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RUBENS 79 1. Mai 2003

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Editorial


Für das aktuelle Sommer- und das kommende Wintersemester hat die RUB einen gleichermaßen hochrangigen wie umstrittenen Gastprofessor gefunden: Der ehemalige türkische Ministerpräsident Mesut Yilmaz wird im Fachbereich Politikwissenschaft Vorträge und Seminare zum europäisch-türkischen Verhältnis halten. Die einen feiern das als großen Gewinn für die RUB, die anderen fordern, die Entscheidung wieder rückgängig zu machen. Wie unterschiedlich die Urteile ausfallen, zeigt die folgende Auswahl an Zitaten rund um die Gastprofessur von Mesut Yilmaz:
Prof. Ilse Lenz, Dekanin der Fakultät für Sozialwissenschaft: "Studierende, die sich mit der Zukunft der Demokratie in und um Europa beschäftigen, werden sich für die Veranstaltungen interessieren. Ebenso hoffen wir, ein Signal der Zusammenarbeit deutscher und türkischer Wissenschaft zu setzen, das einen zukunftsorientierten Dialog einleitet."
Kurdistan AG der Studierenden an der RUB: "Wir sind der Auffassung, dass dies eine falsche Entscheidung ist und fordern die Ruhr-Universität Bochum auf, ihre Entscheidung zu überdenken und das Angebot an Mesut Yilmaz für eine Gastprofessur schnellstens zurückzuziehen."
Mesut Yilmaz: "Europäische und US-amerikanische Wissenschaftler haben gegen Ende des 20. Jahrhunderts prophezeit: Das 21. Jahrhundert wird zum Schauplatz des Kampfes der Kulturen: Westen gegen den Islam. Jetzt werden die Kriege in Afghanistan und im Irak als Beweis angeführt. Ich möchte mit den Studierenden der RUB darüber reden, ob dieser Kampf trotzdem noch zu verhindern ist."
BSZ, Nr. 592, 9.4.03, S. 1/2: "Warum holt man ausgerechnet Yilmaz an die Ruhr-Universität? Denn so wünschenswert und notwendig eine Annäherung von Deutschland und der Türkei auch ist, sollte man nicht mit einem Politiker wie Yilmaz zusammenarbeiten. Gerade angesichts der Tatsache, dass in Bochum und speziell an der Sowi-Fakultät viele kurdischstämmige Personen studieren, ist das Engagement Yilmaz' fragwürdig ... Sein Engagement an der Ruhr-Universität sollte man am besten mit Fernbleiben von seinen Lehrveranstaltungen quittieren."
Prof. Gerhard Wagner, Rektor der RUB: "Die Ruhr-Universität ist froh, dass Mesut Yilmaz hier zwei Semester lang lehren wird. Wir sind andererseits jedoch auch offen für kritische Fragen."
Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum: "Für die während seiner Amtszeit als Ministerpräsident begangenen Verbrechen trägt Mesut Yilmaz zumindest eine persönliche politische und moralische Verantwortung."
Wir möchten, dass sich unsere Leser/innen ein eigenes Urteil bilden und beleuchten die Gastprofessur deshalb ausführlich (s. nebenstehenden Artikel und Interview auf S. 5).

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Letzte Änderung: 30.04.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik