriss erhalten werden konnte. Dem Düsseldorfer Rotstift fiel mit dieser Genehmigung im Übrigen noch das Hörsaalzentrum West, bis dahin fester Bestandteil der Gesamtplanung, zum Opfer.
Nach der Errichtung des Audimax im Rohbau 1972/73 und der Feier des Richtfestes am 8. März 1974 erzwang die Finanzlage des Landes jedoch einen Quasi-Baustopp. Laut Rechenschaftsbericht des Rektorats 1974/75 galt auf der „einst so dynamischen Baustelle Ruhr-Universität“ nun die „Devise: Strecken bzw. Einfrieren“. So zogen sich Sanitär- und Elektroinstallation, Einbau der Lüftungsanlage, des Gestühls etc. über Jahre hin, bis schließlich am 10. Februar 1978 die feierliche Eröffnung begangen werden konnte. Die lange Wartezeit mag den Pathos in den Worten Rektor Meyer-Dohms erklären: realisiert habe sich nun die „Macht einer Idee“.
Quelle: Universitätsarchiv: www.rub.de/archiv
Jörg Lorenz
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Letzte Änderung: 28.05.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik