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RUBENS 79 1. Mai 2003

Fünf Wesen in einem Körper

Roman über eine multiple Persönlichkeit


"Ich bin nicht allein', sagte sie plötzlich. 'Eine von uns will sterben'". Schon auf der ersten Seite ahnt man das faszinierende Thema des ersten Romans von Verena Liebers "Schattenmädchen" und seine spätere Katastrophe: "Nova ist anders. Denn in Novas Körper gibt es noch weitere Personen. Das macht alles viel komplizierter. Wie soll man jemanden lieben, wenn man nur einen Teil dieses Menschen liebt?" Zunächst ist es Nova, die der Erzähler kennen lernt. Nova ist eine liebevolle, romantisch veranlagte schöne Frau, mit der er viele lange Spaziergänge unternimmt. Schon bald begegnet ihm Marlene im Körper Novas; aber Marlenes klare, metallisch-abweisende Stimme geht er immer wieder aus dem Weg, er sucht lieber die Nähe Novas. So kommt die Liebe auf und unweigerlich die Erotik ins Spiel. Dafür sorgt Mary, ebenfalls im Körper Novas. Spätestens nachdem er das achtjährige Lenchen und den 17-jährigen Marco in Nova kennen lernt, fängt der Erzähler bewusst an, sich dem Problem der multiplen Persönlichkeiten zu widmen.
Subtil und mit großer Kennerschaft wagt sich die promovierte Biologin Liebers an dieses Thema heran. Wie selbstverständlich stellt sich ihr Ich-Erzähler stets auf die neuen Situationen ein, die mit den wechselnden Personen in demselben Körper einhergehen. Er spaziert mit Nova, spielt mit Lenchen und erduldet ihren kindlichen Schabernack, erlebt die heißesten Nächste mit Mary, misst sich mit Marco und wendet sich sogar an Marlene, als schließlich schwerwiegende Probleme auftauchen. Aber in der Person dieses Erzählers offenbart sich auch die Krux des Romans: Der namenslose Erzähler ist jederzeit verständnisvoll, so sehr, dass er zwar glaubwürdig einen Therapeuten geben könnte, nicht aber den "liebenden Menschen". Daher rührt auch der stets gleichmäßige lyrische Erzählton ohne große Höhen und Tiefen.
Verena Liebers ist Mitarbeiterin am Berufsgenossenschaftlichen Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin (BGFA) der RUB. Sie hat erst kürzlich den Dorstener Lyrikpreis 2003 erhalten. Unter 567 Gedichten wurde ihr Beitrag "Unsichtbar" einstimmig auf Platz 1 gewählt. Zuvor war sie 1. Preisträgerin des SALONline-Literaturpreises 2000 und hat den 2. Preis der Oberhausener Literaturtage 2002 gewonnen.

Verena Liebers, "Das Schattenmädchen", SALON Literaturverlag, München 2003, 200 S., 17,20 Euro

Wir verlosen das Buch unter allen, die uns bis zum 30. Mai 2003 eine Postkarte schicken: Redaktion Rubens, Pressestelle der Ruhr-Uni, UV 366, 44780 Bochum. Das Stichwort ist die Antwort auf die Frage: "Wer ist kein Ethik-Guru?"

jk
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Letzte Änderung: 30.04.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik