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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Mehr Zulauf
als gewöhnlich
KoBra gegen
Jobmisere
"Im Moment haben selbst Topleute Probleme. Leute,
die wirklich gut sind, finden nicht mehr auf Anhieb einen
Job." Dass die Situation auf dem Stellenmarkt
nicht gerade rosig aussieht, ist keine Neuigkeit mehr.
Dr. Britta Freis von KoBra kennt die Herausforderungen,
vor denen heute Akademiker bei der Suche nach einem Arbeitsplatz
stehen.
KoBra steht für Koordinierungs- und Beratungsstelle
für den Berufseinstieg und will eine Brücke
zwischen Uni und Arbeitsmarkt schlagen. "Zurzeit
gibt es unheimlich viele Anfragen. Klar ist KoBra jetzt
auch bekannter als vor zwei Jahren, aber dieses Semester
ist der Zuwachs besonders groß." Die Studierenden
kommen nun auch aus Fakultäten, die früher keine
Probleme hatte. "Als die Konjunktur noch gut lief,
haben uns Ingenieure gefragt, welche Stelle sie nehmen
sollten, weil sie sich unter den Angeboten nicht entscheiden
konnten", so Freis. Heute ist häufig eher das
Gegenteil der Fall. "Man kann aber über kein
Fach Globalurteile abgeben. Es kommt sehr auf das jeweilige
Fachgebiet, die Spezialisierung an. Noch wichtiger sind
die Persönlichkeit und die eigenen Fähigkeiten
geworden."
Häufig Pech haben momentan Studenten, die nicht direkt
im Bereich ihres Studienfaches arbeiten wollen. "Früher
kamen viele Geisteswissenschaftler zu uns, die einen Quereinstieg
in die Wirtschaft wollten. Das hat auch oft geklappt.
Zurzeit haben Quereinsteiger eher schlechte Chancen. Die
Unternehmen besinnen sich mehr auf traditionell Ausgebildete."
Verändert hat sich zudem, dass die Studenten inzwischen
eher zu KoBra gehen. Nicht erst mit dem Diplom in der
Hand. Gerade jetzt ist es wichtig, schon während
des Studiums bei Praktika Kontakte zu knüpfen und
weiter zu pflegen. "Die Diplomarbeit sollte praxisorientiert
aufgebaut werden. Selbst wenn die Arbeit nicht direkt
in einer Firma geschrieben werden kann, können die
Studenten nach möglichen Themen fragen. Sie sollten
sich mit der Lösung aktueller Probleme beschäftigen.
Keine weitere Analyse des Münzsystems im Mittelalter."
Doch nicht nur die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt,
sondern auch die innerhalb der Uni verunsichern. "Noch
größer ist die Panik vor den Studienkonten
und Gebühren. Viele Langzeitstudenten fragen uns,
wie sie den Weg in die Wirtschaft finden können.
Einige schaffen ihren Abschluss noch vor der Einführung
der Studienkonten, andere gehen aber auch ohne. Die haben
natürlich schlechte Aussichten."
Die Hauptbetätigung der KoBra-Mitarbeiter ist das
Checken von Bewerbungsmappen und das Training von Vorstellungsgesprächen.
"Die Leute haben häufig kein gutes Händchen
dafür, sich selbst zu präsentieren, Marketing
in eigener Sache zu betreiben. Sie schreiben zwar
genau auf, von wann bis wann sie wo die Grundschule besucht
haben, vergessen aber zu sagen, was sie im Praktikum gemacht
haben", sagt Freis. Sie und ihre Kollegen versuchen
dann, aus den Ratsuchenden herauszukitzeln, was sie können
und was sie eigentlich im Berufsleben wollen. "Wenn
es bisher gar nicht geklappt hat, schauen wir, ob sich
der Student zu eng orientiert hat, ob es andere Bereiche,
Branchen gibt, die in Frage kommen."
Was ist aber, wenn die Absolventen trotz aller Anstrengungen
keinen Job finden? "Es ist schwer, allgemeine Tipps
zu geben. Man sollte aber nicht irgend eine Weiterbildung
anfangen oder sich in einer Dissertation vergraben, wenn
man hinterher nicht wissenschaftlich arbeiten will. Lieber
ein weiteres Praktikum oder ins Ausland gehen. Von den
Unternehmen wird es auch heute nicht mehr als problematisch
angesehen, wenn Absolventen sechs oder gar neun Monate
nach einer Stelle suchen. Früher ist man von drei
ausgegangen. Und letztlich schützt ein Studium immer
noch mehr vor der Arbeitslosigkeit als eine andere Ausbildung."
Während der Vorlesungszeit können Studenten
wieder mit ihren Fragen und Bewerbungsmappen zum KoBra-Info-Stand
im Mensa-Foyer kommen.
KoBra im Internet: http://www.ruhr-uni-bochum.de/careerservice/
Jessica
Piper
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