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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Chefin verabschiedet
Symposion
für die Sekretärin
Die wichtigste Person am Lehrstuhl ist die Sekretärin
- so lautete der Schlusssatz des offiziellen Teils des
"Chefin Symposions" am 12. April 2003 vom
Chef, Prof. Dr. Wilhelm Geerlings (Lehrstuhl für
Patrologie und Alte Kirchengeschichte, Katholisch-Theologische
Fakultät). Drei Stunden zuvor ahnte die Chefin Heide
Rohlmann von alledem noch nichts.
Erst Mittwoch am Lehrstuhl verabschiedet, war es nicht
ungewöhnlich, dass der Chef sie und ihren Mann (in
die Vorbereitungen eingeweiht) für den Samstag zu
einer "Fahrt ins Blaue" lud. Unter dem Vorwand
noch einen Kollegen mitzunehmen ging es dann über
den Kalwes ins Bischhöfliche Priesterseminar - schließlich
kam man in der festlich geschmückten Aula an. Alle
Mitarbeiter und viele Gäste, die in den vergangenen
15 Jahren irgendwann einmal dazu gehörten, hatten
sich hier versammelt - der Triumphmarsch aus "Aida"
erklang (gehört zu ihren Lieblingsstücken).
In diesem Moment gab Heide Rohlmann - handfest, mitunter
schon mal resolut, doch stets um jeden Einzelnen am Lehrstuhl
Sorge tragend - vielleicht zum ersten Mal die Fäden
aus der Hand: Die Überraschung war gelungen.
Die Chefin, Jahrgang 42, ist ein Kind des Ruhrgebiets.
Als Tochter eines Schießsteigers ließ auch
sie sich für den Bergbau ausbilden - zur Industriekauffrau.
Ihr Berufsleben begann 1958 in der Rechtsabteilung des
Rhein-Elbe-Bergbaus. Dort blieb sie auch - mit einer Stippvisite
bei Rhein-Stahl (später Thyssen) als Sekretärin
des Werksarztes und einer kurzen "Kinderpause",
als die Tochter geboren war - bis zum Wechsel an die Ruhr-Universität.
Heute sagt sie: "Millionen gingen damals durch
meine Hände, ich habe es nie verstanden, dass ich
an der Uni selbst für kleinste Beträge keine
Unterschrift leisten konnte."
Am Lehrstuhl hält sich bis heute das Gerücht
(sie kann sich nicht erinnern), dass sie beim Vorstellungsgespräch
unbedingt wissen wollte, warum ihre Vorgängerin aufgehört
habe. Auf die Begründung, diese sei zu oft zu spät
gekommen und zu früh gegangen, soll ihre Antwort
gewesen sein: "Da haben Sie keinen Führungsstil
bewiesen." Etwas verunsichert hatte das den Professor
damals doch, denn er hielt Rücksprache mit einem
Freund, seines Zeichens Psychologe, und der sagte nur:
"Die musst Du nehmen!" Wilhelm Geerlings
hat es nie bereut, dass er diesen Rat befolgte und
Heide Rohlmann hätte immer noch nicht aufgehört,
wenn "da nicht die Probleme mit dem Nacken wären".
Das Symposion (natürlich griechisch, denn hier kennt
man sich in alten Sprachen aus) beginnt: Sebastian Bialas,
Kunsthistoriker, der am Lehrstuhl derzeit seine Doktorarbeit
schreibt, referiert "Über die vanitäre
Schreibtischperformance GA 6/141" und spannt den
Bogen von einem berühmten Mosaik aus dem Mausoleum
der Galla Placidia im Ravenna des 5. Jahrhunderts bis
zu dem mit "Chefin" betitelten Büro. "Der
Performance-Künstlerin sei wichtig gewesen, das Büro
mit einer wohltemperierten Ordnung zu versehen, die in
steter Regelmäßigkeit und mit großem
Varientenreichtum konterkariert werden konnte". Viele
Beiträge folgen, dazwischen spielt Rosalie Hellmann,
die Latein und Musik studierte und jetzt am Lehrstuhl
promoviert, immer wieder ein Stück auf dem Flügel.
Dr. Johannes Arnold, der sich am Lehrstuhl habilitierte
und zum Wintersemester eine Professur in St. Georgen,
Frankfurt, antritt, spricht über die "Sieben
Dementis zum Abschied von Frau Rohlmann", darunter:
"Es wird dementiert, dass Frau Rohlmann, immer wenn
sie an einem Gottesdienst teilnahm, der von Prof. Geerlings
gehalten wurde, eine Kopie der Predigt in der Handtasche
haben musste. (Zutreffend ist, dass Prof. Geerlings immer
dann, wenn er sein Predigtmanuskript vergessen hatte,
hilfe- und ratsuchende Blicke auf Frau Rohlmann richtete.)"
Dr. Regina Görner, die Saarländische Ministerin
für Frauen, Familie, Arbeit und Soziales, einst Assistentin
am Lehrstuhl, erklärt, was eine gute Sekretärin
auszeichnet - und gemeinsam mit drei Mitarbeiterinnen
hat der Altsprachler Dr. Horst Schneider, Arbeitsbereich
Fontes Christiani, vier "Situationen aus dem Chefin-Leben"
einstudiert. Zur Freude aller hat er selbst die Rolle
der Frau Rohlmann übernommen.
Die Nachfolgerin Brigitte Domanski fühlt sich sehr
gut aufgenommen und dankt für die Einarbeitungsphase
mit vielen nützlichen Tipps. Unumwunden gibt sie
zu: "Ich habe ein schweres Erbe angetreten."
Barbara
Kruse
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