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RUBENS 79 1. Mai 2003

Chefin verabschiedet

Symposion für die Sekretärin


Die wichtigste Person am Lehrstuhl ist die Sekretärin - so lautete der Schlusssatz des offiziellen Teils des "Chefin Symposions" am 12. April 2003 vom Chef, Prof. Dr. Wilhelm Geerlings (Lehrstuhl für Patrologie und Alte Kirchengeschichte, Katholisch-Theologische Fakultät). Drei Stunden zuvor ahnte die Chefin Heide Rohlmann von alledem noch nichts.
Erst Mittwoch am Lehrstuhl verabschiedet, war es nicht ungewöhnlich, dass der Chef sie und ihren Mann (in die Vorbereitungen eingeweiht) für den Samstag zu einer "Fahrt ins Blaue" lud. Unter dem Vorwand noch einen Kollegen mitzunehmen ging es dann über den Kalwes ins Bischhöfliche Priesterseminar - schließlich kam man in der festlich geschmückten Aula an. Alle Mitarbeiter und viele Gäste, die in den vergangenen 15 Jahren irgendwann einmal dazu gehörten, hatten sich hier versammelt - der Triumphmarsch aus "Aida" erklang (gehört zu ihren Lieblingsstücken). In diesem Moment gab Heide Rohlmann - handfest, mitunter schon mal resolut, doch stets um jeden Einzelnen am Lehrstuhl Sorge tragend - vielleicht zum ersten Mal die Fäden aus der Hand: Die Überraschung war gelungen.
Die Chefin, Jahrgang 42, ist ein Kind des Ruhrgebiets. Als Tochter eines Schießsteigers ließ auch sie sich für den Bergbau ausbilden - zur Industriekauffrau. Ihr Berufsleben begann 1958 in der Rechtsabteilung des Rhein-Elbe-Bergbaus. Dort blieb sie auch - mit einer Stippvisite bei Rhein-Stahl (später Thyssen) als Sekretärin des Werksarztes und einer kurzen "Kinderpause", als die Tochter geboren war - bis zum Wechsel an die Ruhr-Universität. Heute sagt sie: "Millionen gingen damals durch meine Hände, ich habe es nie verstanden, dass ich an der Uni selbst für kleinste Beträge keine Unterschrift leisten konnte."
Am Lehrstuhl hält sich bis heute das Gerücht (sie kann sich nicht erinnern), dass sie beim Vorstellungsgespräch unbedingt wissen wollte, warum ihre Vorgängerin aufgehört habe. Auf die Begründung, diese sei zu oft zu spät gekommen und zu früh gegangen, soll ihre Antwort gewesen sein: "Da haben Sie keinen Führungsstil bewiesen." Etwas verunsichert hatte das den Professor damals doch, denn er hielt Rücksprache mit einem Freund, seines Zeichens Psychologe, und der sagte nur: "Die musst Du nehmen!" Wilhelm Geerlings hat es nie bereut, dass er diesen Rat befolgte und Heide Rohlmann hätte immer noch nicht aufgehört, wenn "da nicht die Probleme mit dem Nacken wären".
Das Symposion (natürlich griechisch, denn hier kennt man sich in alten Sprachen aus) beginnt: Sebastian Bialas, Kunsthistoriker, der am Lehrstuhl derzeit seine Doktorarbeit schreibt, referiert "Über die vanitäre Schreibtischperformance GA 6/141" und spannt den Bogen von einem berühmten Mosaik aus dem Mausoleum der Galla Placidia im Ravenna des 5. Jahrhunderts bis zu dem mit "Chefin" betitelten Büro. "Der Performance-Künstlerin sei wichtig gewesen, das Büro mit einer wohltemperierten Ordnung zu versehen, die in steter Regelmäßigkeit und mit großem Varientenreichtum konterkariert werden konnte". Viele Beiträge folgen, dazwischen spielt Rosalie Hellmann, die Latein und Musik studierte und jetzt am Lehrstuhl promoviert, immer wieder ein Stück auf dem Flügel.
Dr. Johannes Arnold, der sich am Lehrstuhl habilitierte und zum Wintersemester eine Professur in St. Georgen, Frankfurt, antritt, spricht über die "Sieben Dementis zum Abschied von Frau Rohlmann", darunter: "Es wird dementiert, dass Frau Rohlmann, immer wenn sie an einem Gottesdienst teilnahm, der von Prof. Geerlings gehalten wurde, eine Kopie der Predigt in der Handtasche haben musste. (Zutreffend ist, dass Prof. Geerlings immer dann, wenn er sein Predigtmanuskript vergessen hatte, hilfe- und ratsuchende Blicke auf Frau Rohlmann richtete.)"
Dr. Regina Görner, die Saarländische Ministerin für Frauen, Familie, Arbeit und Soziales, einst Assistentin am Lehrstuhl, erklärt, was eine gute Sekretärin auszeichnet - und gemeinsam mit drei Mitarbeiterinnen hat der Altsprachler Dr. Horst Schneider, Arbeitsbereich Fontes Christiani, vier "Situationen aus dem Chefin-Leben" einstudiert. Zur Freude aller hat er selbst die Rolle der Frau Rohlmann übernommen.
Die Nachfolgerin Brigitte Domanski fühlt sich sehr gut aufgenommen und dankt für die Einarbeitungsphase mit vielen nützlichen Tipps. Unumwunden gibt sie zu: "Ich habe ein schweres Erbe angetreten."

Barbara Kruse
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Letzte Änderung: 30.04.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik