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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Forever young
NEURO RUBIN
erschienen: Hirnforscher berichten
"Forever young" oder "Laufen macht klug"
versprechen die Fitness-Gurus - und immer mehr folgen
ihrem Ruf. Bestätigung erfahren sie nun offenbar
aus dem Lager der Wissenschaft. Galt hier noch vor nicht
allzu langer Zeit das erwachsene Gehirn als unveränderbar,
so heißt heute das Zauberwort "Plastizität":
Neurowissenschaftler schreiben diesem aktiven Anpassungsprozess
an die Anforderungen des täglichen Lebens Leistungssteigerung
bis ins hohe Alter zu. Im aktuellen Sonderheft NEURO
RUBIN des Wissenschaftsmagazins RUBIN treten sie am Beispiel
des Laufverhaltens den Beweis dafür an, dass unser
Gehirn das Potenzial besitzt, Alterungsprozesse durch
Fitness und Lernen nicht nur zu stoppen, sondern auch
umzukehren. Sie zeigen außerdem, dass sich durch
ein frühzeitiges Training Hirnfunktionen selbst nach
Zelluntergang zurückgewinnen lassen.
Besucht man Privatdozent Dr. Hubert Dinse (Institut für
Neuroinformatik der RUB), dann kann man mit etwas Glück
Ratten beim Lauftest erleben: Die einen huschen blitzschnell
von einem Ende des Balkens zum anderen, die nächsten
schaffen es mit Mühe bis zur Mitte und fallen dort
erschöpft in die Hände der Forscher. Wieder
andere kommen mit kleinen Schritten langsam und bedacht
ins Ziel.
Was wie eine Dressur anmutet, dokumentiert lediglich das
unterschiedliche Laufverhalten von jungen und alten Ratten
- die einen erreichen alle, die anderen in keinem Fall
das Ende des Balkens. Doch von den alten Tieren kommen
immerhin 80 Prozent wieder ans Ziel, wenn sie zuvor für
ein halbes Jahr in einer anregenden Umgebung (enriched
environment) jede Menge Herausforderungen bewältigt
hatten (Gänge und Höhlen bauen, Futter suchen,
vielfältige Kletterpartien).
Mit Hilfe elektrophysiologischer Messungen kontrollieren
die Hirnforscher die Nervenzellaktivität in den Hirnregionen
der Ratten, die für die Extremitäten zuständig
sind. Dabei kommt ihnen das besondere Prinzip der Gehirnorganisation
zugute: Wie eine Landkarte (kortikale Karte) repräsentieren
nebeneinander liegende Bereiche des Gehirns auch benachbarte
Punkte auf der Haut - fast wie ein Pfotenabdruck in der
Hirnrinde. Anhand dieser kortikalen Karten lässt
sich über veränderte sensorische und motorische
Fähigkeiten auf Alterungsprozesse schließen.
Ein Vergleich der Karten von jungen, alten und "enriched-Ratten"
ergab ein hoffnungsvolles Bild: Während die der alten
Ratten in Ausdehnung und Empfindlichkeit stark eingeschränkt
waren, genügten schon wenige Monate im "enriched
environment" und die Ausdehnung der kortikalen Karten
hatte wieder die junger Tiere erreicht. Dabei entwickelten
die trainierten alten Ratten aber neue Formen der "Alltagskompetenz":
Im Lauftest hielten sie durch viele kleine Schritte die
Pfoten dicht am Balken und gewannen auf diese Weise ihre
frühere Standsicherheit zurück.
Weitere Themen:
"Der kleine Unterschied" im menschlichen
Gehirn;
Wenn Gesichter bedeutungslos sind;
Von der Nase bis ins Gehirn: Düfte nehmen Gestalt
an;
Vom Nervensystem abgeguckt: Künstliche Bewegung -
so natürlich wie möglich;
Sehen und Bewegen: Ein Feuerwerk der Nervenzellen;
Neuronales Modell des Objektsehens: Schnelle Links für
scharfe Bilder;
Elektrische Synapse: "Aschenputtel" unter den
Zellkontakten;
Räume der Begegnung: Wo Nervenbahnen entstehen, wachsen
und sich verändern;
Diagnose Veitstanz - was kann da noch helfen?;
Neurodegenerative Erkrankungen: Mäuse stehen Modell.
NEURO RUBIN ist erhältlich in der International
Graduate School for Neuroscience (IGSN), Dr. Thomas Niemann,
Tel.: 0234/32-26955, und steht im Internet unter: www.ruhr-uni-bochum.de/neurorubin
Barbara
Kruse
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