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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Meinungen
Editorial
Für das aktuelle Sommer- und das kommende Wintersemester
hat die RUB einen gleichermaßen hochrangigen wie
umstrittenen Gastprofessor gefunden: Der ehemalige
türkische Ministerpräsident Mesut Yilmaz wird
im Fachbereich Politikwissenschaft Vorträge und Seminare
zum europäisch-türkischen Verhältnis halten.
Die einen feiern das als großen Gewinn für
die RUB, die anderen fordern, die Entscheidung wieder
rückgängig zu machen. Wie unterschiedlich die
Urteile ausfallen, zeigt die folgende Auswahl an Zitaten
rund um die Gastprofessur von Mesut Yilmaz:
Prof. Ilse Lenz, Dekanin der Fakultät für
Sozialwissenschaft: "Studierende, die sich mit
der Zukunft der Demokratie in und um Europa beschäftigen,
werden sich für die Veranstaltungen interessieren.
Ebenso hoffen wir, ein Signal der Zusammenarbeit deutscher
und türkischer Wissenschaft zu setzen, das einen
zukunftsorientierten Dialog einleitet."
Kurdistan AG der Studierenden an der RUB: "Wir
sind der Auffassung, dass dies eine falsche Entscheidung
ist und fordern die Ruhr-Universität Bochum auf,
ihre Entscheidung zu überdenken und das Angebot an
Mesut Yilmaz für eine Gastprofessur schnellstens
zurückzuziehen."
Mesut Yilmaz: "Europäische und US-amerikanische
Wissenschaftler haben gegen Ende des 20. Jahrhunderts
prophezeit: Das 21. Jahrhundert wird zum Schauplatz des
Kampfes der Kulturen: Westen gegen den Islam. Jetzt werden
die Kriege in Afghanistan und im Irak als Beweis angeführt.
Ich möchte mit den Studierenden der RUB darüber
reden, ob dieser Kampf trotzdem noch zu verhindern ist."
BSZ, Nr. 592, 9.4.03, S. 1/2: "Warum holt
man ausgerechnet Yilmaz an die Ruhr-Universität?
Denn so wünschenswert und notwendig eine Annäherung
von Deutschland und der Türkei auch ist, sollte man
nicht mit einem Politiker wie Yilmaz zusammenarbeiten.
Gerade angesichts der Tatsache, dass in Bochum und speziell
an der Sowi-Fakultät viele kurdischstämmige
Personen studieren, ist das Engagement Yilmaz' fragwürdig
... Sein Engagement an der Ruhr-Universität sollte
man am besten mit Fernbleiben von seinen Lehrveranstaltungen
quittieren."
Prof. Gerhard Wagner, Rektor der RUB: "Die
Ruhr-Universität ist froh, dass Mesut Yilmaz hier
zwei Semester lang lehren wird. Wir sind andererseits
jedoch auch offen für kritische Fragen."
Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum: "Für
die während seiner Amtszeit als Ministerpräsident
begangenen Verbrechen trägt Mesut Yilmaz zumindest
eine persönliche politische und moralische Verantwortung."
Wir möchten, dass sich unsere Leser/innen ein eigenes
Urteil bilden und beleuchten die Gastprofessur deshalb
ausführlich (s. nebenstehenden Artikel
und Interview auf S. 5).
ad
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